Umweltministerin Schulze

Agrarpolitik sägt Landwirtschaft den Ast ab


In einem Gastkommentar für die Mitglieder der DLG fordert Umweltministerin Svenja Schultze eine Umkehr in der Agrarförderung. Dies sei auch im Interesse der Landwirte.

Bundesumweltministerin Svenja Schultze sieht die biologische Vielfalt durch „große Teile der heutigen Agrarwirtschaft" bedroht. „Klar ist: Die gegenwärtige Agrarpolitik sägt der Landwirtschaft den Ast ab, auf dem sie selber sitzt“, schreibt die SPD-Politikerin im aktuellen DLG-Mitgliederrundbrief. Vielen Bürgerinnen und Bürgern in ganz Europa sei nicht mehr zu vermitteln, warum „mit dem größten Einzelposten im EU-Haushalt ein System subventioniert wird, in dem kleine Höfe aussterben und die Umwelt immer stärker belastet wird“. Sie setze sich für eine Agrarförderung ein, die diejenigen belohnt, die auch für das Tierwohl, den Artenschutz und den Naturschutz arbeiten.

Vögeln in der Agrarlandschaft geht es schlecht

Als Umweltministerin störten sie vor allem die Umweltprobleme, die aus dem derzeitigen Agrar-Fördersystem der Europäischen Union erwachsen. Zu den dadurch entstehenden Umweltproblemen zählt Schulze das Insektensterben. „In den letzten 30 Jahren ist die Anzahl der Bienen, Käfer, Schmetterlinge, Libellen, Heuschrecken, Ameisen, Fliegen um 75 Prozent gesunken“, so die Ministerin. Dadurch fehlten Vögeln, Fledermäusen und vielen anderen Tieren die Nahrung. Den Vögeln der Agrarlandschaft gehe es so schlecht wie keiner anderen Vogelgruppe.

Agrar- und Umweltpolitik abstimmen

Auch bei den Themen Düngemittel und Klimaschutz sieht die Ministerin einen Zusammenhang zwischen Agrar- und Umweltpolitik. Es liege daher auf der Hand, dass das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium sich häufig eng abstimmen müssen. Umweltgerechte Landwirtschaft sei zu einem Thema geworden, dass mittlerweile tausende Menschen auf die Straßen bringe. Die Landwirte und ihre Interessenvertreter sollten diese Entwicklung aber nicht als Bedrohung, sondern als Chance auffassen. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher seien bereit, mehr Geld für gute, umweltverträglich erzeugte Lebensmittel auszugeben. Schade sei, dass die jährlich steigende Nachfrage nach „Bio“ nicht aus Deutschland heraus befriedigt werden könne. „Hier würde ich mir größere Fortschritte wünschen“, so die Umweltministerin.

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