Schlachtschweinebranche

Tierärzte fordern mehr Kontrollen

Nach der Ausstrahlung eines Berichts von Report Mainz in der vergangenen Woche, bei der erneut Tierquälereien in deutschen Schweineställen dokumentiert wurden, sehen auch Tierärzte sofortigen Handlungsbedarf. Sie fordern vor allem mehr Kontrollen in den Betrieben und mehr Personal in den Veterinärämtern.

Im Beitrag „Millionen Schweine sterben für den Müll“ waren am vergangenen Dienstag erneut Bilder zu sehen, die auf erhebliche Tierquälerei in deutschen Schweineställen schließen lassen. Der Verein "Tierärzte für verantwortungsvolle Landwirtschaft" sieht hierin einen weiteren Beleg, dass es sich bei den Verstößen nicht um Einzelfälle handele. Die gezeigte Tierquälerei sei absehbare Folge einer Agrarpolitik, die Tier und Mensch erheblich überfordere.

Dem Filmbeitrag zufolge seien 12,5 Mio. Schweine in ihrem Leben erheblichen Schmerzen und länger anhaltenden Leiden ausgesetzt. Damit sei also jedes 5. der 60 Mio. jährlich in Deutschland geschlachteten Schweine betroffen, so die Tierärzte. Diese "krassen Verstöße" gegen das Tierschutzgesetz seien nicht hinnehmbar, eine zivilisierte Gesellschaft und Kulturnation dürfe sich solche, für Tier und Mensch unwürdigen Zustände einfach nicht leisten, so die Tierärzte in einem Schreiben an die Länderagrarminister. "Wir fordern die Länder auf, sich unserer Vorschläge anzunehmen und unverzüglich die personellen und rechtlichen Bedingungen für eine lückenlose und effektive Tierschutzkontrolle der landwirtschaftlich genutzten Tiere herzustellen." 

Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft
Die Entwicklung der Landwirtschaft hin zur Intensivproduktion auf Kosten des Tierschutzes und auf Kosten unserer ökologischen Lebensgrundlagen führte im Juni 2012 zur Gründung des Tierärztlichen Forums für verantwortbare Landwirtschaft, für dessen Positionen sich inzwischen mehr als 160 Tierärzte einsetzen. Im Januar 2016 gründeten Mitglieder des Forums den Verein "Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft". Sie fühlen sich nach eigenen Angaben gemeinsam verpflichtet, zu einem Systemwechsel hin zu regionaler, naturerhaltender Landwirtschaft in bäuerlichen Strukturen beizutragen.

Die Ausübung der staatlichen Befugnisse nach dem Tierschutzgesetz sei Ländersache, argumentieren die Tierärzte. Sie sehen die Landkreisen und kreisfreien Städten als unterer Tierschutzbehörde bei Kontrolle und Überwachung von Nutztierhaltungen in der Pflicht. Damit die Veterinärbehörden dem Aufgabenfeld Tierschutzüberwachung nachkommen könnten, sei eine Personalaufstockung dringend notwendig.

Als wichtige Kontrollpunkte identifizieren die Tierärzte zudem: 

Mehr unangemeldete Kontrollen in den Betrieben. In manchen viehstarken Landkreisen könnten die Betriebe rein rechnerisch nach dem derzeitigen Personalschlüssel nur alle zehn bis zwölf Jahre kontrolliert werden.

Auch in den kleineren Schlachtbetrieben müsse von Beginn der Anlieferung der Tiere bis hin zum Schlachtende permanent ein amtlicher Tierarzt vor Ort sein. Es sei bekannt, dass es in den großen Schlachtbetrieben, in denen während der gesamten Schlachtzeit amtliche Tierärzte vor Ort seien, weniger Probleme gebe als in kleineren Betrieben.

Die Tierkörperbeseitigungsanstalten müssten in die systematischen Tierschutzkontrollen der Veterinärbehörden eingeschlossen und die angelieferten Tierkörper unter Tierschutzaspekten untersucht werden. Eine verpflichtende sichere Kennzeichnung aller im Herkunftsbetrieb verendeten oder getöteten Tiere vor Abholung durch die Verarbeitungsbetriebe sei die Grundbedingung für die Rückverfolgbarkeit von Tierschutzverstößen.

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