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Der Tönnies-Konzern reagiert mit seiner „Agenda t30“ auf die gesellschaftliche Debatte zur Tierhaltung und will sich nach eigenem Bekunden der Verantwortung für die gesamte Wertschöpfungskette stellen.

In den kommenden zehn Jahren sollen nachhaltige Produktionsketten für Schweine- und Rindfleisch aufgebaut werden. Die Ziele des Fleischkonzerns Tönnies sind konkret: So soll die in der Aufzucht und Mast verwendete Menge an Antibiotika um drei Viertel reduziert werden. Auch beim Thema Nitratbelastung gehen die Ostwestfalen in die Offensive. Als Ziel wird eine Reduzierung der Nitratmenge in der Gülle um 30 Prozent formuliert. Futtermittel sind ein weiterer Punkt, bei dem Einfluss auf die Lieferanten genommen wird.

Für 2030 ist ein Verzicht auf Soja aus Südamerika und Palmöl geplant. In der Futtermittelbranche hält man dieses Ansinnen für ambitioniert, aber machbar. Der Sojabedarf könnte auch in den USA gedeckt werden. Schwieriger wäre der Austausch von Palmöl, das mit 0,4 Prozent ein kleiner, aber wichtiger Bestandteil im Mischfutter ist. Seit einiger Zeit gibt es Ersatzprodukte auf Basis von Sonnenblumen, die sich bisher noch nicht auf dem Markt durchgesetzt haben. Ziel von Tönnies ist es, bis 2030 den Anteil von Tieren aus übergesetzlichen Haltungsformen auf 70 Prozent zu steigern. Um das zu erreichen, will der Konzern Landwirte beim Bau von 500 Tierwohlställen unterstützen.

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Damit nimmt Tönnies die vorgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette in die Pflicht. Im Interview mit der Lebensmittelzeitung widersprechen Clemens Tönnies und sein Sohn Maximilian der Vermutung, dass eine vertikal integrierte Produktion angestrebt wird. Zwar müssten Landwirte, die mit Tönnies einen Stall bauen wollen, Mitglied der Baugenossenschaft werden, Lieferverpflichtungen für die Schweine würden sich daraus aber nicht ergeben.

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Experten sehen dennoch in der Schweinebranche eine Entwicklung zu verbindlicheren Geschäftsbeziehungen. Durch die Initiative Tierwohl (ITW) könnte nach Angaben von Dr. Albert Hortmann-Scholten, Leiter des Fachbereichs Betriebswirtschaft und Markt im Geschäftsbereich Landwirtschaft der LWK Niedersachsen, der Trend zur vertikalen Integration der Wertschöpfungskette auch bei Schweinefleisch befördert werden – ähnlich wie in der Geflügelfleischproduktion. Große Geflügelfleischverarbeiter wie die PHW-Gruppe mit der Marke Wiesenhof haben bereits die gesamte Wertschöpfungskette unter ihrer Kontrolle: So ziehen die Vertragsmäster die vom Konzern vorgegebenen Küken auf, kaufen Wiesenhof-Futter und sind sogar verpflichtet, mit bestimmten Veterinären zusammenzuarbeiten, sagt Hortmann-Scholten.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 08/2020, Seite 8. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen.
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