Tierwohl-Label

Ministerium stellt Konzept-Entwurf vor


Branchenvertreter, NGO und Bundesagrarministerium haben sich auf mögliche Kriterien für ein staatliches Tierwohl-Label verständigt. Wann es eingeführt wird, ist nach wie vor offen.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner will offenbar zeigen, dass sie in Sachen Tierwohl-Label die Ärmel hochkrempelt und loslegt. Am Samstag veröffentlichte das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) eine Art Konzept-Entwurf. Der Kriterien-Katalog war demnach Ergebnis eines „Zielgesprächs“ mit Vertretern aus Agrar- und Ernährungswirtschaft, Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) und Lebensmitteleinzelhandel (LEH), das im Ministerium stattgefunden hatte.

Teilnahme bleibt freiwillig

Wichtigste Eckpfeiler des Konzepts: Das staatliche Tierwohl-Label soll freiwillig sein, aus drei Stufen bestehen und bereits vorhandene Ansätze wie die Initiative Tierwohl integrieren. Die Einstiegstufe soll deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen, das BMEL spricht hier von „Initiative Tierwohl Plus“. Die Kennzeichnung solle zunächst nur national gelten, eine Erweiterung auf die europäische Ebene schließt das BMEL aber nicht aus.

Eckpunkte der Kennzeichnung

Auf diese Punkte haben sich Branchenverbände, LEH, NGO und Ministerium verständigt:

• Eingangsstufe eindeutig über dem gesetzlichen Standard („Initiative Tierwohl Plus“)

• Freiwillige Teilnahme an der Kennzeichnung, aber verbindliche Einhaltung der Kriterien

• Umfassende Einbindung aller Vermarktungswege für Fleisch und Fleischerzeugnisse (Verarbeitungsprodukte)

• Breite Beteiligung der ganzen Kette (u.a. Einzelhandel, Gastronomie, Handwerk und Verarbeiter), um ein hohes Maß an Wertschöpfung sicherzustellen

• Mitnahme einer großen Anzahl von Landwirten, die mehr für das Tierwohl tun wollen und insbesondere derjenigen, die bereits in der Brancheninitiative Tierwohl (ITW) engagiert sind.

• Staatliche Förderung zur Erreichung dieser Ziele (u.a. Stallumbau, Verbraucher-Werbekampagne)


Angaben dazu, wann genau das Label eingeführt werden soll, machte das Ministerium nicht. Auch Details zu den Stufen des Siegels gab das BMEL nicht bekannt. Es weist lediglich daraufhin, dass die Haltungskennzeichnung bei Eiern, die einige Experten als vorbildlich betrachten, nicht eins zu eins auf die Wertschöpfungskette Fleisch übertragbar seien. Denn beispielsweise bei Rindern und Schweinen "würde sich ein Mehr an Tierwohl auch an den Beschäftigungsmöglichkeiten für das Tier, am Futter und dem Platzangebot" messen, heißt es dazu. Das Ressort verspricht zudem „staatliche Förderung“, unter anderem für einen Stallumbau oder an den Verbraucher gerichtete Werbe-Kampagnen. Angaben zur Höhe der finanziellen Förderung machte das Ministerium nicht. 

Keine Diskriminierung von Marktteilnehmern

„Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit den Verbänden wichtige Fortschritte gemacht haben, um bald eine nationale - und damit automatisch freiwillige - Tierwohl-Kennzeichnung, aber mit verpflichtenden Kriterien einzuführen“, teilte Bundesagrarministerin Klöckner mit. Sie verteidigte den vor allem von NGO in der Vergangenheit vielfach kritisierten Entschluss, auf Freiwilligkeit zu setzen statt ein Mehr an Tierwohl gesetzlich vorzugeben: „Auch das erfolgreiche Bio- Siegel ist ein freiwilliges Siegel, niemand ist gezwungen, mitzumachen. Aber wer es nutzt, muss überprüfbar höhere Kriterien erfüllen“, so Klöckner weiter. Bei einem freiwilligen Label würden zudem diejenigen Marktteilnehmer nicht diskriminiert, „die sich zwar gesetzeskonform verhalten, aber lediglich die vorgeschriebenen Mindeststandards bei der Tierhaltung einhalten“.

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