Schweinefleisch

China stoppt Importe aus Kanada


Der politische Streit um die Verhaftung einer chinesischen Managerin in Kanada eskaliert. Betroffen ist nun die Fleischbranche.

Seit Mittwoch dieser Woche sind die Exporte von Schweine- und Rindfleisch aus Kanada nach China gestoppt. Die Volksrepublik begründet die Entscheidung mit Unregelmäßigkeiten in den Exportbescheinigungen. Beobachter vermuten, dass die Regierung in Peking mit dem Exportstopp die Freilassung der im Dezember 2018 in Vancouver festgenommenen Huawei-Managerin Meng Wanzhou zu erzwingen. Kanada ist der weltweit drittgrößte Exporteur von Schweinefleisch.

Wachstumsförderers Ractopamin im Fleisch

Ursache für den Importstopp waren zunächst Funde des Leistungsförderers Ractopamin in einer kanadischen Lieferung nach China. Der Einsatz dieses Wirkstoffs ist in der Europäischen Union mit Ausnahme weniger therapeutischer Anwendungen verboten. China habe untersagte daraufhin mit sofortiger Wirkung die Einfuhr von Schweinefleischprodukten der betroffenen Unternehmen.

Darüber hinaus wurden weitere Dokumente der kanadischen Exporteure aus früheren Lieferungen erneut überprüft. Dabei stießen die chinesischen Kontrolleure auf zahlreiche Unregelmäßigkeiten. Insgesamt seien 188 Veterinärprotokolle fehlerhaft gewesen, teilte die chinesische Botschaft in Ottawa mit. Nach berichte kanadischer Medien war offenbar Fleisch als „kanadisch“ deklariert worden, obwohl es nicht in dem Land produziert wurde.

Chinesische Botschaft fordert wirksame Maßnahmen

Die chinesische Regierung forderte Kanada daraufhin auf, „wirksam Maßnahmen zu ergreifen“ um die Sicherheit des Fleisches zu gewährleisten. „Wir hoffen, dass die kanadische Seite diesem Vorfall große Bedeutung beimisst ... und wirksame Maßnahmen ergreift, um die Sicherheit von nach China exportierten Lebensmitteln auf verantwortungsbewusstere Weise zu gewährleisten", heißt es in dem Schreiben der Botschaft.

Hoher Importbedarf in China

Kanadas Schweinebranche hatte in den vergangenen Monaten vom gestiegenen Importbedarf Chinas profitiert. Seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vor rund einem Jahr leidet das asiatische Land unter einer Abstockung der Bestände und einer sinkenden Produktion. Kanada konnte seine Ausfuhren nach China deutlich steigern. Um den Bedarf im Inland zu decken, musste Schweinefleisch aus den USA importiert werden, das wegen der im Handelsstreit verhängten Strafzölle in China weniger wettbewerbsfähig ist.

Bessere Chancen für Europa

Sollte der Importstopp über einen längeren Zeitraum gelten, wären die Europäische Union und Brasilien die größten Gewinner auf dem chinesischen Markt. Branchenvertreter in Kanada kündigten an, sich nun um einen größeren Absatz in Korea, Japan, Mexiko und den USA bemühen zu wollen, um die fehelenden Exporte nach China zu kompensieren. Auf den Weltmarktpreis werde die chinesische Entscheidung kaum Einfluss haben, denn das Angebot bleibe knapp. Probleme könne es für Kanada aber beim Export bestimmter Artikel wie Schweinefüße geben, die vor allem in China gefragt sind.

Opposition fordert Hilfsprogramme

Mit dem chinesischen Bann für kanadisches Schweinefleisch wächst der innenpolitische Druck auf Premierminister Justin Trudeau, im Streit um die Inhaftierung der Tochter des Firmengründers und Finanzchefin des Telekommunikationskonzerns Meng Wanzhou einzulenken. Abgeordnete der Oppositionsparteien im kanadischen Parlament machen nicht China, sondern Trudeau für den Importstopp verantwortlich.

Der konservative Agrarpolitiker Luc Berthold, erklärte, es sei „klar, dass dies keine Frage der Sicherheit ist, sondern ein politisches Problem, das durch Justin Trudeaus Inkompetenz und Schwäche auf der Weltbühne verursacht wird“. Einen schweren Schlag für die kanadischen Produzenten, konstatierte Gabriel Ste-Marie von der Regionalpartei Bloc Québécois. Er forderte schnell ein Unterstützungsprogramm zu verabschieden, denn die Schweinehalter litten bereits jetzt unter den niedrigen Preisen auf dem nordamerikanischen Markt.

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