Demonstrationen

Zuckerbranche steht mit dem Rücken zur Wand

Rübenbauern wie hier in der Wetterau fühlen sich zwischen der Liberalisierung des Zuckermarktes und der Ökologisierung der Landwirtschaft zerrieben.
Bild: Wetterauer Rübenverband
Rübenbauern wie hier in der Wetterau fühlen sich zwischen der Liberalisierung des Zuckermarktes und der Ökologisierung der Landwirtschaft zerrieben.

Die angekündigten Schließungen von Zuckerfabriken führen lässt Bauern und Verbände auf die Straße gehen. Die Branche fürchtet Entlassungen und eingeschränkte Fruchtfolgen für Landwirte.

Gegen die unfairen Wettbwerbsbedingungen im europäischen Rübenanbau wehren sich landauf landab Landwirte - Seite an Seite mit den Managern der Zuckerkonzerne. „Ein Jahr nach der Liberalisierung des Zuckermarktes stehen Landwirte und Zuckerfabriken in Deutschland mit dem Rücken zur Wand. Diese Krise ist politisch gemacht. Weil die europäische Politik die Liberalisierung des Zuckermarktes verordnet hat, aber selbst nicht liefert", wirft Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker den politisch Verantwortlichen in Berlin vor.

Gegen gekoppelte Zahlungen und Notfallzulassungen

Deutsche Landwirte fordern ein europaweites "Fair Play". Denn einige Länder in der EU unterstützen mit gekoppelten Zahlungen den Rübenanbau. In Deutschland erhalten Rübenbauern keine staatliche Unterstützung. Ferner wehren sie sich gegen nationale Notfallzulassungen für Neonicotinide im Rübenanbau. Auch hier gibt es in einigen Ländern Ausnahmen.

Am vergangenen Freitag demonstrierten Wetterauer Landwirte in Florstadt. Sie hatten zum Anbau 2018 ihre Fläche gegenüber zum Vorjahr nochmals um 5 Prozent ausgedehnt. Dr. Matthias Mehl, Vorsitzender des Verbandes Wetterauer Zuckerrübenanbauer, macht darauf aufmerksam, wie sehr der Preissturz von Zucker den heimischen Anbau belastet. „Zuckerrübenanbauer werden derzeit zwischen Liberalisierern und Ökologisierern der Landwirtschaft zerdrückt!“, gibt Mehl weiter zu bedenken. Mit Blick auf die Vergütung der Rüben 2018 werden Landwirte voraussichtlich einen schlechten, bei Weitem nicht kostendeckenden Preis erzielen, da der Rübenpreis direkt am Zuckerpreis hängt, so Mehl. Von dem Absturz des Zuckerpreises spüren Verbraucher nichts, da der Preisrückgang durch Süßwaren- und Getränkehersteller nicht weitergegeben wird, beschwert sich der WVZ-Geschäftsführer Tissen.

Es bestehe die große Gefahr, dass der Zuckerrübenanbau in Deutschland massiv eingeschränkt wird. Zuckerfabriken werden geschlossen und Arbeitsplätze gehen verloren. „Wir müssen 2019 und 2020 in den Kampfmodus schalten um den heimischen Zuckerrübenanbau zu erhalten!“, fordert Mehl. „Es gilt Chancengleichheit zwischen den Ländern in der EU-Zuckerwirtschaft zu schaffen. "Leider haben sich bisher weder die deutsche noch die EU-Politik dieser Misere angenommen."

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