Nach über zwei Jahren Ruhe ist der Familienzwist bei Tönnies neu entbrannt. Weil sich Robert Tönnies bei der Übernahme der Wurstsparte der Bell Food Group übergangen fühlt, muss sich nun erneut ein Gericht mit dem Fleischkonzern in Rheda-Wiedenbrück beschäftigen.

Der Frieden bei Deutschlands größtem Schlachtkonzern hielt nur kurz. Jetzt ist der Familienstreit zwischen Clemens und Robert Tönnies um die Frage, wer das Sagen im Unternehmen hat, neu aufgeflammt. Wie das Landgericht Bielefeld laut einem Bericht der Lebebensmittelzeitung (LZ) bestätigt, ist dort im Namen von Robert Tönnies ein Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen die Holding und drei Geschäftsführer – darunter auch dessen Onkel Clemens – eingereicht worden.

Hintergrund ist die geplante Übernahme des Wurstgeschäfts von der Schweizer Bell Food Group durch die Tönnies-Tochter Zur Mühlen Gruppe. Wie die "Neue Westfälische" berichtet, geht es um die beiden Werke in Suhl und Börger, wo die Marken Thüringer Wurstspezialitäten und das Beef Jerky produziert werden. Diese halte Robert Tönnies für defizitär. Der Deal sei ohne seine Zustimmung und gegen seinen Willen durchgeführt worden, schreibt LZ weiter.

Genau diese Begründung führt bei Tönnies zu Kopfschütteln. Man habe "verwundert und überrascht" auf den Antrag auf Einstweilige Verfügung reagiert, so ein Sprecher gegenüber LZ. Die Entscheidung zur Übernahme sei von der die Geschäftsführung der Tönnies Holding einstimmig getroffen worden und habe keine Zustimmung durch den Beirat erfordert. Und weiter: "Die Holding-Geschäftsführung wird paritätisch durch die beiden Familienstämme der Gesellschafter besetzt (je zwei Geschäftsführer). Sollte ein Gesellschafter eine andere Einschätzung als die zuständige Holding-Geschäftsführung haben, sieht der 2017 geschlossene Gesellschaftervertrag vor, den Beirat anzurufen. Das ist im konkreten Fall nicht geschehen. Stattdessen wurde der Rechtsweg beschritten."

Der Tönnies-Konzern sehe dem Termin zur mündlichen Verhandlung, für den das Landgericht Bielefeld den 9. August um 12 Uhr festgesetzt hat, daher gelassen entgegen: "Der Vertrag zur geplanten Übernahme der Wurstwarenwerke der Firma Bell ist rechtswirksam. Die Übernahme erfolgt vorbehaltlich der noch ausstehenden Zustimmung der Kartellbehörden." An der Rechtswirksamkeit der beschlossenen Übernahme werde dieses Verhalten nichts ändern.

Über fünf Jahre dauerte bislang der Familienstreit zwischen Clemens und Robert Tönnies. In mehreren Gerichtsprozessen wurde die "Schlacht der Schlachter" öffentlich ausgetragen. Im Kern ging es immer um das Mitspracherecht von Neffe Robert an der Konzernführung. Im April 2017 dann hatten sich die beiden Streitparteien geeinigt. Das Ergebnis war unter anderem die Gründung eines Beirates aus sieben Mitgliedern inklusive Neffe Robert und Onkel Clemens. Dieses Gremium besitze im Konfliktfall die Entscheidungsbefugnis.

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