In der Ferkelaufzuchtanlage in Alt Tellin war in der vergangenen Woche ein verheerender Brand ausgebrochen. (Archivbild)
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In der Ferkelaufzuchtanlage in Alt Tellin war in der vergangenen Woche ein verheerender Brand ausgebrochen. (Archivbild)

BERLIN Nachdem das Feuer in der Schweinemastanlage Alt Tellin gelöscht ist, entflammt in Berlin die Diskussion über die verträglichen Dimensionen der Tierhaltung neu.

Mit Blick auf den verheerenden Brand in einer Schweinemastanlage in Alt Tellin hat der agrarpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, das Aus für Stallanlagen in derartiger Größe gefordert. Der Deutsche Bauernverband (DBV) gewarnt dagegen, angesichts des Unglücks, die Tierhaltung in Deutschland insgesamt zu diskreditieren. „Der tragische Vorfall wird von Teilen der Politik als Argument missbraucht, unsere Tierhaltung zu schwächen und zu reduzieren“ kritisierte DBV-Präsident Joachim Rukwied am Donnerstagabend bei einem virtuellen Pressegespräch des Verbands Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ).

Megamastanlagen aufs Abstellgleis stellen

Ostendorff fordert dagegen Konsequenzen: „In der Schweinezuchtanlage Alt Tellin sind mehr als 55.000 Tiere getötet worden. Es hat keinen wirksamen Brandschutz gegeben“, konstatierte der Politiker gestern in Berlin. Nach seiner Auffassung ist es an der Zeit, solche „Megamastanlagen aufs Abstellgleis zu stellen“. Nach Auffassung des ausgebildeten Landwirts können Betriebe mit so vielen Tieren eine Havarie in Notsituationen nicht bewältigen, was dann in solchen „Tierschutzkatastrophen“ wie vergangene Woche münde. Er sieht nun insbesondere den Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Till Backhaus, gefordert. Dieser müsse sich gegen „agrarindustrielle Megaanlagen“ in seinem Bundesland stellen und sich dazu im Landtag erklären, verlangte Ostendorff. Darüber hinaus bekräftigte der Grünen-Politiker die Forderung seiner Fraktion nach Tier-Obergrenzen pro Stall und einer „Weniger-aber-besser-Strategie“ in der Tierhaltung.

Zuvor hatte das Schweriner Landwirtschaftsministerium eine unmittelbare Verantwortung von Backhaus für den Bau der Großanlage in Alt Tellin zurückgewiesen. Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung sei im Jahr 2010 durch das Wirtschaftsministerium des Landes erteilt worden. Erst im Jahr 2016 sei der Bereich des Immissionsschutzes in die Verantwortung des Agrarressorts übergegangen.

Backhaus selbst stellte klar, dass er sich seit vielen Jahren für eine flächengebundene Tierhaltung und Veredlung im Land einsetze, um im ländlichen Raum Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu erhalten und neu zu schaffen. Zudem habe er immer wieder deutlich gemacht, dass er Tierhaltungsanlagen wie in Alt Tellin generell ablehne. Der Minister wies darauf hin, dass auf seine Initiative in der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und CDU zur Bildung der Landesregierung 2011 in Ziffer 169 vereinbart worden sei, dass „sich die Koalitionspartner bei großen Tierhaltungsanlagen für eine klare Begrenzung einsetzen“.

Tierwohl in Stallungen entscheidend

Bewährte Tierhaltungssysteme - auch mit Spaltenböden - nach dem Brand in der Anlage in Mecklenburg-Vorpommern in Frage zu stellen, sei „der falsche Weg und nicht akzeptabel“, stellt dagegen DBV-Präsident Rukwied fest. Dies „kann und darf kein Ansatz sein, die Tierhaltung in Deutschland nach vorne zu bringen“. Für Rukwied ist vielmehr entscheidend, wie das Tierwohl in Stallungen ausgestaltet ist. Der Borchert-Plan zum Umbau der Nutztierhaltung biete dabei eine gute Grundlage, das Tierwohl hierzulande nach vorn zu bringen. Noch vor der Bundestagswahl erwartet Rukwied vom Deutschen Bundestag deshalb eine Entscheidung zur Umsetzung der Borchert-Vorschläge. „Nur dann können die Empfehlungen zur künftigen Nutztierhaltung in der nächsten Legislaturperiode auch mit Haushaltsmitteln unterlegt und umsetzt werden“, argumentierte der DBV-Präsident gegenüber den Agrarjournalisten. AgE
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