Ukraine

GV-Soja ohne Deklaration

Ukrainische Landwirte bauen zunehmend Soja an und verwenden dabei offenbar auch GV-Sorten, ohne diese aber zu deklarieren. Eine rumänische Umweltorganisation fordert ein Anbauverbot.

Die rumänische Umweltorganisation Agent Green und die rumänische Landesorganisation des Vereins Donau Soja werfen den Landwirten in der Ukraine vor, in großem Stil nicht deklarierte gentechnisch veränderte (GV-) Sojabohnen anzubauen.

Die rumänische Umweltorganisation hat nach eigener Aussage im Sommer 2018 Sojafelder in der Ukraine auf Vorhandensein von GV-Sorten untersucht. Agent Green berichtet von Probenahmen auf 60 Feldern in den sechs Regionen, in denen sich mehr als die Hälfte des ukrainischen Sojaanbaus befinden. Davon seien in 29 Proben GV-Sorten mit Monsanto-Traits gefunden worden, so Agent Green.

Österreichisches Umweltbundesamt bestätigt die Funde

Von den Positiv-Proben wiederum sind 12 in den offiziellen Laboren des österreichischen Umweltbundesamtes noch eingehender untersucht worden. Die Umweltorganisation geht davon aus, dass es sich angesichts der Konzentration von GV-Material nicht um eine zufällige Kontamination, sondern um einen gezielten Anbau gehandelt hat. Agent Green rechnet auf Basis der Analysen damit, dass 48 Prozent der Sojafläche in der Ukraine mit GV-Sorten bestellt sind.

Die Umweltorganisation geht in den ukrainischen Sojaanbauregionen von Anteilen zwischen 30 und 80 Prozent aus.
Karte: Agent Green
Die Umweltorganisation geht in den ukrainischen Sojaanbauregionen von Anteilen zwischen 30 und 80 Prozent aus.

Ein solcher Anbau hätte jedoch in der Ukraine in einem Anbauregister gemeldet werden müssen. Nach Angaben der Umweltorganisation führt das staatliche Gentechnik-Register zurzeit jedoch keine Anbauvorhaben mit GV-Sorten. Die rumänische Umweltorganisation kommt deswegen zu dem Schluss, dass die staatlichen Kontrollen in der Ukraine nicht funktionieren und fordert als Konsequenz, dass die ukrainische Regierung den Anbau von GV-Soja generell verbieten sollte.

Der Sojaanbau in der Ukraine ist in den vergangenen Jahren ständig gewachsen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Kiew beträgt die Anbaufläche zur Ernte 2018 gut 1,7 Mio. ha. Eine offizielle Ernteschätzung liegt noch nicht vor. Das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) schätzt eine ukrainische Sojaernte von 4,4 Mio. t, von denen 2018/19 rund 3,1 Mio. t exportiert werden sollen.

Themen:
Ukraine Soja

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 12. November 2018 08:11 | Permanent-Link

    Mit dem konventionellen Sortenspektrum aktuell kann man an selbigen Standorten die obigen Erträge schwerlich einfahren... Insofern überraschen die enttarnten Missstände nicht wirklich. Wenn diese Sojabohnen über die Donau geschippert in unsere Versorgungskette gelangen, findet die wundersame Reinigung und damit die segensreiche Wandlung zur händeringend gesuchten GVO-freien Ware statt.

    Mit solchen Erzeugnissen müssen wir Bauern hierzulande preislich allerdings konkurrieren.

    Selbst der größte Sojabohnen-Aufkäufer am Weltmarkt legt mittlerweile gesteigerten Wert auf GVO-Freiheit; demnach muss man zwangsläufig anderenorten erheblich blauäugige Abnehmer finden; und dies scheint ja offensichtlich bisher auch gelungen zu sein.

    Wie hat unlängst ein Analyst festgestellt: Der heimische Sojabohnenanbau -aktuell um die 24.000 Hektar- mutiert zur lächerlichen Banalität angesichts der komfortablen Versorgungssicherheit des Weltmarkts über die gesamte Bandbreite des Wunschportfolios hinweg. Glaube ersetzt augenscheinlich aber doch nicht immer gesichertes Wissen. Diese Erkenntnis zumindest beruhigt.

stats