Verschwörungstheoretiker

Expertenrat mit Laienmeinung gleichauf


Bei offenen Fragen und kontroversen Themen halten die meisten Menschen die Meinung eines Experten für glaubwürdiger als die eines Laien. Menschen, die Verschwörungstheorien anhängen, machen genau dies nicht.

Professor Dr. Roland Imhoff hat den Zusammenhang von Verschwörungsmentalität und Vertrauen in Expertenmeinungen untersucht. Der Wissenschaftler kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis. Für Verschwörungstheoretiker ist jede Information gleich wichtig. 

Eigentlich hatten die Wissenschaftler vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz damit gerechnet, dass Menschen mit einer Verschwörungsmentalität den Ansichten von Laien mehr Glauben schenken. Die These war, dass diese Menschen einer mit Macht assoziierten Expertenmeinung mehr misstrauen würden, als einer Laienmeinung, die nicht mit einer Machtposition verknüpft ist. Das jetzige Ergebnis hatte sich aber über vier Studien hinweg durchgezogen. Dafür hatten die Psychologen um Roland Imhoff insgesamt 1160 Versuchsteilnehmer in Deutschland und in den USA befragt. 

You Tube so glaubwürdig wie seriöse Medien

"Verschwörungstheoretiker machen keinen Unterschied zwischen Laien und Experten", so Imhoff. "Das widerspricht dem häufig gezeichneten Bild, dass Personen mit einer Verschwörungsmentalität kognitiven Verzerrungen unterliegen." Eine Information auf YouTube ist für diese Gruppe von Menschen genauso glaubwürdig – oder unglaubwürdig – wie ein FAZ-Beitrag. 

Imhoff zufolge sind wir aber angewiesen auf einen "Gesellschaftsvertrag des Wissens". Uns bleibe in "komplexen Informationsgesellschaften" nichts anderes übrig, als bestimmten Institutionen wie multinationalen Forschungsteams, Qualitätsmedien oder Wissenschaftlern zu vertrauen. Verschwörungstheoretiker tun dies offenkundig nicht.

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