Trinkwasser

UBA fordert vierte Stufe bei der Abwasserreinigung


Exakte Analyseverfahren kommen Mikroverunreinigungen in Gewässern auf die Spur. Das Umweltbundesamt (UBA) schlägt Maßnahmen vor, um Stoffeinträge von Medikamenten, Pflanzenschutzmittel und Biozide zu minimieren.

Langlebige Stoffe wie Tributylzinnverbindungen aus bioziden Bootsanstrichen, Perfluoroktansulfonsäure aus Löschschäumen und Galvanikbädern oder Diuron aus Pflanzenschutzmitteln sind dank exakter Untersuchungsmethoden heute im Wasser nachweisbar. Zunehmend werden auch Arzneimittelwirkstoffe wie Diclofenac und Ibuprofen gemessen. In einer Studie hat das Umweltbundesamt (UBA) die Eintragspfade dieser Mikroverunreinigungen aus Kläranlagen, Abschwemmung aus Böden, Auswaschung über Niederschläge, Versickerung in Gewässern analysiert und Handlungsempfehlungen zur Reduzierung abgeleitet.

Pflanzenschutzmittel: Damit weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, schlägt das UBA vor, den Öko-Anbau auszubauen und in der konventionellen Landwirtschaft die Fruchtfolge zu erweitern. Auf Gewässerrandstreifen seien Pflanzenschutzmittel zu verbieten. Bei der Ausbringung sollte eine möglichst zielgenaue, verlustfreie und saubere Ausbringung mittels neuer Technik gewährleistet sein.

Biozide: Der Einsatz von Bioziden zur Schädlingsbekämpfung, Desinfektion und zum Materialschutz sollte auf das notwendige Maß minimiert werden. Zusätzlich schlägt das UBA vor, müssen belastbare Daten zu den Verkaufs- und Verwendungsmengen erhoben, Umweltbelastungen systematisch überwacht sowie übergreifende Vorgaben für den umweltgerechten Gebrauch von Bioziden erlassen werden.

Arzneimittel: Medizinische Wirkstoffe haben in Gewässern nichts zu suchen. Hier ruft das UBA die Forscher auf, mehr nach umweltverträglichen Wirkstoffen zu forschen. Tierarzneimittelwirkstoffe mit schädlichen Umwelteigenschaften sollten generell nicht zugelassen werden.

Da viele der vorgeschlagenen Maßnahmen einen längeren Vorlauf brauchen und nicht alle Einträge von Mikroverunreinigungen verhindern können, müsse bei der Abwasseraufbereitung angesetzt werden, heißt es aus dem UBA. Mit einer vierten Reinigungsstufe könnte deren Eintrag in die Gewässer effizient reduziert werden. UBA-Schätzungen gehen von Mehrkosten von durchschnittlich 16 €/Person und Jahr für den Ausbau von großen Kläranlagen in Deutschland aus.

Über die Finanzierung und Umsetzung der vom Umweltbundesamt empfohlenen Maßnahmen ist nach Dafürhalten der Behörde eine gesellschaftliche Debatte nötig. Die vom UBA fachlich begleitete Aktion „Stakeholderdialog Spurenstoffe“ kann hierfür eine Plattform bieten.

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