Tote Kitze

Wildtierstiftung korrigiert Zahl nach unten


Die Deutsche Wildtier Stiftung wehrt sich: Die Zahl von 100.000 totgemähten Rehen sei nicht frei erfunden. Das hatte zuvor die FAZ behauptet.

Für Aufsehen sorgte vor kurzem eine Meldung der Tageszeitung FAZ, dass die von der Deutschen Wildtier Stiftung verbreitete Zahl von 100.000 sterbenden Rehkitzen , frei erfunden sei. Es finde sich kein Beleg, heißt es in dem Artikel.

Heute reicht die Stiftung den Beleg nach. Die Zahl wurde nach statistischen Kriterien berechnet. Grundlage der Hochrechnung ist eine Beobachtung aus Mecklenburg Vorpommern, derzufolge in diesem Frühjahr auf 500 Hektar 40 Rehkitze per Oktokopter gefunden und vor dem Mähtod gerettet werden konnten. „Das bedeutete, dass acht Rehkitze auf 100 Hektar vom Mähtod bedroht waren“, so die Deutsche Wildtier Stiftung. Hochgerechnet auf ganz Deutschland käme man auf 92.000 Kitze. "Die Wahrheit liegt zwischen 100.000 und 50.000 betroffenen Rehkitzen!", so das Fazit.

Nicht repräsentativ

Für den Deutschen Jagdverband (DJV) ist das „Kaffeeleserei“. Das sei eine sehr kleine Stichprobe. Um aussagekräftige Zahlen zu bekommen, müsste man deutschlandweit Referenzflächen haben, so ein Sprecher des DJV. Die tatsächliche Menge der ausgemähten Kitze zu erfassen ist schwierig. Denn im Gegensatz zu Wildunfällen mit dem PKW sind Wildunfälle mit dem Mähwerk nicht meldepflichtig. „Jeder Landwirt, der Silage produziert, hat ein eigenes Interesse, das sauber zu halten, um Botulimus, also eine Vergiftung bei den Nutztieren zu vermeiden“, so der DJV. Diese Argumentation falle rein nüchtern betrachtet  bei der Biogasproduktion weg, beispielsweise beim Mähen von Grünroggen.

Die Deutsche Wildtierstiftung gibt derweil mit Emotionen ihrer Hochrechnung mehr Nachdruck: "Wer einmal ein Rehkitz mit abgemähten Beinen gesehen hat, das versucht aufzustehen und seine Mutter zu suchen, wird verstehen, dass schon ein ausgemähtes Rehkitz eins zu viel ist", sagt Dr. Andreas Kinser, stellvertretender Leiter Natur- und Artenschutz der Deutschen Wildtier Stiftung.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Petersen
    Erstellt 16. Juli 2018 14:32 | Permanent-Link

    Welcher Landwirt und vor allem welcher Viehhalter wird vorsätzlich ein Tier verletzten oder gar töten? Wir leben nun einmal mit der Hoffnung, dass sich der Wolf an die Vorschriften der artgerechten Tötung eines Wirbeltiers hält.

  2. Martin Hecht
    Erstellt 16. Juli 2018 19:40 | Permanent-Link

    Die Hochrechnung würde ich gern mal sehen. Wer hat wan, was und wo statistisch erfasst und veröffentlicht.

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