Die Saatbau Linz profitierte 2019 vom internationalen Anstieg der Maisflächen.
Saatbau Linz
Die Saatbau Linz profitierte 2019 vom internationalen Anstieg der Maisflächen.

Die österreichische Genossenschaft will vom wachsenden Sojaanbau und der Umstellung auf ökologischen Landbau profitieren. Wichtigstes Standbein bleibt das Maissaatgut.

Mit Warenerlösen im Umfang von 180 Mio. € gelang es der österreichischen Saatbau Linz im Jahr 2018, an das Umsatzergebnis aus dem Vorjahr anschließen zu können. Der Umsatz bei Saatgut zeigte sich auf hohem Niveau stabil, hingegen blieb die Entwicklung im Segment Erntegut hinter dem Vorjahr, teilte das Unternehmen mit. Erfolge aus den eigenen Züchtungsprogrammen sowie der Ausbau der nationalen und internationalen Kundenstruktur hätten dabei geholfen, die Position in Europa weiter zu festigen.

Die Einführung neuer Sorten konnte den Angaben zufolge erfolgreich umgesetzt werden, die Absatzmengen bei wichtigen Hauptkulturen wiesen ein deutliches Plus auf. 68 Jahre nach der Gründung der Genossenschaft erwirtschaftete die Saatbau Linz zwei Drittel ihres Umsatzes außerhalb Österreichs Grenzen.

Saatgutumsatz auf hohem Niveau

Konzernweit konnte der Absatz von Saatmais erneut gesteigert werden, obwohl im Vorjahr die europäische Maisfläche das fünfte Mal in Folge zurückging. Saatmais war mit einem Exportanteil von 85 Prozent weiterhin der stärkste Umsatzträger des Unternehmens. Mit knapp 800.000 verkauften Einheiten konnte der Absatz binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt werden. Die wichtigsten Märkte sind hier Polen sowie Deutschland, wo das Unternehmen 2018 erstmals mehr Saatmais als in Österreich absetzen konnte. Jahr für Jahr kommen leistungsstarke und standortangepasste Neuregistrierungen aus der Station Schönering hinzu, sodass hier ein weiterer Anstieg erwartet wird.

Zunehmende Nachfrage nach starken Sojabohnensorten

Die steigende Nachfrage nach gentechnikfreiem Eiweißfutter mit europäischer Herkunft lässt auch für die kommenden Jahre eine zunehmende Nachfrage nach starken Sojabohnensorten erwarten. Die Saatbau zählt hier zu einem der wichtigsten Anbieter in Europa. Trotz negativer Änderungen im europäischen Förderregime konnten Absatz und Umsatz von Sojabohnensaatgut 2018 auf hohem Niveau gehalten werden, mittlerweile finden zwei von drei Packungen ihren Weg auf die Märkte außerhalb Österreichs.
Klimafitte Sorten gefragt
Ein wichtiger Aspekt der Pflanzenzüchtung ist mittlerweile der Klimawandel. Der Fokus wurde in den letzten Jahren in Richtung Krankheitsresistenz und Trockentoleranz erweitert, um die Erträge auch unter extremen Wetterbedingungen sicherstellen zu können. "Klimafitte Sorten" lautet die Anforderung der Stunde. Als lokal verankertes Unternehmen hat die Saatbau auch Kulturen von regionaler Bedeutung in ihrem Portfolio, ohne die internationalen Märkte außer Acht zu lassen. 2018 erfolgten mehr als 80 Sortenzulassungen bei elf verschiedenen Kulturarten und in 14 Ländern. Elf neue Maishybriden aus eigener Züchtung wurden im In- und Ausland angemeldet, weiters gelang es, zwölf neue Sorten der Saatzucht Donau international und national erstmals zu registrieren.

Sehr gut verlief im vergangenen Jahr die Herbstsaison bei Wintergetreide mit neuen Sorten bei Weizen, Gerste, Triticale und Roggen. Mit einer Gesamtmenge von 30.000 t Wintergetreidesaatgut konnte das Rekordergebnis aus dem Jahr 2011 übertroffen werden. Mittlerweile beträgt auch bei Getreidesaatgut die Exportquote über 50 Prozent.

Absatz von Ölsaaten etwas rückläufig

Leicht rückläufig zeigte sich der Absatz von Ölsaaten wie Sonnenblumen und Raps. Insbesondere bei Letzterem ist die Fläche seit einigen Jahren in ganz Europa rückläufig. Die Reduktion der zugelassenen Beizmittel spiele hier auch eine zunehmende Rolle, so die Einschätzung des Unternehmens. Zwischenfrüchte, Klee und Gräser gewinnen für die Saatbau Linz an Bedeutung. Die Bauern forcierten im trockenen Jahr 2018 den Anbau von Feldfutter, zudem war verstärkt die Sanierung von Dauergrünland nach Engerlingschäden erforderlich.

Zufrieden zeigt sich die Saatbau Linz beim Biosaatgut. Die Umsteigerwelle auf biologische Wirtschaftsweise erzeuge von Frankreich bis in die Ukraine zusätzliche Nachfrage, von der man 2018 profitierten konnte. Die Bioanteile seien mittlerweile beachtlich, sie betragen etwa bei Sojabohne in Österreich schon 30 Prozent des gesamten Volumens.

Braugerste drückt das Ergebnis

Neben Saatgut ist der Geschäftsbereich Lebensmittel zu einer wichtigen Säule der Saatbau Linz geworden. Seit mittlerweile 25 Jahren werden Versorgungsketten zwischen Landwirten und Herstellern von Verarbeitungsprodukten und Lebensmitteln organisiert. In wichtigen Segmenten hat sich das Unternehmen eine beachtliche Marktposition im In- und Ausland erarbeitet - ein Viertel des Umsatzes wird in diesem Geschäftsfeld außerhalb von Österreich erwirtschaftet. Knapp 71 Mio. € bedeuten das zweitbeste Ergebnis dieses Geschäftsbereiches, innerhalb von zehn Jahren konnte der Umsatz beinahe verdreifacht werden. In der Sparte "Traditionelle Projekte" musste man eine witterungsbedingt sehr niedrige Ernte bei Braugerste verkraften. Diese Mengen fehlen im Umsatz und drücken auf das Gesamtergebnis.

85.000 t abgesetzte Bioware unterstreichen die Position der Saatbau als größter Biogetreidehändler Österreichs. Mit dem im Vorjahr in Betrieb genommenen Bio-Silo in Potzneusiedl können die steigenden Mengenflüsse in diesem Bereich bewältigt werden. Erheblich zulegen konnte das Geschäft mit Biospeisebohnen für Hersteller von Tofu oder Getränken auf pflanzlicher Basis.

Die Saatbau Linz profitierte 2019 vom internationalen Anstieg der Maisflächen und von der weiterhin guten Nachfrage nach Saatgut für Zwischenfrüchte, Feldsaaten und Grünland. Aufgrund des vielversprechenden Sortenspektrums bei Wintergetreide erwartet das Unternehmen wiederum eine gute Herbstsaison. Europaweit wird ein weiterer Anstieg von Biobetrieben prognostiziert, somit dürften hier auch zusätzliche Saatgutmengen nachgefragt werden.

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