Russland

„Die Schwarzerde ist leer“


Der Russlandexperte Klaus John über die Trockenheit und die Aussichten für Weizenexporte.
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Der Russlandexperte Klaus John über die Trockenheit und die Aussichten für Weizenexporte.

Die schwache russische Währung begünstigt Exporte von russischem Weizen. Doch wann ist die kleinere Ernte ausverkauft? Klaus John, leitender Manager eines Ackerbaustandorts von Prodimex, berichtet über die aktuelle Situation.

az: Wie schätzen Sie die Ernte 2018 in Russland ein? Sind 20 Prozent Einbußen realistisch?

John: Ja, es ist sehr realistisch. Wir dürfen nicht vergessen, dass 2017 die hohe russische Getreideernte im Wesentlichen durch die kühle Witterung im Mai und Juni beeinflusst wurde sowie durch einen extrem frühen Vegetationsbeginn. Das waren extrem günstige Bedingungen, die eher unüblich sind. 2018 hatten wir einen späten Vegetationsbeginn und eine ausgeprägte Vorsommertrockenheit.

Wie ist die Winteraussaat gelaufen?

John: Die sehr trockenen Bodenbedingungen haben überall die Aussaat ermöglicht. Die Herbstniederschläge haben ausgereicht, um den Weizen überall zum Auflaufen zu bringen. Der überdurchschnittlich warme Oktober hat für eine schnelle Entwicklung gesorgt. Es stehen gute Bestände auf den Feldern. Wenn man über das mögliche Ertragsniveau 2019 spekulieren möchte, sind aber die extrem trockenen Böden ein Problem. Die Schwarzerde, die bis 250 Millimeter speichern kann, ist in vielen Regionen leer.  In Russland ist aber jetzt Vegetationsstillstand und die Böden in der Zentralregion frieren jetzt ein. Also wird eine Wasserinfiltration bis zum Auftauen im März 2019 schwierig.

Wann ist mit einem Abebben der russischen Getreideexporte zu rechnen?

John: Für gute Qualitäten werden in Russland in Rubel gute Preise erzielt. Liquidität ist in vielen Bereichen immer ein Problem. Durch den niedrigen Rubelkurs ist russischer Weizen am Weltmarkt sicherlich interessant. Deshalb wird es weiter zu Abverkäufen kommen. Wann der Weizen ausverkauft sein wird, ist schwer zu sagen. Sicherlich sind auch offizielle Zahlen schwer zu bewerten. Die Erfahrung zeigt, dass manchmal von zu guten Erträgen berichtet wird.

Wie beurteilen Sie die russische Landnachfrage?

John: Die Viehhaltung hat in den letzten Jahren deutlich zugelegt. Das bedeutet natürlich eine konstant steigende Nachfrage. Der Maisanbau wurde 2018 eingeschränkt. Deshalb muss sicherlich eine deutlich höhere Menge von Weizen ins Futter.
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Klaus John ist einer der Manager von Prodimex. Das 1992 gegründete Handelsunternehmen hat sich zunächst auf den Import von Weißzucker und die Verarbeitung von Rohstoffen spezialisiert. Seit 1996 wurde die eigene Agrarerzeugung aufgebaut. Heute beschäftigt die Holding mehr als 17000 Menschen und bewirtschaftet mehr als 800000 ha Ackerland mit Schwerpunkt Zuckerrüben, Getreide und Ölsaaten. Zum Unternehmen gehören 16 Zuckerfabriken. Klaus John ist einer der Referenten des az-Seminars „Agrarmärkte“, das am 7. Dezember in Hamburg stattfindet.

Es ist immer wieder von Qualitätsproblemen beim russischen Getreideexport zu lesen.

John: Sowohl die Erträge wie auch die Qualitäten werden viel stärker, als es sich Landwirte im Westen vorstellen können, durch das Wetter beeinflusst. Das hängt sehr stark mit der Schwarzerde, den Temperaturverläufen und den Niederschlägen zusammen. Bei den insgesamt sehr niedrigen Intensitätsstufen muss man sich nicht wundern, wenn es dann oft mit der Qualität nichts wird. Die Betriebe mit höherem Stickstoffeinsatz sind sicherlich in diesem Jahr die Gewinner. Bessere Qualitäten werden mit einer Prämie von 30 bis 40 Euro pro Tonne honoriert.

Warum ist der russische Ackerbau seit einigen Jahren so erfolgreich?

John: Eine der wesentlichen Ursachen liegt im Währungsverhältnis. Der Rubelkurs hat sich in den letzten Jahren gegenüber dem US-Dollar fast halbiert. Obwohl sich viele Kosten erhöht haben, bleibt vom Gewinn ein nicht unerheblicher Anteil übrig, der allein auf die Abwertung zurückzuführen ist. Auf der anderen Seite verteuerte der schwache Rubel natürlich den Einkauf von Betriebsmitteln und Landtechnik aus dem Westen.

Bleibt die russische Landwirtschaft auch künftig wettbewerbsfähig?

John: Wie schnell die Stärken weiter ausgebaut werden und ob die gewaltigen Potenziale schnell umgesetzt werden, das ist ein spannendes Thema. Für mich ist es einfach eine tolle berufliche Herausforderung, hieran mitzuarbeiten.

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