Strafzoll

Deutsche Veredler sind nicht unbedingt lachende Dritte


„Unsere Schweinehalter werden nicht unbedingt von dem Handelskonflikt profitieren", meint der Marktexperte der niedersächsischen Landwirtschaftskammer, Dr. Albert Hortmann-Scholten.
Foto: Ehrecke/LWK Niedersachsen
„Unsere Schweinehalter werden nicht unbedingt von dem Handelskonflikt profitieren", meint der Marktexperte der niedersächsischen Landwirtschaftskammer, Dr. Albert Hortmann-Scholten.

Chinas Strafzölle auf amerikanisches Fleisch werden neue Handelsströme schaffen. Ein Fleischexperte warnt aber vor zu optimistischen Prognosen für den deutschen Schweinemarkt.

Die Auswirkungen des Handelskonfliktes zwischen China und den USA auf den europäischen und damit auch auf den nordwestdeutschen Schweinemarkt sind für Marktexperten noch unklar. Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen warnt vor überzogenen Erwartungen. „Mit zu optimistischen Prognosen sollten wir vorsichtig sein. Unsere Schweinehalter werden nicht unbedingt von dieser Entwicklung profitieren", so Hortmann-Scholten.

USA drängt auf von der EU bediente Märkte

Als Begründung nennt Hortmann-Scholten das Bestreben amerikanischer Vermarkter, das Schweinefleisch auf anderen Märkten wie Korea oder Japan zu verkaufen. Dort treten sie in direkte Konkurrenz zu den Europäern. Eine Konfrontation auf dem europäischen Markt werde es dagegen nicht geben. „Hier besteht Zollschutz, da das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) nicht zustande gekommen ist“, so der Fachmann der Kammer.

Anders sieht es dagegen für Fleisch aus Kanada aus. Als Folge der Turbulenzen zwischen China und den USA seien auch die kanadischen Schweinehalter betroffen. Die dortigen Vermarkter könnten – anders als die USA – als Netto-Exporteure für Schweinefleisch auch auf den europäischen Markt drängen. Grundlage dafür sei das Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA), das erst kürzlich zwischen der EU und Kanada abgeschlossen wurde.

Der Marktdruck, dem sich die amerikanischen Schweinehalter ausgesetzt sehen, hat nach Aussage Hortmann-Scholtens noch zwei weitere Ursachen: Zum einen droht auch Mexiko den USA wegen der politischen Spannungen mit Strafzöllen auf Fleisch. Zum anderen können auch die Amerikaner wie die Europäer den russischen Markt nicht beliefern.

Ukraine-Krise
Nach der Annexion der Krim und aufgrund der Ukrainekrise verhängte die EU Mitte 2014 ein Handelsembargo, das unter anderem den Handel mit Schweinefleisch untersagt. Seit dieser Zeit ist China für Deutschland das wichtigste Exportland außerhalb der EU für Schweinefleisch. Dort können Teilstücke, die hierzulande nicht gefragt sind, zum Beispiel Ohren oder Füße, zu guten Preisen abgesetzt werden. In der chinesischen Küche sind diese Teilstücke sehr beliebt. So lässt sich zum Beispiel mit den bei uns geschätzten und teuren Filets in China nur ein Drittel des Preises von Schweineohren erzielen.

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