Soja

BVA findet Eiweißstrategie "unnötig"

BVA-Präsident Rainer Schuler hält eine Eiweißstrategie für unnötig.
Foto: J_Struck
BVA-Präsident Rainer Schuler hält eine Eiweißstrategie für unnötig.

Die EU wird langfristig auf Einfuhren pflanzlichen Eiweißes angewiesen sein, heißt es vom Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA). Ein Ausbau der eigenen Versorgung sollte über den Markt erfolgen.

"Auch bei einer deutlichen Ausweitung der Eiweißpflanzenfläche wird sich Europa nicht selbst versorgen können"  sagte BVA-Präsident Rainer Schuler, heute in Berlin. Die EU importiere jährlich rund 45 Mio. t Sojabohnen und Sojaschrot. Diese Menge in entsprechender Größenordnung zu ersetzen sei eine Illusion, so Schuler auf der Jahrespressekonferenz seines Verbandes.
Nach seiner Meinung sei sowohl die auf europäischer Ebene diskutierte als auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgehaltene Strategie zur Förderung des Eiweißpflanzenanbaus in der EU unnötig. Landwirte würden ihre jeweilige Anbauentscheidung immer auf der Grundlage von Marktentwicklungen sowie agronomischen Gesichtspunkten treffen. "Für den Sojaanbau in Deutschland fehlen nun einmal die Sonnenstunden", sagte Schuler.

Er plädiere für den erweiterten Anbau möglicher Eiweißpflanzen unter den Bedingungen des Marktes. Angesichts der angestrebten Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln werde es in den kommenden Jahren ohnehin zu einer Auflockerung der Fruchtfolgen kommen, meinte er. Auch die wachsende Bedeutung des Resistenzmanagements weise in diese Richtung. Davon könnten dann auch Eiweißpflanzen profitieren. Daher seien aus seiner Sicht zusätzliche politische Anreize für den Anbau von Eiweißpflanzen auch nicht notwendig, so die Position des BVA-Präsidenten.

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  1. Georg Beer
    Erstellt 20. März 2018 19:34 | Permanent-Link

    Klare Aussagen, die für sich sprechen. Hoffentlich hören das auch die politisch Verantwortlichen, vor allem diejenigen, die sich an der aktuellen Zollpolitik von Donald Trump abarbeiten.

  2. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 21. März 2018 11:29 | Permanent-Link

    Extrem peinlich, was hier BVA-Präsident Schuler medial vom Stapel lässt! Die Vita dieses Agrarmanagers setzt dahingehend allerdings erklärbar eindeutige Vorzeichen: „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing.“

    Als Botschafter einer weiterhin ignoranten Nahrungsmittelüberproduktion, ohne sinnvoll nachhaltige Wertschöpfungsalternativen vorhalten zu wollen, ist diesem Verbandsoberen augenscheinlich noch immer nicht geläufig, dass wir ein Drittel der von Bauernhand innerhalb deutscher Grenzen produzierten Erzeugnisse vollkommen schmerzbefreit, oft im Plastikmüll sogar noch „veredelt“, wegwerfen, ohne dass selbige jemals einen Teller überhaupt gesehen haben.

    Weit fataler noch mutet an, dass Herr Schuler bewusst verschweigt, dass der Bauern König „KUNDE“ -die Vielzahl der zunehmend äußerst kritischen Verbraucherschar- gentechnisch veränderte Produkte, aufgewachsen unter der Glyphosatdusche, auf dem heimischen Teller nicht wünscht, weit eher sogar vehement ablehnt. - Für genau diese an den Tag gelegte Impertinenz müssen allseits gerne toleriert die Gesamtheit aller Bauern IHRE KÖPFE in durchgängigem Generalverdacht hinhalten.

    Laut Schuler soll es aber DER MARKT kurz- bis mittelfristig richten.

    Wir Bauern erzielen großteils unsere Einkünfte aus staatlichen Geldtransferleistungen. Ohne diese wären die heute noch verbleibenden um die 100.000 Vollerwerbsbetriebe in der BRD nicht überlebensfähig. - Und genau das ist UNSER MARKT! / EU- und US-Leidenskollegen eingeschlossen.

    Dabei rangiert in absolut vorderster Prämisse die Befähigung, ordnungsgemäß, vor allen Dingen fristgerecht, die jeweilige Antragstellung rechtsverbindlich auf den Weg zu bringen, um den Prämientransfer -in nicht wenigen Fällen leider nur als durchlaufender Posten in den jeweiligen Bilanzen der Bauern verzeichnet- extrem zeitnah an die Flächeneigentümer weiterzuleiten. Genau DAS überlagert betriebswirtschaftlich zwischenzeitlich abnorm alles!!!

    Dieser „Markt“ ist natürlich nicht deckungsgleich mit jenem GOLDENEN KALB, hochverehrter Herr Schuler, das Sie und Ihresgleichen wie in Trance noch immer umtanzen.

    Jeder Hektar Sojabohnen, auf bundesdeutschen Flächen ausgesät, entzieht u.a. vorsichtig geschätzte 2-3 Dezitonnen/ha Düngereinsatz. Wehret also diesen Anfängen. In Süd- bzw. Mitteleuropa reifen sehr wohl respektable Erträge heran. Unbestritten natürlich, dass Protagonisten wie Schuler & Co. von jedem Hektar Raps beispielsweise selbst ein Vielfaches an Einnahmen zu generieren wissen. Dennoch sollte man sich nicht in Trump‘scher Manier gebärden, um sich noch immer in die Reihen unserer Klimawandelskeptiker einzuordnen.

    Der eine oder andere Bauern könnte vielleicht sogar auf die Idee kommen -wie schon zu biblischen Zeiten- die Sojabohnen selbst zu verarbeiten. Vielleicht bremst derzeit einen solchen Aktionismus NOCH die schmerzhaft blutige Nase aus, die sich der eine oder andere Bauer beim Hinterfragen unserer filigran bis in letzte Detail perferktioniert abpressenden agrargewerblichen Strukturen holte. Das sollte allerdings nicht dazu verfangen, die neuen rauen Winde zu ignorieren, die selbst innerhalb des Agribusiness über die Lande wehen.

    Selbst das treudoof lemminghafte Bäuerlein lugt verstohlen bereits durch die noch dahingehend verbretterten Fensterchen auf vielen Höfen. - Ein neuer Markt innerhalb unserer Vertriebsstrukturen, der auch an unseren Hoftoren um Einlass begehrt, lässt viele narzisstische Dinosauriere ansonsten rasant verzichtbar werden; dafür spricht schon heute eine weltweit abrufbare Transparenz.


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