Tiermisshandlungen

Schlachthofskandal schlägt weitere Wellen


Neue Nachrichten über schwere Verstöße gegen den Tierschutz machen die Runde. Dieses Mal stammen die Aufnahmen aus Brandenburg. Derweil kündigen erste Supermärkte die Zusammenarbeit mit dem Schlachthof in Oldenburg auf.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg berichtet am Donnerstagmorgen von misshandelten Tieren im Schlachthof der Hakenberger Fleisch GmbH im Nordwesten Brandenburgs. Der Sender bezieht sich dabei auf Filmaufnahmen der Aktivisten von Animal Rights Watch (Ariwa). Ariwa wirft dem Schlachthof im Kreis Ostprignitz-Ruppin vor, nicht fachgerecht getötete Rinder geschlachtet zu haben. Mitarbeiter sollen mehrfach erfolglos versucht haben, die Tiere mit einem Bolzenschussgerät zu betäuben. Außerdem sollen die Tiere nicht schnell genug ausgeblutet sein, weil die Schlachter die Schnitte falsch ansetzten. Auch sollen Bilder zeigen, wie Rinder brutal getrieben wurden, unter anderem mit einem Elektroschocker, der vorschriftswidrig am Kopf zum Einsatz kam.

Die für die Kontrollen zuständige Amtsveterinärin des Kreises, Simone Heiland, kündigte eine umgehende strafrechtliche Prüfung gegen einzelne Mitarbeiter an. Der Geschäftsführer der Hakenberger Fleisch GmbH, Jens Winter, bestätigte, dass die Aufnahmen Vorgänge in seinem Unternehmen abbilden. Gegenüber dem rbb bezeichnete er das Vorgehen seiner Beschäftigten als "nicht akzeptabel". Der Schlachtbetrieb ist eingestellt.

Supermarkt beendet Geschäftsbeziehung

Zwischenzeitlich ziehen erste Unternehmen aus der Lebensmittelbranche Konsequenzen aus den in Niedersachsen bekannt gewordenen Skandalen. Die Bünting-Gruppe, zu der auch die Supermarktkette Famila gehört, kündigt die Zusammenarbeit mit dem Oldenburger Rinderschlachthof auf. Das meldet die neue Osnabrücker Zeitung. Eine Sprecherin teilte der Zeitung mit, dass bis zur vollständigen Klärung und Sicherstellung der tierschutzrechtlichen Vorgaben die Zusammenarbeit mit dem Schlachthofbetrieb in Oldenburg mit sofortiger Wirkung eingestellt werde. Weitere Konsequenz seien zusätzliche Kontrollmaßnahmen entlang der Fleisch-Lieferkette. 

Überforderte osteuropäische Arbeiter

Die Hamburger Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) kritisiert nun massiv die Zustände in den Schlachthöfen. "Es gibt kaum Verantwortliche in den Schlachthöfen, die ein Interesse an Qualität und Kontrolle haben, und viele Veterinäre schauen weg", sagt Thomas Bernhard, Referatsleiter Fleisch bei der NGG. Die Schlachthöfe vergäben die Aufträge an Subunternehmen, deren meist aus Osteuropa stammende Werkvertragsarbeiter hätten einen enorm hohen Leistungsdruck. Sie seien nicht fachgerecht angelernt, da sie oft nur einen Schnellkurs erhielten.

Videoüberwachung gefordert 

Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat ein Bündel an Maßnahmen auf den Weg gebracht. So lässt Otte-Kinast ein verbindliches Kamerasystem für Schlachthöfe juristisch prüfen und tritt dabei für eine bundeseinheitliche Regelung ein. Das entspricht auch der Forderung der 
tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Susanne Mittag. „Die jüngsten Aufnahmen aus einem brandenburgischen Schlachthof machen wieder deutlich, dass in Schlachthöfen regelmäßig gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird. Deshalb muss es endlich eine verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen geben."

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