Russland importiert keine Lebensmittel aus der EU. Nach der Wahl des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij verschärft sich der Konflikt.

Die Aussichten auf ein Ende des russischen Lebensmittelembargos sind nach den Wahlen in der Ukraine gesunken. Russland provoziert mit einer Ausgabe von Pässen an die Bewohner in der Ostukraine, um deren Ablösung von Kiew zu verstärken. Der designierte ukrainische Präsident Selenskij forderte daraufhin verschärfte Sanktionen gegen Russland. 

Europas Top Eiererzeuger

Der Agrarsektor spielt mit einem Anteil von 10 Prozent eine wichtige Rolle in der ukrainischen Wirtschaft. Die – teilweise sehr guten – Geschäfte mit der EU, beispielsweise mit Fruchtsaftkonzentraten oder Biogemüse, liegen fest in der Hand ukrainischer Unternehmen. Bekannt ist die Ukraine auch als Standort großer Käfiganlagen für Legehennen. Nach eigenen Angaben zählen die ukrainischen Unternehmen Ovostar mit mehr als 7 Mio. und Avancardco mit mehr als 10 Mio. Tieren zu den größten Erzeugern in Europa. Als Absatzmärkte für Schaleneier werden Länder im arabischen Raum genannt. Rund 50 Prozent der Verarbeitungsware wie Flüssigei und Eipulver wurden im Jahr 2018 exportiert. Nach Aussage von Marktexperten gelangt ein großer Teil in Länder der EU.

Freihandelsabkommen hält Hoffnungen lebendig 

Doch nach wie vor ist der Bodenmarkt für ausländische Investitionen tabu, lediglich Flächen für die Pacht stehen zur Verfügung. Als ernsthaftes Problem für die Entwicklung des Landes bezeichnen Beobachter auch die massive Abwanderung von Fachkräften. Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von etwa 2000 US-Dollar pro Jahr liegt die Ukraine hinter ihren Nachbarländern. Insbesondere die dynamische Entwicklung in Polen zieht Arbeitskräfte an. Erst die Wahlen zum Parlament des 43 Millionen Einwohner zählenden Landes im Herbst könnten Hinweise für die weitere Entwicklung geben.
In einer aktuellen Bestandsaufnahme verweist der Ost-Ausschuss Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft (OAOEV) auf eine allmähliche Beruhigung der politischen und wirtschaftlichen Lage im Lauf der vergangenen fünf Jahre. In Ansätzen positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung gewirkt habe das von der EU und der Ukraine im Jahr 2016 von beiden Seiten zur Anwendung gekommene Freihandels- und Assoziierungsabkommen (DCFTA), so der OAOEV.

Hintergrund
Der designierte ukrainische Präsident Selenskij hatte im Wahlkampf gefordert, auch die USA und Großbritannien in die Friedensverhandlungen einzubeziehen. Das lehnt aber Russland strikt ab. Eine Umsetzung des „Minsker Friedensabkommens“ ist damit nicht in Sicht. Die Nichteinhaltung des Abkommens löst seit Jahren eine Spirale von Sanktionen zwischen Russland und der EU aus. Die EU wirft Russland die Unterstützung von Separatisten in den ostukrainischen Gebieten von Donezk und Luhansk vor und verhängt deshalb Reiseverbote für russische Politiker und friert denen Konten ein. Russland reagiert seitdem mit einem Verbot für die Einfuhren von Lebensmitteln aus der EU.

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