Illegales Töten von Küken

Aus für Bio-Brüterei


In einer Brüterei in Bayern sind schwere Tierschutzverstöße festgestellt worden. Das ZDF-Format Wiso zeigte Aufnahmen, die eine Tierschützerin undercover im Betrieb aufnahm. Mit Folgen für den Betrieb.

In der Biobrüterei Ludwig Hölzl aus Moosburg an der Isar werden Biohühner produziert. Schon lange interessierten sich Tierschützer für den Betrieb, der laut Medienberichten einen guten Ruf genoss. Vor einigen Monaten schaltete Hölzl eine Stellenanzeige. Ein Mitglied der Tierschutzorganisation „Soko Tierschutz“ bewarb sich erfolgreich und arbeitete so mehrere Wochen in dem Betrieb. Die Mitarbeiterin machte Aufnahmen der Praktiken und übergab sie der Sendung Wiso.

Betrieb soll Ende April schließen

Diese Aufnahmen haben nun existenzbedrohende Konsequenzen. Aus Medienberichten geht hervor, dass die Betreiber die Brüterei Ende April schließen werden. Geplant kann das nicht gewesen sein, denn noch vor zwei Wochen suchte man bei Hölzl einen Fahrer für eine unbefristete Anstellung. Leider war der Betrieb Hölzl nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen. 

Konkret geht es um zwei Vorwürfe: Zum einen wurden Küken in einer Maschine, umgangssprachlich Laserkarussell genannt, die Schnäbel gekürzt. Offiziell ist die viele Tiere in kurzer Zeit abfertigende Praktik in Deutschland verboten. Sie darf aber mit einer Ausnahmegenehmigung durchgeführt werden, wenn Küken ins Ausland verkauft werden. Hölzl hatte eine Ausnahmegenehmigung und exportierte die Küken nach Großbritannien. Das Schnabelkürzen soll Federpicken oder Kannibalismus in Betrieben verhindern. Der Vorwurf ist nur aus ethischer Sicht, jedoch nicht aus juristischer Sicht relevant. Eine Massenabfertigung passe nicht zum Image der Biobrüterei, so der Vorwurf. 

Tod bei Überproduktion

Wesentlich schwerer wiegt der nächste Vorwurf: Bei auftretenden Überproduktionen wurden die Küken vergast. Allabendlich wurden die Küken, die am Tag nicht verkauft wurden, in den Vergasungsautomat gesteckt. Die Vergasung von männlichen Küken ist in Deutschland sehr kontrovers diskutiert, jedoch im Einklang mit dem Tierschutzgesetz möglich. Weibliche Tiere zu vergasen ist jedoch verboten. Theoretisch wäre das Vergasen von weiblichen Küken unter bestimmten, besonderen Umständen legal. Überproduktion ist jedoch kein valider Grund. Auch das ist auf den mit versteckter Kamera gefilmten Bildern deutlich zu sehen.

Im Rahmen der Recherche fragte Wiso das zuständige Landratsamt. Dort beurteilte man die Praxis als strafrechtlich relevant und übergab den Fall der Staatsanwaltschaft. 


Die Praxis des Schnabelkürzens soll es seit einer Vereinbarung des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und der Geflügelindustrie ab dem 1. August 2016 nicht mehr geben. Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, wettert gegen die freiwillige Selbstkontrolle. Sie sei offensichtlich nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sei. „Ein Tierschutzgesetz, welches das Töten gesunder Tiere aus wirtschaftlichen Gründen erlaubt, verdient seinen Namen nicht uned muss überarbeitet werden.“ Er forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner dazu auf, den „Kuschelkurs der Unionsparteien mit der Agrarindustrie“ zu beenden.

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