Tierhaltung

Klöckner will Einbrecher härter verfolgen


Julia Klöckner wünscht sich eine härtere Strafverfolgung gegen Stalleinbrecher.
Bild: Pixabay / TheDigitalWay
Julia Klöckner wünscht sich eine härtere Strafverfolgung gegen Stalleinbrecher.

Schon wieder werden Bilder von einem Tierschutzskandal veröffentlicht. SternTV berichtet über einen Milchbetrieb, bei dem es deutliche Tierschutzverstöße gab. Während die Bundeslandwirtschaftsministerin mehr Härte zeigen will, präsentiert QS konkrete Zahlen.

Wer die Medien verfolgt, der findet in sehr regelmäßigen Abständen Berichte über Verstöße gegen den Tierschutz. Vergangene Woche berichtete SternTV über einen Milchviehbetrieb in Demker bei Stendal. Dort filmten Tierschützer des Vereins Soko Tierschutz über einen Monat hinweg Tierschutzverstöße. 

Die meisten solcher Vorfälle werden durch Stalleinbrüche offengelegt, dokumentiert und den Medien zugespielt. Deren Aufgabe ist es, über Missstände von öffentlichem Interesse zu berichten. So erklärt sich das große Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber sämtlichen Tierhaltern. 
Ein Fall für den Staatsanwalt
Konkret ging es um 17 verendete Tiere, die nicht weggeräumt wurden, sondern im Betrieb verwesten. Besonders anschaulich war das Bild einer Kuh, die in einer sehr individuellen Lage mit Kopf und einem Bein in einem Gitter hing und dadurch großen Wiedererkennungswert hatte. Regelmäßig stiegen die Tierschützer in den Betrieb ein und fanden bestimmte Szenen unverändert vor. Versteckte Kameras filmten ein frisch geborenes Kalb, das von einem Kotschieber über den Boden geschleift wurde.
Pikant ist neben den Zuständen im Betrieb die Reaktion des Veterinäramts. Dem gaben die Tierschützer deutliche Hinweise auf die Lage im Betrieb. Angeblich beging das Amt nach sechs Tagen den gesamten Betrieb, hätte aber keine verendeten Tiere vorgefunden. Allerdings wurde die Kuh mit Wiedererkennungswert auch in der Folgenacht noch von den Tierschützern filmisch dokumentiert.

Wieder wurden die Bilder einer Tierärztin zur Einordnung vorgelegt. Wieder bestätigte sie die Illegalität des Dokumentierten. Und auch dieser Vorfall landet bei der Staatsanwaltschaft. Übrigens nicht nur der Hof, sondern auch das Verhalten des Veterinäramts.

Zwei Betriebe mussten QS-System verlassen

Die QS Qualität und Sicherheit GmbH, Träger des QS-Siegels für Lebensmittel, versucht mehr Sachlichkeit in die Debatte zu bringen. QS hat eine Auswertung veröffentlicht, die die Berichte in einen Kontext setzt. Zwar ist die QS nicht neutral und betreut auch nicht alle Tierhalter Deutschlands, doch sie hat ein großes Interesse daran, Tierschutzverstöße zu ahnden und aus den Reihen ihrer Siegelträger fernzuhalten.
Die QS hat einen Zeitraum von zwei Jahren, zwischen Mai 2016 und April 2018, beobachtet. In dieser Zeit wurden 22 Medienberichte im Zusammenhang mit Stalleinbrüchen beobachtet. Insgesamt 46 Fälle von Stalleinbrüchen wurden in dieser Zeit dem QS gemeldet. Insgesamt 107 Standorte wurden aufgrund von Meldungen sofort überprüft. Davon waren 76 in der Schweinehaltung, 29 in Geflügelställen und zwei in Rinderhaltungen. Dabei wurden 36 Fälle nicht beanstandet. In 58 Fällen verlangte QS jedoch Korrekturmaßnahmen, stellte also Mängel in Stalleinrichtungen und der Kadaverlagerung, bei der Schädlingsbekämpfung oder bei fehlendem Beschäftigungsmaterial fest.

Bei Verstößen im Umgang mit verletzten und kranken Tieren gibt sich die QS GmbH streng: Diese gelten als K.O.-Verstoß. Im Beobachtungszeitraum entfernte QS zwei Betriebe aus ihrem System. Insgesamt 98 Prozent der 65.720 Tierhalter, die in Deutschland am QS-System teilnehmen, bestehen den jährlichen Test ohne Beanstandung, rühmt sich die Qualitätssicherungsfirma. Thomas May, Krisenmanager bei QS, rät Betrieben Stalleinbrüche den zuständigen Ämtern zu melden und Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Leider gibt es keine offiziellen Zahlen von Behördlicher Seite. Das Bundeskriminalamt, das die Bundeskriminalstatistik veröffentlichte, erklärte gegenüber agrarzeitung.de, dass Stalleinbrüche nicht spezifisch als solche, sondern lediglich allgemein als "Einbruch" registriert werden. Die Kategorie "Stalleinbruch" existiert aus Strafverfolgungssicht nicht. Daher stammen die einzigen Zahlen zu Stalleinbrüchen nur von Interessensverbänden. Als solche sind sie mit Vorsicht zu genießen.

Stalleinbruch soll Straftatbestand werden

In ähnlichem Zusammenhang äußerte sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Noch in der aktuellen Legislaturperiode sollen Stalleinbrüche als Straftatbestand klassifiziert werden. Mit Blick auf die Tierrechtsorganisation Peta sagte Klöckner, man „brauche keine selbsternannte Stallpolizei, die die Einhaltung des Tierschutzes kontrolliert.“ Auch Tierschützer müssten sich an Gesetzte halten. Allerdings müssten die Länder auch ausreichende Kapazitäten für Tierschutzkontrollen zur Verfügung stellen.


Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats