Supermärkte in Deutschland setzen sich nicht genug gegen Ausbeutung und Diskriminierung in ihrer Lieferkette ein. So das Fazit einer neuen Erhebung der Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam. Insbesondere ein Händler sieht sich an den Pranger gestellt.

Deutsche Supermärkte und Discounter haben großen Nachholbedarf, wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten in deren Lieferkette geht. Noch wird zu wenig gegen Ausbeutung und Diskriminierung getan. Das ist Ergebnis der aktuellen Analyse "Supermarkt-Check 2019" der Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam. Noch am besten schneidet in Deutschland Aldi Süd in Sachen Menschenrechte ab, Schlusslicht ist Edeka.

Für die am Mittwoch dieser Woche veröffentlichte Erhebung hat Oxfam nach eigenen Angaben 16 führende Supermärkte in Großbritannien, den USA, den Niederlanden und in Deutschland bewertet, berichtet die Online-Ausgabe der Lebensmittelzeitung lz.net. Die Organisation nahm hierzulande Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Lidl und Rewe unter die Lupe. Analysiert wurden dafür veröffentlichte Geschäftspolitiken und Aktivitäten der Händler in Bezug auf ihre Lebensmittellieferketten, heißt es.

"Die deutschen Ketten schneiden auch im zweiten Jahr schlecht ab, kein deutscher Supermarkt erzielt in der Gesamtwertung mehr als 20 Prozent der möglichen Punkte", heißt es seitens Oxfam. Bewertet wurden Transparenz, Rechte von Arbeitnehmern, Umgang mit Kleinbauern und Frauenrechten. Laut Oxfam konnten die Märkte in jeder Kategorie mit Ausnahme des Frauenrechts 24 Kriterien erfüllen und dafür punkte sammeln.

Fairtrade zählt

In der Kategorie Transparenz konnten die Märkte zum Beispiel glänzen, wenn sie eine "umfassende Risikoanalyse bezüglich möglicher Menschenrechtsverletzungen im eigenen Unternehmen und bei Lieferanten" bieten. Beim Umgang mit Kleinbauen zählte unter anderem "der Einkauf von Fair Trade-Produkten in mindestens drei verschiedenen Produktkategorien" und bei den Frauenrechten das "Bekenntnis zu den Grundsätzen der UN zur Stärkung von Frauen in Unternehmen".

Aldi Süd konnte 19 Prozent der Oxfam-Kriterien erfüllen und steht damit an der Spitze der untersuchten Märkte aus Deutschland. Rewe schaffte es auf 13 Prozent, gefolgt von Lidl (9 Prozent), Aldi Nord (5 Prozent) und Edeka (1 Prozent).

Der deutsche Spitzenreiter Aldi Süd zeigt sich zufrieden: "Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir deutliche Verbesserungen im Ranking erzielen", sagt eine Sprecherin gegenüber der LZ. Aldi Süd habe nach der letzten Oxfam-Analyse eine Responsible Sourcing Strategy erarbeitet, um mögliche negative Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf Menschenrechte zu reduzieren. Im Rahmen dieser Maßnahme sei zum Beispiel die Human Rights Policy auf der Webseite veröffentlicht worden.

Scharfe Kritik an Studiendesign

Edeka weist die Ergebnisse der Analyse von Oxfam zurück. "Leider ist die Bewertung intransparent und daher für uns nicht nachvollziehbar", betont ein Sprecher gegenüber der LZ. Die Studienautoren von Oxfam schrieben selbst, dass die "tatsächliche Praxis der Supermärkte" nicht überprüft werde. Edeka kritisiert, dass lediglich die Außendarstellung der Unternehmen Beachtung findet und nicht das unternehmerische Handeln. "Das ist eine Kampagne und keine wissenschaftlich-objektive Studie", resümiert der Edeka-Sprecher.

Immer wieder führen die Themen Nachhaltigkeit und Arbeitsbedinungen im Handel zu Diskussionen. Viele Discounter setzen inzwischen auf Fairtrade-Produkte, wie etwa bei Bananen. Doch werden diese von Kunden oft weniger nachgefragt.

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