Ertragseinbußen und Humus-Verlust befürchten die in Hannover demonstrierenden Landwirte, wenn die "DüVo II" kommt.
SB
Ertragseinbußen und Humus-Verlust befürchten die in Hannover demonstrierenden Landwirte, wenn die "DüVo II" kommt.

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast trifft EU-Kommissar Phil Hogan und die Bundesministerin Julia Klöckner in Hannover. Landwirte gehen wegen der Düngeverordnung vor Schloss Herrenhausen auf die Barrikaden.

Weniger Geld und eine stärkere Zielerreichung – wie passt das zusammen? Unter diesem Motto hatte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast zum Spitzentreffen mit EU-Agrarkommissar Phil Hogan und Bundeslandwirtschaftsministern Julia Klöckner geladen. Ein bestimmendes Thema der Veranstaltung mit rund 250 Gästen im Schloss Herrenhausen in Hannover war die Verschärfung der Düngeverordnung.

Der 20-prozentige Abschlag regt am stärksten auf

So demonstrierten vor dem Schloss rund 50 Junglandwirte aus Niedersachsen. Sie protestierten gegen die geplanten Verschärfungen. Jan Hacke ist aus Asendorf im Landkreis Diepholz angereist. Der 22-jährige arbeitet im elterlichen Betrieb, zu dem Milchvieh und Legehennen gehören, und in einer Kooperation mit einem anderen Landwirt mit Schweinehaltung. Er ist für den Ackerbau zuständig und befürchtet durch die geforderten Einschränkungen bei der Nährstoffversorgung Ertragseinbußen und einen Verlust von Humus. Die Landwirte haben eine Resolution des Landvolks Niedersachsen im Gepäck, die sie an Klöckner übergeben möchten. 

Klöckner erklärte in Hannover, dass sie versuchen werde, den 20-prozentigen Abschlag bei der Stickstoffdüngung in den roten Gebieten rückgängig zu machen. Gleichzeitig gab sie zu bedenken, dass sich andere Mitgliedsländer wie die Niederlande und Frankreich über Deutschland und die Nichteinhaltung der für alle Mitgliedstaaten geltenden Nitratrichtlinie beschwerten. In Richtung Verbände hatte die Bundeslandwirtschaftsministerin eine klare Botschaft: Wenn die Verbände die Leute auf die Bäume brächten, müssten sie sie auch wieder herunterbringen, sprich ihnen auch die ganze Wahrheit sagen und nicht die Kritik einfach nur vor ihrem Haus abladen.

"Die Maßnahmen müssen realistisch und leistbar sein für den einzelnen Betrieb", versprach Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner heute in Hannover.
SB
"Die Maßnahmen müssen realistisch und leistbar sein für den einzelnen Betrieb", versprach Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner heute in Hannover.

Niedersachsens Agrarministerin Otte-Kinast identifizierte die schwindende gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft als ein Kernproblem. Zu dessen Lösung müsse die Gemeinsame Agrarpolitik einen wichtigen Beitrag leisten. "Da reicht es aus meiner Sicht nicht, einfach ein neues Agrarumweltprogramm aufzulegen", erklärte sie. Phil Hogan, EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung tritt für ein flexibleres und einfacheres System ein. "Statt der Einhaltung von Vorschriften sollen Ergebnisse und Leistungen der Agrarpolitik im Mittelpunkt stehen", so Hogan. Bundesministerin Julia Klöckner hob in ihrer Rede hervor: „ Nur wenn die Wertschätzung der Gesellschaft für die Leistungen der Landwirtschaft da ist, wird auch die junge Generation eine Zukunftsperspektive sehen und Lust auf die Übernahme der Höfe haben." Dabei würden die Direktzahlungen gebraucht. Und die Mitgliedstaaten bräuchten dabei Flexibilität. Mit der stärkeren Bindung von Zahlungen an die Einhaltung von Umwelt- und Klimavorschriften solle die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion gesteigert werden. "Entscheidend dabei: Die Maßnahmen müssen realistisch und leistbar sein für den einzelnen Betrieb", so Klöckner.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats