Tierschutz

Kinast will in Schlachthöfen aufräumen


Einen „Neustart in Sachen Tierschutz" kündigt die niedersächsische Landwirtschaftsministerin an.
Bild: pixabay / BlackRiv
Einen „Neustart in Sachen Tierschutz" kündigt die niedersächsische Landwirtschaftsministerin an.

Zum vierten Mal in vier Wochen werden einem Schlachthof Verstöße gegen den Tierschutz vorgeworfen. Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast erklärt, dass die bisherigen Bemühungen der Fleischindustrie nicht ausreichten.

Gegen den Schlachthof der Leine-Fleisch im niedersächsischen Laatzen erhebt der Verein „Deutsches Tierschutzbüro“ schwere Anschuldigungen. Die Berliner Organisation veröffentlichte mit einer versteckten Kamera gedrehte Videos. In dem kurzen Zusammenschnitt soll zu sehen sein, wie  elektrische Treibhilfen in unzulässiger Weise bis zu 40mal bei Schweinen ohne Bewegungsmöglichkeit eingesetzt werden. Auch sollen die Schweine vor dem Schlachten nicht ausreichend betäubt worden sein. Das Tierschutzbüro erstatte Anzeige und sendete die Filmaufnahmen unter anderem an die Staatsanwaltschaft Hannover, die Leinen-Fleisch GmbH und an das niedersächsische Landwirtschaftsministerium.

Otte-Kinast: Systemfehler

Das ist bereits der dritte Vorfall in einem niedersächsischen Schlachtbetrieb innerhalb von vier Wochen. Vorher gab es Vorwürfe gegen Unternehmen in Osnabrück und Oldenburg. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hatte im Landtag gefordert, Schlachtbetriebe flächendeckend mit Kameras zu überwachen. Hier müsse man die Chancen der Digitalisierung nutzen und für Kontrollen sorgen, anstatt sich auf Leute zu verlassen, die illegal in Schlachthöfe und Ställe einbrechen. Der Leine-Schlachthof in Laatzen war jedoch bereits auf freiwilliger Basis videoüberwacht. Otte-Kinast forderte einen „Neustart in Sachen Tierschutz in unseren Schlachthöfen“. Es handle sich nicht um Einzelfälle, sondern um Systemfehler. Paul Brand, Vorsitzender des Verbandes der Fleischwirtschaft, wies den Angriff der Ministerin zurück. Die Unterstellungen wären „völlig haltlos“. Tierschutz werde in deutschen Schlachthöfen „gelebt“. Es gäbe Kontrollen, Personalschulungen und Forschungsarbeiten zur Verbesserung des Tierschutzes. Die Regelungen müssten nur angewendet werden.
Chronologie
19.11.2018: Leine-Fleisch in Laatzen
11.11.2018: Hakenberger Fleisch in Fehrbellin
07.11.2018: Schlachthof GK Oldenburg
20.10.2018: Bad Iburg in Osnabrück

Am gestrigen Mittwoch traf sich die Ministerin nun mit Paul Brand und anderen Vertretern der Fleischwirtschaft. Otte-Kinast kommentierte danach: "Ich erkenne die bisherigen Bemühungen an. Wie uns die jüngsten Tierschutzverstöße zeigen, reicht das aber offenbar nicht aus". Sie forderte, den Transport, die Betäubung und Tötung von Tieren und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in Schlachthöfen auf den Prüfstand zu stellen. In Berlin forderten die Grünen bundesweit einheitliche Kontrollstandards, Rotationsverfahren für amtliches Tierschutzüberwachungspersonal und ein Ende der Akkordarbeit bei tierschutzrelevanten Arbeitsschritten.

Informanten stammen häufig aus Branche

Friedrich Mülln vom Verein „Soko Tierschutz“, einem Verein, der sich der Veröffentlichung von Tierschutzverstößen verschrieben hat, erklärte in einem Interview mit der taz, die Quellen für diese Bilder kämen „fast ausschließlich" von Leuten aus der Fleischindustrie. „Sie können mit den Zuständen nicht mehr leben und wenden sich an die Todfeinde, uns Tierrechtler, weil sie wollen, dass sich was ändert.“

Subunternehmer soll schuld sein

In dem jüngsten Fall ist ein Schlachtbetrieb mit Biozulassung betroffen. Ein Sprecher der Leine-Fleisch GmbH erklärt, die Szenen zeigten in keiner Weise die Tierschutzstandards, denen sie sich verschrieben hätten. Die Verstöße wären von einem Subunternehmer verübt worden. Die Zusammenarbeit sei mit sofortiger Wirkung beendet worden.
Bei den auf dem Video zu sehenden Schweinen handle es sich um tote Tiere mit „vereinzelten Nervenkontraktionen“. Unabhängig davon kündigte das Unternehmen an, sein gesamtes Kontrollsystem einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Das vollständige Filmmaterial ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich, liegt jedoch den Behörden vor. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium lässt das Material derzeit durch das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) prüfen.

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