Schlachhof Tauberbischofsheim

Behörden unter Druck


Stern TV hatte vergangene Woche schockierende Bilder aus einem Schlachthof gezeigt. Jetzt schaltet sich der baden-württembergische Landwirtschaftsminister ein.

Der Schlachthof der OSI-Gruppe in Tauberbischofsheim ist mittlerweile geschlossen. Doch die grausamen Vorgänge werden die Institutionen wohl noch länger beschäftigen. Es wurde nicht nur Anzeige gegen den Betrieb, sondern auch gegen das Veterinäramt erstattet. Die Staatsanwaltschaft sicherte Material.

Die Rufe nach Behördenversagen werden lauter. In den Aufnahmen des Fernsehteams ist zu sehen, dass die Tierrechtsverstöße in Anwesenheit des Amtstierarztes begangen worden sind. Mittlerweile hat sich der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauck eingeschaltet. Er will den Fall "akribisch aufarbeiten."
Das zuständige Landratsamt Main-Tauber-Kreis erklärt, dass bezüglich möglicher Verfehlungen beim Tierschutz unter Beobachtung eines amtlichen Veterinärs oder sonstigen Personals unserer Behörde "wir konsequent disziplinarische bzw. arbeitsrechtliche Maßnahmen prüfen" werden. 

Der Warenverkehr bleibt intransparent

Umstrukturierungen und Übernahmen sollen für die untragbaren Zustände in Tauberbischofsheim mit verantwortlich sein. Vor rund einem Jahr wurde der Schlachthof von dem Lebensmittelkonzern OSI übernommen. Als der bisherige Eigentümer und kurzzeitige Geschäftsführer Michael Hynek das Unternehmen verließ, haben die regionalen Fleischbetriebe sich von dem Schlachthof abgewandt. "Wir haben die Geschäftsbeziehung nicht mehr weitergeführt", sagt Harald Hohl, Obermeister der Fleischerinnung Heilbronn-Hohenlohe-Schwäbisch Hall, gegenüber agrarzeitung.de. Die Zusammenarbeit hätte nicht mehr funktioniert, man habe überhaupt nicht mehr gewusst, wo die Ware hergekommen sei. Seiner Meinung nach gebe es in der Region nicht mehr viele Kunden des Schlachthofs. McDonald's bezog nach eigenen Angaben rund 30 Prozent des Fleisches. Wer die restlichen 70 Prozent der Ware bezogen hat, ist nicht klar.

Global Player
OSI hat mehr als 65 Produktionsstätten und 20.000 Mitarbeiter in 17 Ländern. In Deutschland gibt es 9 Standorte, davon ist einer der Schlachthof in Tauberbischofsheim. Dort sollen täglich rund 200 Rinder geschlachtet worden sein. Die Fast-Food-Kette McDonald's bezog nach eigenen Angaben rund 30 Prozent des dort geschlachteten Fleisches. 

Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Partei Die Grünen, hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Er fordert die Bundesregierung auf, für das Betäuben und Töten von Wirbeltieren eine maximal zulässige Tierzahl pro Stunde festzulegen. Laut Innungsmeister Hohl ist das eine nicht ganz realistische Forderung. Eine behördlich vorgeschriebene Tierzahl könne nicht eingehalten werden. "Das kann man doch gar nicht nachvollziehen. Es wird nie einer daneben stehen und warten und aufpassen", so Hohl.

Der Zweck heiligt die Mittel

Von 22. bis 26. Januar hatte die Tierrechtsorganisation Soko Tierschutz heimlich im Schlachthof Tauberbischofsheim gefilmt. Was dort an Bildern zu Tage befördert wurde, ist grausam und in keinster Weise hinnehmbar. Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass es sich um Hausfriedensbruch handelt.

Die Frage, wann der Zweck die Mittel heiligt, beschäftigt Gerichte seit längerem. Sie haben dazu eine eindeutige Haltung, wie der Fall der Aktivisten von Animal Rights Watch (ARIWA) zeigt. Diese NGO liefert ebenfalls regelmäßig Undercovermaterial aus Schweine-, Puten- und Hühnerställen. Am Donnerstag beschäftigt sich das Oberlandesgericht (OLG) Naumburg mit einem Fall von Hausfriedensbruch, der bereits zwei Instanzen durchlaufen hat. Das Landgericht Magdeburg bestätigte im Oktober 2017 das Urteil des Amtsgerichts Haldensleben vom September 2016: Auch in zweiter Instanz sprach der Richter die drei Aktivisten frei, die 2013 heimlich in der Schweinezucht und -mast Sandbeiendorf Videoaufnahmen angefertigt hatten. Der Freispruch wird mit dem Rechtfertigungsgrund der Nothilfe begründet. Am Donnerstag überprüft das OLG nun lediglich die Entscheidung des Landgerichts Magdeburg auf Rechtsfehler.

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