Verhaltensauffälliges Wolfsrudel

Landvolk fordert neue Wolfsdebatte


Die weitere Ausbreitung des Wolfs dürfe nicht zum Nachteil der Tierhaltung geschehen, findet Landvolkpräsident Jörn Ehlers.
Bild: Pixabay / Pixel-mixer
Die weitere Ausbreitung des Wolfs dürfe nicht zum Nachteil der Tierhaltung geschehen, findet Landvolkpräsident Jörn Ehlers.

Rinder und Pferde stehen eigentlich nicht auf dem Speiseplan von Wölfen. Im Heidekreis in Niedersachsen kam es in der vergangenen Woche dennoch zu Angriffen. Landvolkvizepräsident Jörn Ehlers fordert Konsequenzen.

Im Heidekreis verdichten sich die Hinweise, dass insbesondere ein Wolfrüde innerhalb des sogenannten Rodewalder Rudels verhaltensauffällig ist. Nach Berichten des NDR gab es seit Frühjahr 2018 immer wieder Anzeichen, dass sich das sogenannte Rodewalder Rudel nicht wie ein typisches Wolfsrudel verhält. Jüngste Risse von gleich zwei Rindern in der vergangenen Woche im Landkreis Nienburg, sollen ebenfalls auf das Konto des Rudels gehen. Sonnabendnacht riss das Rudel dann ein Shetland-Pony, diesmal in Nienhagen bei Rodewald. Laut Berichten in der Lokalzeitung "Die Harke" beobachtete ein Jäger den Angriff der Wölfe und konnte die Tiere letztlich durch lautes Schreien und In-die-Hände-klatschen verscheuchen.

Das Umweltministerium in Hannover prüft laut NDR daher, ob der als auffällig eingestufte Wolf getötet werden muss. Es bestehe die Befürchtung, dass der Rüde sein problematisches Verhalten an den Rest des Rudels weitergebe. 


Die Übergriffe ziehen auch Forderungen aus den Verbänden nach sich. Eine völlig neue Qualität in der Diskussion zum Umgang mit Wölfen fordert etwa Landvolkvizepräsident Jörn Ehlers. „Die bisherigen Schutzkonzepte stehen auf tönernen Füßen und geben unseren Tierhaltern nicht die notwendige Sicherheit“, sagt er mit Blick auf die jüngsten Vorfälle im Heidekreis. „Tierhalter sehen sich mit stetig steigenden Anforderungen zum Schutz weidender Tiere konfrontiert“, schildert Ehlers. „Sie erleben immer wieder Wolfsübergriffe, die es eigentlich nicht geben sollte.“

So besteht für Pferde und Rinder die häufig vertretene Auffassung, dass sie in der Herde ausreichend gegen Wölfe geschützt seien. Schafhaltern wird das Material für einen 90 Zentimeter hohen Schutzzaun bezahlt, gleichzeitig spricht Umweltminister Olaf Lies jetzt von 120 Zentimeter hohen Schutzzäunen. „Die Tierhalter können die Schutzzäune nicht ständig weiter aufrüsten“, lehnt Ehlers diesen Wettlauf gegen die Zeit ab. Auffällige Wölfe müssten daher zum Abschuss freigegeben werden. Für das Rodewalder Rudel sei diese Auffälligkeit wiederholt belegt worden. 

Ehlers wünscht sich zugleich mehr Verständnis für die Sorgen der Tierhalter und der ländlichen Bevölkerung. Er beobachte zunehmenden Verdruss sowohl bei Jägern wie auch Tierhaltern und Dorfbewohnern. Meldungen zu Wolfssichtungen oder Tierrissen würden leider in der Öffentlichkeit nicht immer mit dem notwendigen Ernst behandelt.

Tierhalter melden nicht mehr jeden Riss

Es werde Material in großer Menge gesammelt, untersucht und gesichert, während sich der Wolf ungehindert ausbreiten könne. Tierhalter würden aus denselben Gründen längst nicht mehr jeden Riss melden. „Wir sollten vorurteilsfrei die Fakten bewerten und uns frei von Euphorie, aber auch frei von übertriebenen Ängsten gemeinsam für ein wirksames Konzept stark machen“, fordert Ehlers. Der Wolf sei in weiten Teilen Niedersachsens längst wieder heimisch geworden, natürliche Feinde habe er aber nicht. Die ungehinderte Ausbreitung der Raubtiere dürfe nicht weiter zu Lasten der Tierhaltung gehen. 

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