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Klöckner steht unter Dauerbeschuss

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) steht in der Kritik. Grund ist ein Video mit Nestle-Deutschland Chef Marc-Aurel Boersch. Auf dem Nachrichtenkanal Twitter geht die Post ab.


Sie freue sich, dass sie sich mit Boersch "über die Philosophie von Nestlé" unterhalten habe, sagt die Ministerin im Video und setzt hinzu: "Ich habe heute viel Neues erfahren und freue mich, dass wir Unterstützung haben für unsere Innovations- und Reduktionsstrategie. Weniger Zucker, weniger Salz, weniger Fett in den Produkten, die die Bürger gerne mögen."

Mit einem Lächeln übergibt sie das Wort an den Nestlé-Chef, der zusichert: "Wir unterstützen die Reformulierungsstrategie der Ministerin sehr, sehr gerne." Klöckner nickt erfreut, während er erklärt, dass Nestle den Zucker-, Salz- und Fettgehalt seiner Produkte um zehn Prozent gesenkt habe. 

Kritiker auf Twitter werfen Klöckner unter dem Hashtag #Nestle vor, sich vom Nestlé-Konzern für PR-Zwecke ausnutzen zu lassen. Andere spotten über die unkritische Haltung zu Nestlé, die sie Klöckner in dem Video unterstellen. Auch etliche Bundespolitiker kritisierten den Beitrag heftig. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach twitterte dazu: "Vorgang ist peinlich, ja bitter". Klöckner habe sich von Nestlé-Lobbyisten "erst die Zuckersteuer und die Lebensmittelampel abverhandeln" lassen und trete nun bei einem PR-Event auf, monierte er.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt schimpfte, Klöckner habe ein "Werbevideo" für Nestlé gedreht, statt klare Regeln für die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln einzuführen. Ricarda Lang, die Bundessprecherin der Grünen Jugend, bemerkte hämisch, das Video sei wohl der Beitrag des Bundesagrarministeriums zum Weltumwelttag.

Der Youtuber Rezo, der den Volksparteien kurz vor der Europawahl einen Denkzettel verpasst hatte, schrieb auf Twitter unter das Video: "Fun Fact: Hätte ich exakt diesen Tweet mit genau so einem Video gepostet, hätte ich es als #Werbung kennzeichnen müssen."

Klöckner selbst wiegelte zunächst ab. "An die Hatespeaker, weil ich mit Nestlé gesprochen habe: Mal eigene Forderungen #Zuckerreduktion nachlesen!", twitterte sie. "Dass Unternehmen unsere Ziele für bessere Nahrungsmittel umsetzen, ist ein Erfolg. Erst unterstellen, dass nichts geschieht. Dann durchdrehen, wenn man was erreicht", heißt es bei tagesschau.de"

Auf die Anmerkung eines Users, von ihr keine kritische Auseinandersetzung erkennen zu können, antwortete sie in einem anderen Tweet: "Herrje, es ist ja auch zu schön und einfach, Politiker als die letzten Deppen hinzustellen und Forderungen rauszuhauen, ohne sich wirklich ernsthaft differenziert mit dem Thema beschäftigt zu haben. Leute, Demokratie funktioniert so nicht". In weiteren Antwort-Tweets schlägt sie eine ähnliche Tonart an.

Ihr Ressort antwortet diplomatischer: "Wir verstehen eure Argumente", verlautbarte der offizielle Account des Agrarministeriums. "Und gleichzeitig liegt es uns am Herzen, dass es vorangeht mit gesünderen Lebensmitteln - weniger #Zucker, #Fette, #Salz. Dabei sehen wir gerade auch die ganz Großen in der Verantwortung!"

1 Kommentar

  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 6. Juni 2019 08:57 | Permanent-Link

    Aus dem Hause Nestlé wurden hinter vorgehaltener Hand die größten Widerstände gegen NON-FOOD-Alternativen initiiert; und unsere Agrarministerin geht hier nun unverständlicherweise auf liebevollen agrarpolitischen Kuschelkurs.

    Aus der dortigen Manageretage ließ man verlautbaren, dass mehrere Tausend Liter wertvollstes Grundwasser pro erzeugtem Liter Biodiesel aberwitzigerweise verbraucht würden. Forderte Nestlé nicht gar, die Trinkwasserversorgung innerhalb Europas Grenzen zu privatisieren?

    Federführend hat dieser Konzern in den Hinterzimmern unsere Zuckermarktordnung erfolgreich geschliffen; und nun, da dieses einstige weiße Gold spottbillig ist, steht die Forderung nach einer Zuckersteuer auf dem Programm.

    Ja, Nestle wird nun sicherlich eine beeindruckende Preissenkungswelle über das gesamte hauseigene Produktportfolio hinweg ins Rollen bringen: „Mars macht mobil“ & Co. setzen Zeichen!?

    Ist unserer Bundesagrarministerin im eigentlichen geläufig, welchen beeindruckenden ökologischen Fußabdruck gerade unser weltgrößter Nahrungsmittelkonzern hinterlässt:
    Coffee-to-go-Einwegbecher, das Bechersyndrom mit seinen fatal schmutzigen Konsequenzen. Kaffeekapseln - 8 Milliarden Kapseln müssen aktuell jährlich aufwendig entsorgt werden. - Und, und und!

    ...Frau Klöckner zeigt sich nun wirklich erstaunt, reagiert massiv „verschnupft“, wenn sie mit ihrer „Nestlé-Werbekampagne“ mit schalem G‘schmäckle einem blauhaarigen YouTuber sofort die nächste Steilvorlage liefert!? - Nichts dazugelernt - setzen, sechs!

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