Tierhaltung

Kinderbuch löst Shitstorm aus


Klett-Verlag

Ein sieben Jahre altes Kinderbuch des Klett-Verlags erzürnt Landwirte und löst einen wahren Shitstorm in den Sozialen Medien aus. Landwirte fühlen sich verunglimpft dargestellt.

In dem Kinderbuch „Alles lecker!“ geht es ums Essen, seine Herkunft, seine Zubereitung und seine Wirkung. Am Rande auf einer Buchseite wird die Massentierhaltung bei Schweinen thematisiert wird. Auf Facebook hagelt es nun wüste Beschimpfungen und auf Amazon schlechte Buch-Beurteilungen. 

Zwei Bilder sollen dort abgedruckt sein, schreibt die Neue Westfälische Zeitung. „Eines zeigt Bioschweine mit Aufschriften wie „Licht und Luft“, „Gesundes Futter“ und „Genügend Platz“. Daneben ein Bild mit der Unterschrift „Massentierhaltung“ mit Beschreibungen wie „Futter mit Wachstumsmittel“, „kein Auslauf“ und „Kein Tageslicht“. 

Das hat laut Stuttgarter Nachrichten einen Landwirt so aufgebracht, dass er beim Verlag angerufen habe: „Wir zeigen Sie an, wir sorgen dafür, dass das Buch verboten wird, wir machen Sie auf Facebook fertig, und wir sind viele“, soll der erboste Landwirt nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten die Verlegerin angebrüllt haben. Seither stehe das Telefon beim Verlag nicht mehr still.

„Den Kindern werde der Unterschied zwischen Bio-Schweinezucht und Massentierhaltung erklärt. Natürlich mit einer gewissen Tendenz“, erklärt Verlagsleiterin Monika Osberghaus vom Klett-Verlag in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Haltung dürfen Bücher ihrer Auffassung nach vermitteln. Allerdings räumt sie auch rein, dass „schreckliche Bild von Schweinen in Massentierhaltung ... nicht mehr überall realistisch ist“, heißt es in dem Interview weiter. Was sie daraus gelernt habe, fragt die Süddeutsche Zeitung. Sie wolle weitermachen. Der Verlag überlege sich, ein ganzes Bauernhof-Buch zu produzieren, „mal nur mit Schweinen, die nicht süß sind und dauernd lachen“. Aus nicht-landwirtschaftlichen Kreisen kommt Unterstützung via Facebook: Man müsse den Mut haben, Missstände anzusprechen und Kindern die Realität zeigen.

Für agrarheute ist die Diskussion aus dem Ruder gelaufen. Das Buch sei tatsächlich eine kindgerechte Aufarbeitung zum Thema Essen. Nur bei der Nutztierhaltung habe die Autorin offen „eine Mission - und wenig Ahnung“. Die Behauptungen, dass Tiere aus Bioerzeugung gesundes Futter, Licht und Luft hätten, die „Massentierhaltung“ verfüttere dagegen „Wachstumsmittel“ und verweigere den Tieren Tageslicht, ließen sich einfach widerlegen - wenn denn jemand zuhören würde. Bedenklich sei allerdings, wenn die beschriebenen telefonischen Bedrohungen den Tatsachen entsprächen. „Solche Übergriffe bewirken bestenfalls, dass Schützengräben tiefer gelegt werden, wo Friedensgespräche dringend notwendig wären“, heißt es weiter.

2 Kommentare

  1. Helmut Gahse
    Erstellt 21. November 2019 18:37 | Permanent-Link

    Die Schützengräben wrerden tiefer, nicht weil die aufgebrachten Landwirte sich lautstark Luft machen, sondern weil die Buchschreiber gezielt die Unwahrheit verbreiten. Unwissenheit vorzubringen ist eine pure Schutzbehauptung.

  2. Johannes Zirngbl
    Erstellt 22. November 2019 11:28 | Permanent-Link

    Der Kommentar des Herrn Gahse ist zu unterstützen: nicht die Landwirtschaft hat die Gräben aufgerissen , sondern diejenigen, die de Diskussion über die Landwirtschaft in die Richtung Tierquäler, Umweltvergifter und Giftspritzer gelenkt haben.
    Die Beteiligung an runden Tischen, wie in Bayern nach dem Volksbegehren hat keinerlei Vorteile gebracht, ausser dass die Bauern sich über denselben haben ziehen lassen, und am Ende als Teil einer konsensualen Lösung wahrgenommen wurden. Man kann dazu nur noch sagen: die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.
    Hut ab vor Bauer Willi. Er weist auf bestehende Zielkonflikte hin : Ackerbau mt Reinkulturen versus Blumenwiese am Acker; oder Nutztierhaltung versus Streichelzoo..
    Es gibt nämlich auch in anderen Sektoren bestehende Zielkonflikte etwa im Bereich der persönlichen Mobilität und deren Einflußnahme auf dei Umwelt: Fahrradfahren versus Automobilverkehr ; wer, außer eineigen innerstädtischen und fanatischen Umwelthilfe-Anhängern, käme auf die Idee Autos zu verbieten, mit allen Folgen die daran hängen würden.
    Ich bin bayrischer Ackerbauer und kein Tierhalter, auch kein Güllerverwender, und sage dezidiert die gesamte Landwirtschaft wird z.T. in unflätiger Weise in Misskredit gebracht. Das lässt sich übrigens nicht durch Ausgleichzahlungen kompensieren!

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