Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ), fordert Fair Play am Zuckermarkt.
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Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ), fordert Fair Play am Zuckermarkt.

Die Zuckerwirtschaft in Deutschland kritisiert Verzerrungen im Wettbewerb der Zuckerrübenanbauer in Europa. Klöckner lädt zu einem runden Tisch und bekommt einiges zu hören.

Vor einem Monat hatte Südzucker-Aufsichtsratschef Hans Jürgen Gebhard sich darüber beschwert, dass die Berliner Politiker ihn nicht einmal zu einem Gespräch ins Ministerium einladen. Er wurde erhört. Die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich heute mit Vertretern der Zuckerwirtschaft in Berlin getroffen, um über die Krise auf dem deutschen Zuckermarkt zu sprechen. „Die Lage der Rübenbauer und der Zuckerwirtschaft ist zurzeit schwierig. Zu viel Menge ist auf dem Markt, die Preise sind entsprechend niedrig. Die Situation darf nicht noch durch wettbewerbsverzerrende Maßnahmen anderer EU- und Drittstaaten, wie gekoppelte Direktzahlungen und Notfallzulassungen für Neonikotinoide, verschärft werden", betonte Klöckner. 

Erste Werke schließen

Wegen der hohen Verluste im Zuckergeschäft hat Südzucker die Schließung von Zuckerwerken bekannt gegeben. Betroffen sind die Werke in Warburg (Nordrhein-Westfalen) und Brottewitz (Brandenburg). 
"Landwirte und Zuckerfabriken in Deutschland stehen mit dem Rücken zur Wand", äußert sich Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) in Berlin. Als Grund dafür nennt er ungleiche Wettbewerbsbedingungen in der EU. So würden in 11 von 19 EU-Ländern Sonderprämien für den Anbau von Zuckerrüben gezahlt - Deutschland gehöre nicht dazu. Zudem dürften in 13 von 19 EU-Ländern aufgrund von Notfallzulassungen die seitens der EU im Pflanzenschutz verbotenen Neonicotinoide weiter eingesetzt werden. Auch hier gehöre Deutschland nicht dazu, so Tissen.

Die Krise in der Zuckerwirtschaft sei politisch gemacht, daher könne sie auch nur politisch gelöst werden, so der Verbandsvertreter. Notwendig sei ein Fair Play auf dem Zuckermarkt, fordert Tissen. Dies bedeute: keine Sonderprämien für den Rübenanbau in der gesamten EU, keine Diskriminierung im Pflanzenschutz sowie Fairness auf dem Weltmarkt. Andernfalls sei nicht klar, ob es zukünftig auch weiterhin Zucker aus heimischem Anbau geben werde, so die Befürchtung. Gefährdet seien nicht nur rund 28.000 Rübenanbauer und die mehr als 5.000 Beschäftigten in der Zuckerindustrie, sondern darüber hinaus weitere 45.000 Arbeitsplätze in den Zuckerwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen im ländlichen Raum, erklärt Tissen.

Im heutigen Gespräch mit der Zuckerwirtschaft zeigte sich die Ministerin zuversichtlich, "dass wir Alternativen finden. Dafür nehmen wir Geld in die Hand, fördern zahlreiche Projekte zur Resistenzzüchtung." Ein Expertengremium soll die Marktlage analysieren und politische Maßnahmen ausloten. 

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Martin Fischer
    Erstellt 21. Februar 2019 16:11 | Permanent-Link

    Jede Wette, dass wir von einer Regierung, die offensichtlich dem Burnout verfallen ist, nichts außer Plattitüden zu hören bekommen! Das, in Kombination mit der leidigen Tatsache als Deutsche immer der Musterknabe sein zu wollen, wird für die deutschen Zuckerunternehmen nicht sehr förderlich sein. "Resistenzzüchtung"... damit ist doch nichts gewonnen, vielmehr muss man sich als deutsche Regierung auch mal querstellen können, denn wie es schon früher von Strauß formuliert wurde: „Everybody's darling is everybody's Depp.“

  2. Dr. Gerhard Schilling
    Erstellt 21. Februar 2019 16:40 | Permanent-Link

    Man stellt sich unweigerlich die Frage, in welcher Welt Frau Klöckner lebt? Mit Realitätssinn haben ihr Handeln und ihre Aussagen wenig zu tun. Bis die Resistenzzüchtung Ergebnisse bringt, hat der Markt die Sache geregelt. Dann gibt es eben 30 000 Rübenbauer und 50 000 Arbeitsplätze weniger und Frau Klöckner ist nicht mehr im Amt. Beides ist nachhaltig.

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