Schweinehaltung

EU macht Druck bei Ringelschwanz

Der Ringelschwanz soll künftig intakt bleiben.
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Der Ringelschwanz soll künftig intakt bleiben.

Auf die Schweinehalter kommen 2019 weitere Auflagen zu. Die Schwänze der Tiere dürfen nur noch kupiert werden wenn nachgewiesen wurde, dass der Eingriff notwendig ist.

Seit Zehn Jahren ist das routienemäßige Kürzen der Schwänze von Hausschweinen in der EU verboten (siehe Kasten). Die EU-Verordnung wurde bisher von Politik, Behörden und Tierhaltern weitgehend ignoriert. Die Kommission in Brüssel will diesen Missstand nicht länger hinnehmen und fordert von den Mitgliedsstaaten konkrete Maßnahmen, damit die Schweine in Zukunft mit intakten Schwänzen gehalten werden können.

Die EU-Richtlinie
Ein Kupieren der Schwänze (…) darf nicht routinemäßig und nur dann durchgeführt werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass Verletzungen (…) an den (Schwänzen oder) Ohren anderer Schweine entstanden sind. Bevor solche Eingriffe vorgenommen werden, sind andere Maßnahmen zu treffen, um Schwanzbeißen und andere Verhaltensstörungen zu vermeiden, wobei die Unterbringung und Bestandsdichte zu berücksichtigen sind. Aus diesem Grund müssen ungeeignete Unterbringungsbedingungen oder Haltungsformen geändert werden.

Auszug aus der Richtlinie 2008/120/EG Anhang 1 Kapitel 1 Nr. 8

In dieser Woche informierte das Niedersächsische Expertennetzwerk für Tierschutz in mehreren Veranstaltungen über 400 Schweinehalter darüber, was sie in Zukunft beachten müssen, um die Vorgaben des EU-Rechts einzuhalten. „Die EU nimmt das Thema sehr ernst“, machte Anne-Claire Berentsen vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) deutlich.

Kurzfristig müsse nicht auf das Kupieren verzichtet werden, beruhigte sie die Schweinehalter. Die Mitgliedsstaaten wurden aber aufgefordert in nationalen Aktionsplänen Maßnahmen festzulegen, mit denen der Anteil der Schweine mit unkupierten Schwänzen langfristig erhöht werden soll. Derzeit gibt es in der EU nur zwei Staaten, Finnland und Schweden, die auf den Eingriff weitgehend verzichten. Auch in anderen Ländern gebe es gute und sinnvolle Alternativen. „Daran werden die anderen gemessen“, machte Berentsen deutlich.

Betriebe sollen Risiko analysieren

In Deutschland soll der nationale Aktionsplan durch Verordnungen der Bundesländer ungesetzt werden. In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits eine Regelung, die den Betrieben zusätzliche Dokumentationspflichten auferlegt. So müssen sie zweimal im Jahr in mindestens zwei Abteilen ihres Bestandes die kupierten Tiere begutachten und den Anteil der Tiere mit Verletzungen an Schwanz und Ohren dokumentieren. Sind bei mehr als zwei Prozent der Tiere Verletzungen zu finden, darf der Betrieb vorerst weiter die Schwänze kupieren beziehungsweise kupierte Tiere einstallen. Er muss aber auch eine Risikoanalyse durchführen, in der nach Gründen für den Kanibalismus gesucht wird, und Maßnahmen einleiten, mit denen das Schwanzbeißen in Zukunft unterbunden werden soll.

Einstieg in den Kupierverzicht gefordert

Wenn bei weniger als zwei Prozent der Tiere Verletzungen an Schwanz und Ohren gefunden werden, ist der Betrieb verpflichtet, in die Haltung von Tieren mit unkupierten Tieren einzusteigen. Dazu müssen in einem ersten Schritt ein Prozent unkupierte Tiere gehalten werden. Auch bei diesen Tieren muss der Zustand des Schwanzes regelmäßig erhoben werden. Am Ende dieses Prozesses muss in einer Tierhaltererklärung dargelegt werden, warum in dem Betrieb das Kupieren der Schwänze notwendig ist. Diese Erklärung muss an den Ferkelerzeuger weitergegeben werden, damit dieser das Kürzen der Schwänze rechtfertigen kann. Ein ähnliches Verfahren müssen die Betriebe durchlaufen, die die Ferkel aufziehen. Sollten dort Probleme mit dem Schwanzbeißen auftreten, muss das Kupieren der Schwänze ebenfalls in einer Tierhaltererklärung begründet werden.

Kurzfristig kommen auf die Landwirte zusätzliche Dokumentationspflichten zu. Damit wird sich die Kommission auf Dauer nicht zufriedengeben, machte die Laves-Experten deutlich. Ob die nationalen Aktionspläne ausreichen, hängt aus Sicht der Brüsseler Experten davon ab, wie gut es gelingt, den Anteil von Schweinen mit unkupierten Schwänzen in den kommenden Jahren zu erhöhen.

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