Tierseuchen

Rinderherpes kehrt zurück

In Schleswig-Holstein ist die Rinderseuche festgestellt worden. Und das, obwohl Deutschland offiziell seit dem vergangenen Jahr als BHV1-frei gilt. Mehr als 1800 Rinder müssen geschlachtet werden.

Auf vier Höfen in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Stormarn wurde der meldepflichtige Erreger BHV1, besser bekannt als Rinderherpes nachgewiesen. Gemäß den Tierseuchenvorschriften muss der gesamte Bestand der betroffenen Höfe geschlachtet werden. Das betrifft rund 1.800 Tiere. Bei Rinderherpes unterscheidet man zwischen erkrankten Tieren und „Reagenten“, die den Virus nur in sich tragen, ohne zu erkranken. Die erkrankten Tiere werden entsorgt, doch die Reagenten können ganz normal geschlachtet werden. Das Fleisch ist für Menschen bedenkenlos verzehrbar. Das hängt mitunter mit den Eigenheiten des Herpes zusammen.
Nicht übertragbar
Rinderherpes gehört zur großen Gruppe der Herpesviren. Herpesviren sind sehr komplexe, große und von einer Hülle geschützte Viren. Ihre besondere Eigenheit ist ihre große wirtspezifische Wirkweise. Jede Unterart der Herpesviren ist auf einen ganz bestimmten Wirt spezialisiert und greift auch nur diesen an. So gehört der Rinderherpes zwar zur selben Familie wie der den Menschen befallende Lippenherpes (Herpes simplex), ist aber absolut ungefährlich für den Menschen.

HBV1 gilt als Verursacher der Krankheitsbilder „Infektiose Bovine Rhinotracheitis“ und „Infektiöse Vulvovaginitis“, die zu Lungenproblemen, verringerter Milchleistung und Unfruchtbarkeit führen können. Wie viele Virusinfektionen ist auch Herpes eine Schmierinfektion und überträgt sich über Kontakt. Die Viren reisen an Stiefeln und Kleidung von Stall zu Stall. Aus Seuchenschutzgründen dürfen möglicherweise infizierte Tiere nicht in „saubere“ Gebiete verkauft werden. 

Seit 1997 wird das Virus in Deutschland verstärkt vom Staat bekämpft. Vergangenes Jahr im Juni erklärte das Nordrhein-Westfälische Landwirtschaftsministerium das Bundesland und damit ganz Deutschland zur BHV1-freien Zone. 

Dennoch geben sich jetzt alle Beteiligten sowohl an offizieller als auch von der Industrieseite her entspannt. Der Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, Robert Habeck, bezeichnete vergangenen Freitag die Lage als „stabil“. Das Land gelte auch weiterhin als BHV1-frei. „Der Status ist auch nicht gefährdet, selbst wenn es – wie es in anderen Bundesländern auch der Fall ist – noch zu vereinzelten Ausbrüchen kommt.“ so Habeck.



Wichtig sei nun die Eindämmung des Ausbruchs. Das geschieht über die Schlachtung der betroffenen Tiere und einer gründlichen Desinfektion der Höfe. Die Kontrollen werden noch einmal intensiviert werden. Die Nachbarbetriebe werden auf das Virus hin untersucht. Tragisch für die betroffenen Landwirte ist der Verlust ihrer gesamten Bestände. Sie werden jedoch gemäß des Tiergesundheitsgesetzes entschädigt. Die Entschädigung speist sich aus einem Tierseuchenfond und durch Zahlungen vom Land.

Für Landwirte ist es jetzt wichtig, weiterhin die strengen Biosicherheitsmaßnahmen aufrecht zu erhalten. Die eigenen Tiere dürfen nicht in Kontakt mit fremden Beständen kommen. Neue Tiere sollten zunächst getrennt gehalten werden und Personen, die den Bestand betreten, sollten Schutzkleidung tragen.

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