USDA-Analyse

Brasilien will keine US-Bohnen


Die Bedingungen für die Sojaaussaat sind in den wichtigsten Anbaugebieten Brasiliens in dieses Wochen sehr gut.
Abiove
Die Bedingungen für die Sojaaussaat sind in den wichtigsten Anbaugebieten Brasiliens in dieses Wochen sehr gut.

Brasilianische Farmer wollen auch 2019 von der hohen chinesischen Nachfrage profitieren. Neben dem Wetter könnte die Politik neue Rekorde gefährden.

Die Mitarbeiter der US-Botschaft in Brasilia erwarten für Brasilien im kommenden Frühjahr eine Rekordernte von 123,0 Mio. t Sojabohnen, das wären noch einmal 3,5 Mio. t mehr als im bisher besten Jahr 2018. Die Anbaufläche soll auf 36,1 Mio. ha steigen, das sind 1 Mio. ha mehr als in der vorherigen Saison. In bisherigen Schätzungen war das US-Agrarministerium (USDA) von einer Ausweitung des Sojaanbaus um nur 400.000 ha und einer S0jamenge von 120,5 Mio. t ausgegangen. Für das Vermarktungsjahr 2019/12 (Februar bis Januar) wird mit einer Exportmenge von 75,5 Mio. t gerechnet, heißt es in dem Bericht des Global Agricultural Information Network (GAIN) des USDA. Die Exporte würden gegenüber dem erwarteten Rekord im Jahr 2018/19 um lediglich 500.000 t steigen, da Brasilien seine Bestände fast vollständig auf rund 1 Mio. t abbauen wird.

Schwacher Real macht Sojaanbau attraktiv

Als wichtigen Grund für die Ausweitung des Sojaanbaus sehen die Autoren des Berichts die hohe chinesische Nachfrage, die aus dem Handelsstreit zwischen den USA und China resultiert. Verbessert habe sich die Wirtschaftlichkeit des Sojaanbaus jedoch vor allem durch den schwachen Real, der in den vergangene 12 Monaten gegenüber dem US-Dollar um ein Viertel an Wert verloren hat. Der Preis für einen Sack Sojabohnen stieg deshalb FOB Paranagua von Januar bis September von 70 auf 100 Real. In Dollar gerechnet seien die Preise in den vergangene zwei Jahren dagegen relativ konstant.

Produktion wird intensiviert

Der in dem Bericht vorhergesagte Ertrag von 3,4 t/ha basiert auf der Annahme, dass das Wetter weiterhin günstig bleibt. Wegen El Nino bestehe die Gefahr, dass trockenes, heißes Wetter die Pflanzen im Nordosten des Landes schädigen kann. Dieser negative Effekt könnten allerdings ausgeglichen werden, wenn die Produktivität wie in den vergangenen Jahren weiter steigt. Zudem werden die Farmer wegen der attraktiven Preise die Bestände intensiv führen. Ein Anzeichen dafür sei der gestiegene Absatz von Düngemitteln, die sich gegenüber dem Vorjahr in Relation zu den Erlösen für Sojabohnen verbilligt haben.

Streit um LKW-Tarife bleibt ein Risiko

Der Bericht weist auch auf einige Risiken hin. Hauptproblem bleibt die Unsicherheit über die LKW-Frachtraten, für die nach einem Streik der Fahrer im Mai gesetzliche Mindestbeträge festgelegt wurden. Gegen diesen Beschluss des Kongresses klagten Wirtschaftsverbände. Mit einer Entscheidung der Richter wird erst im November gerechnet. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der Ausgang der Präsidentschaftswahl am Sonntag. Entscheidend bleibt aber der Handelsstreit zwischen den USA und China. Sollte die Volksrepublik ihre Strafzölle auf Sojabohnen aus den USA aufheben, würde das zu einem Einbruch der Nachfrage in Brasilien führen. Die Autoren des Berichtes halten dieses Szenario im kommenden Wirtschafsjahr aber für unwahrscheinlich.

Importe aus Nachbarländern möglich

Wenig Glauben schenken die Autoren Meldungen, wonach Brasilien größere Mengen von Sojabohnen aus den USA importiere könnten. Sie gehen davon aus, dass das Land seinen Bedarf trotz der großen Exportmengen decken kann. Außerdem wird darauf verwiesen, dass die brasilianischen Häfen nicht für den Import von großen Sojamengen ausgestattet seien. Die sehr niedrigen Endbestände würden von den Akteuren in Brasilen gelassen gesehen, heißt es in dem Bericht. Sollten durch eine schlechte oder verspätete Ernte Lücken entstehen, könnten diese durch Importe aus den Nachbarländern geschlossen werden.

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