Frei lesbar: Schlachthof Teterow

"Regionale Wertschöpfungsketten werden zerstört"

Längere Transportzeiten wird es nach dem Aus für die Schlachtlinie in Teterow geben, befürchtet Bauernpräsident Detlef Kurreck.
Bild: Bauernverband M.V.
Längere Transportzeiten wird es nach dem Aus für die Schlachtlinie in Teterow geben, befürchtet Bauernpräsident Detlef Kurreck.

Ende voriger Woche sind im Schlachthof Teterow die letzten Schweine geschlachtet worden. Detlef Kurreck erläutert, was dieser Schritt der Betreiberfirma Danish Crown für die Tierhalter im Nordosten bedeutet.

agrarzeitung: Der Schlachthof Teterow hat die Verarbeitung von Schweinen Ende voriger Woche eingestellt. Wie beurteilen Sie diesen Schritt von Danish Crown?

Detlef Kurreck: Wir bedauern es sehr, dass Danish Crown die Schweineschlachtung in Teterow einstellt. Doch es ist eine Unternehmensentscheidung, die wir akzeptieren müssen.

Welche Konsequenzen hat das für die Schweineerzeuger im Nordosten?

Natürlich gibt es mit den Schlachthöfen in Perleberg/Brandenburg und Weißenfels/Sachsen-Anhalt ausreichende Kapazitäten in erreichbarer Nähe. Doch die Transportwege sind deutlich länger: Das bedeutet höhere Kosten, die von den Schweinehaltern getragen werden müssen – und weniger Tierwohl. Noch schwerer wiegt aus meiner Sicht jedoch, dass bestehende regionale Wertschöpfungsketten, die in den vergangenen Jahren mit Engagement und Mühen aufgebaut wurden, auf einen Schlag zerstört werden.

Besonders hart trifft die Schlachthofschließung Mastbetriebe, die Bio-Schweine produzieren oder sich an Spezialprogrammen wie der Haltung von Schweinen auf Stroh beteiligen. Einige dieser Landwirte werden künftig die strengen Kriterien ihrer Vermarktungspartner nicht mehr erfüllen können.

Werden die Tierbestände in ‚dem‘ Agrarland Mecklenburg-Vorpommern jetzt beschleunigt sinken?

Natürlich löst die Entscheidung einen Impuls in der Branche aus. Wie die Schweinehalter damit umgehen werden, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch: Die Stimmung bei den Schweinehaltern im Land ist schlecht. Und das liegt nicht nur an der Einstellung des Schlachtbetriebs in Teterow. Die Schweinehalter kämpfen seit Jahren mit vielen anderen Problemen wie beispielsweise fehlenden Gesetzen zur Neuregelung für die Haltungssysteme bei Sauen im Deckzentrum und im Abferkelbereich.

Pläne zur Errichtung eines neuen Regionalschlachthofs für Schweine sind im Gespräch. Wie ‚griffig‘ sind diese?

Die Initiative des Fleischerhandwerks im Land denkt schon seit einiger Zeit über einen Schlachthof nach, in dem regionale Fleisch- und Wurstwaren erzeugt werden, deren Herkunft für den Verbraucher zu 100 Prozent nachvollziehbar ist. Doch bis so ein neuer Schlachthof seinen Betrieb aufnehmen kann, gehen Jahre ins Land.

Könnten die vorhandenen 29 kleineren Schlachtbetriebe im Land das Problem lösen?

Diese kleinen Schlachtbetriebe sind zum großen Teil ausgelastet. Hier werden Schweine geschlachtet, die anschließend gleich vor Ort weiterverarbeitet werden. Oft schlachten diese Betriebe nur an einem Tag pro Woche. Die Größenordnung von Teterow kann niemand auffangen. In Teterow wurden pro Jahr rund 480 000 Schweine geschlachtet, in den 29 kleinen Schlachtbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern zusammen gerade mal 29 000.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 36/2019, Seite 8. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonenten finden den kompletten Artikel in unserem e-paper. 

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