Schärfere Regeln

Transporteinschränkungen bei Blauzungenkrankheit


In den letzten Monaten wurden laut FLI vermehrt virämische Kälber geboren, was eine unerkannte Verschleppung des Erregers möglich macht.
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Dr. Wilfried Adams
In den letzten Monaten wurden laut FLI vermehrt virämische Kälber geboren, was eine unerkannte Verschleppung des Erregers möglich macht.

Rinder und andere Wiederkäuer dürfen ab sofort nur noch mit einem Impfschutz oder Antikörpernachweis in BTV-freie Gebiete gelangen. Betroffen ist vor allem Süddeutschland.

Ab dem kommenden Samstag gelten verschärfte Regeln bei der Blauzungenkrankheit. Rinder, Schafe, Ziegen und Gatterwild aus Restriktionszonen dürfen dann nur noch mit einem wirksamen Impfschutz oder mit einem Antikörpernachweis gegen das Virus vom Serotyp 8 (BTV-8) in freie Regionen transportiert werden. Bund und Länder haben sich wegen der vermehrten Aktivität von Stechmücken in der wärmeren Jahreszeit darauf verständigt, dass die bisherigen Sonderregelungen auslaufen. 

Die Änderung erfolgt nach einer neuen Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Dem FLI zufolge tritt seit Ende 2018 im Südwesten Deutschlands nach langjähriger Freiheit wieder das Virus der Blauzungenkrankheit (BTV) vom Serotyp 8 bei Rindern auf. Es schätzt das Risiko einer saisonalen Übertragung durch Stechmücken (Gnitzen) für die Monate Dezember bis März (vektorarme Zeit) als vernachlässigbar, für die Monate April und November als mäßig und für die Monate Mai bis Oktober (vektoraktive Zeit) als hoch ein. Das Virus der Blauzungenkrankheit kann nur dann weiterverbreitet werden, wenn auch die Stechmücke aktiv ist.
Damit gilt folgendes:
  • Für die vektorfreie Zeit sehen die Regeln bestimmte zeitliche Fristen oder Kombinationen von Untersuchungen und Wartezeiten vor, um zu verhindern, dass virämische Tiere, die sich am Ende der vektoraktiven Zeit noch infiziert haben, transportiert werden
  • In der vektoraktiven Zeit dürfen nur Tiere verbracht werden, die nachweislich einen Impfschutz haben, oder bei denen Antikörper gegen BTV nachgewiesen wurden
  • Schlachttiere können jedoch unter den bisherigen Bedingungen zur Schlachtung verbracht werden, wenn sie vor dem Transportbeginn gesund sind und dies in der Tierhaltererklärung für Schlachttiere bestätigt wird
  • Das Verbringen von Kälbern geimpfter Muttertiere ist nach der nachweislichen Gabe von Biestmilch weiterhin mit Tierhaltererklärung möglich. Allerdings gibt es eine wichtige Änderung: Wurden die Kühe nicht bereits vor Beginn, sondern erst während der Trächtigkeit geimpft, sind zusätzlich eine Blutprobenahme und eine Laboruntersuchung auf BTV erforderlich. Denn noch nicht geborene Kälber können sich in der Gebärmutter mit dem Virus anstecken, sofern die Kuh keinen wirksamen Impfschutz hatte.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium strebt mit anderen EU-Ländern bilaterale Verträge für den Handel an. Für den Kälbertransport in die Niederlande wurde bereits Ende April eine solche Vereinbarung getroffen. 

Bayerische bauern sind nicht einverstanden

Das Restriktionsgebiet umfasst Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland, Südhessen und Teile von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Der Bayerische Bauernverband (BBV) kritisiert die "kurzfristige und überraschende Verschärfung der Verbringungsregeln". Davon seien Restriktionsgebiete in Mittelfranken betroffen, obwohl es weder dort noch in anderen Teilen des Freistaats einen Blauzungenfall gebe. Der BBV-Geschäftsführer des Bezirksverbandes Mittelfranken, Ottmar Braun, erklärte: „Unsere rinderhaltenden Mitgliedsbetriebe und der Bauernverband verstehen nicht, warum die bis zum 30. Juni in Bayern gültigen Verbringungsregeln jetzt von der Bund-Länder-Arbeitsgruppe aufgekündigt wurden.“ Für die Rinderhalter bedeute das Riesenprobleme und verschärfe die ohnehin schon sehr angespannte Situation in den betroffenen Gebieten. Erschwerend kommt laut Braun hinzu, dass sich die Impfstoffverfügbarkeit nach wie vor nur zögerlich verbessert. 




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