Neben Verbänden reagieren auch Bauern positiv auf die nun möglich gewordene Regierungsbildung. Die Hoffnung liegt auf "mehr Sachverstand und weniger Emotionen."

"Ich denke, es ist wichtig, dass wir jetzt endlich eine handlungsfähige Regierung bekommen. Diese wird in Europa dringend gebraucht", sagt Matthias Eckel gegenüber agrarzeitung.de. Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Waldeck-Frankenberg wünscht sich, dass zwischen Landwirtschafts- und Umweltministerium der Ton wieder von Sachverstand und weniger von Emotionen geprägt sein wird. 

"Wir sind erleichtert, dass die Politik nun endlich wieder handeln kann", sagt auch Steffen Haupt, Mitinhaber und Geschäftsführer einer großen Milchviehanlage am westlichen Rand Thüringens. Für seinen Betrieb würden noch einige Anträge für Förderungen dringend auf Bearbeitung warten, sagt er. Diese seien von den Behörden immer wieder mit dem Hinweis auf die fehlende politische Handlungsfähigkeit verschoben worden. Zur neuen Agrarministerin Julia Klöckner könne er noch nichts sagen, so Haupt. Man werde sehen, wie die Sacharbeit zukünftig gestaltet werden wird. Wichtig sei, "dass es endlich losgehen könne, auch im Hinblick auf die Agrarpolitik in Europa".   

Wissenschaft sowie unabhängigen Fachinstitutionen sollte zukünftig deutlich mehr Gehör geschenkt werden, fordert Norbert Klapp, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen, von der neuen Regierungskoalition. "Politik und Handel verlangen über einschneidende Gesetzgebungen und Zertifizierungen von den Landwirten immer höhere Standards bei Nachhaltigkeit und Qualität. Gleichzeitig steht unsere heimische Erzeugung im direkten Wettbewerb internationaler Märkte. In diesem Zusammenhang erwarten wir auch seitens der Bundesregierung mehr Wertschätzung gegenüber der deutschen Landwirtschaft und deren Erzeugnissen." 

Auch der Milchviehhalter in Niedersachsen und neue Präsident des Landvolks Niedersachsen, Albert Schulte to Brinke, begrüßt den Beschluss der SPD. "Es ist gut, dass die lange Zeit der Ungewissheit über die weitere politische Zukunft Deutschlands ein Ende hat", sagt er. In Europa würden wichtige Entscheidungen anstehen, für die politische Mehrheiten in Ländern wie Deutschland und Frankreich von großem Vorteil seien. Schulte to Brinke begrüßt auch die Benennung von Julia Klöckner. Mit ihr übernehme eine versierte Agrarpolitikerin das Landwirtschaftsministerium. Ihre Arbeit habe sein Verband auch bereits in ihrem Amt als Staatsekretärin schätzen gelernt.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, sagte zur Bildung der neuen Regierung: "Die Große Koalition muss jetzt schnell ihre Arbeit aufnehmen. Nicht nur mit Blick auf Brüssel stehen im Landwirtschaftsbereich wichtige Entscheidungen an." Die Agrarpolitik müsse im Sinne der Bauern gestaltet werden, appelliert der DBV-Präsident.  

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