Unterschriftenaktion

Protest gegen Neonics-Beize in Polen


Die Ausnahmegenehmigung für Neonicotinoide als Rapsbeize ruft in Polen Greenpeace auf den Plan. Die Organisation fordert einen sofortigen Stopp und mehr Anstrengungen für den Bienenschutz.

In Polen darf Raps zur bevorstehenden Aussaat in begrenztem Umfang mit Neonicotinoiden behandelt werden. Der polnische Ölsaatenverband (KZPRiRB) hatte den Antrag gestellt und Agrarminister Jan Krzysztof Ardanowski hat vor zehn Tagen eine Notfallgenehmigung für die Saatgutbehandlung mit Neonicotinoiden erteilt.
Dagegen läuft jetzt die polnische Sektion der Umweltorganisation Greenpeace Sturm. Sie hat am Freitag einen dringenden Appell an den Agrarminister gerichtet, die Genehmigung umgehend zurückzunehmen. Außerdem führt die Organisation eine Unterschriftenaktion durch, in der ein sofortiger Aktionsplan zum Bienenschutz gefordert wird. Auf der Internetseite „Polen muss auf der Seite der Bienen stehen“ haben bis Sonntagabend mehr als 71.000 Menschen unterschrieben.

Greenpeace befürchtet bei der Ausbringung von Saatgut, das mit Neonicotinoiden gebeizt ist, massive Bienenschäden, vor allem auch von Wildbienen. Den Appell an Ardanowski, seine Notfallzulassung zu widerrufen, haben Wissenschaftler der Universität Warschau sowie führende Vertreter der polnischen Bienenzüchter und Imker unterschrieben. Waldemar Kudła, Präsident der Polnischen Imkervereinigung, vergleicht in dem Schreiben an den Agrarminister Neonicotinoide mit Arsen, das in kleinen, aber toxische Dosen Bienen vergiften würde. Catherine Jagiello, Biodiversität-Spezialistin bei der polnischen Greenpeace-Sektion wirft Ardanowski vor, die agrochemische und Biotreibstoff-Lobby auf Kosten von bestäubenden Insekten zu unterstützen.

Polnischer Verband beklagt „Hysterie“

Der polnische Ölsaatenverband verteidigt indes die Anwendung der Neonicotinoide als Beizmittel. Er weist auf die schwierige Lage der polnischen Landwirte hin, die in den vergangenen Jahren einen beständigen Rückgang der Rapsernte verzeichnet haben. Die jetzige Aktion von Greenpeace, die in den polnischen Medien Aufmerksamkeit hervorruft, bezeichnet der Verband als „hysterisch“. Ein Verbot von Neonicotinoiden würde keine Probleme lösen. „Sollen wir in Polen keinen Raps mehr anbauen?“ stellt KZPRiRB als rhetorische Frage. Der Verband weist darauf hin, dass ohne Rapsproduktion in Polen auch die ehrgeizigen Pläne zur Unabhängigkeit von GVO-Futter nicht erreichbar wären.

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