Ertragsausfälle

Sachsen-Anhalt enttäuscht Hoffnung auf schnelle Hilfen

Die grüne Agrarministerin Claudia Dalbert spricht klare Worte. Eine vorgezogene Auszahlungen der Prämien - wie von Hogan versprochen - hält sie für nicht umsetzbar.

Die Not in Sachsen-Anhalt ist groß. Seit Monaten hat es keinen Regen mehr gegeben, nur wenige örtliche Gewitter. Das Gründland ist verbrannt, die Maisfelder sind mickrig, die Rübenbestände vertrocknet und das Getreide bringt wenig Ertrag. Auf ihrer Reise durch die Altmark hat sich Ministerin Dalbert auf den Höfen ein Bild von den Trockenschäden gemacht. Der Geschäftsführer der Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier im Altmarkkreis Salzwedel, Frank Pieper,  bittet die Ministerin inständig um finanzielle Hilfen. Diese wollte am Dienstag beim Gespräch auf dem Betrieb Dalbert aber nicht sofort zusagen. Sie versprach jedoch, sich dafür einzusetzen. Bereits am kommenden Dienstag will sie im Kabinett der rot-grünen Landesregierung in Magdeburg über die existenzbedrohende Situation der Ackerbau- und vor allem Mischbetriebe in Sachsen-Anhalt berichten. Denn manche Tierhalter wissen nicht mehr, wie sie ihren Futterausfall, der bis zu 60 Prozent betragen kann, ersetzen sollen.

Ernte muss abgewartet werden

In Sachsen-Anhalt gibt es eine Richtlinie, die für finanzielle Zuwendungen in Extremwetterlagen eingesetzt werden könne, führte Dalbert aus. Dazu müsse jedoch die Ernte abgewartet und bewertet werden. Betroffene Landwirte müssten einen Ertragsausfall von 30 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre nachweisen, um in den Genuss der Zuschüsse zu kommen.

Sachsen-Anhalt: Ernte



Auch die Bundesregierung ist noch im Rennen. Ob es sich bei der Trockenheit um einen nationalen Notstand handelt, darüber werden Vertreter von Bund und Ländern Ende Juli beraten, führte Dalbert weiter aus. agrarzeitung.de berichtete darüber. Überschreiten die Hilfszahlungen 100.000 € müsse die EU jedoch diese Zuschüsse notifizieren.

Zeit fehlt für vorzeitige Antrags-Bearbeitung

Fast zeitgleich zum Besuch von Dalbert in der Altmark kamen aus Brüssel die Meldungen, dass EU-Agrarkommissar Phil Hogan wegen der Dürre in einigen EU-Ländern eine vorzeitige Auszahlung der Direktzahlungen im Oktober erlaube. Doch auch hier hat Dalbert ihre Bedenken. Es dürfte für die Behörden schwer werden, in kurzer Zeit alle Anträge zu bearbeiten und die Cross-Compliance-Anträge abzuschließen. Sie begrüsst das Entgegenkommen von Hogan, will aber den Landwirten nichts versprechen, was später die Länder und ihre Behörden nicht leisten können.

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  1. Dr. Josef Bosch
    Erstellt 18. Juli 2018 21:17 | Permanent-Link

    Was wir derzeit erleben ist beispielhaft für eine verlogene Agrarpolitik Europas, die sich unter rot-grüner Länderregierungen noch verschärft. Die jahrelang propagierte Devise „Der Markt muss es richten“ straft sich derzeit selbst lügen. Auch unter Mithilfe der Medien wird seit Wochen die prekäre Erntesituation, die jeder einzelne Bauer seit Wochen kennt, völlig ignoriert bis bewußt wegmanipuliert. Die Preise aus politischen Gründen gezielt klein gehalten. Diese seit Jahrzehnten praktizierte Politik wird von der Politik, vor allem, wenn sie sich von der links-grünen Fraktion präsentiert, nicht in Frage gestellt, sondern stereotyp auf der Ebene der Beihilfen diskutiert. Anstelle sich um die völlige Ausschaltung der sozialen Marktwirtschaft zu sorgen, genießt und fördert die Politik einen Zustand, der die Bauern als abhängige Subventionsempfänger um mehr Mittel betteln lässt. Es ist eine Schande, diesem Treiben nicht nur zusehen zu müssen, sondern auch noch zu erleben, dass der Berufsstand selbst darauf eingeht. Ein Markt, der wirklich funktioniert, müsste seit Wochen massiv steigende Preise für wenigstens Getreide ausweisen - tut er aber nicht. Dort muss man endlich ansetzen. Europäische Landwirte und der örtliche Landhandel sind chancenlos dem Preisdiktat einer äußerst fragwürdigen CBoT ausgeliefert, die auf alles schnell reagieren mag, aber nicht auf die tatsächliche Versorguungslage vor Ort. Angesichts dieser systematischen Gewinnverhinderungspolitik auch noch von grünen Politikern zu lesen, die sich - wie großherzig - für eine Finanzhilfe für Landwirte einsetzen wollen, schlägt dem Fass den Boden aus. Eine Vertreterin einer Partei, die rücksichtslos die Landwirtschaft für Ihre Interessen instrumentalisiert und selbst mit ihren geforderten zusätzlichen Auflagen und Regularien im Sinne eines vermeintlichen Umweltschutzes vielen bäuerlichen Familienbetrieben den Todesstoß versetzt.
    Jedem selbstbewussten Landwirt sollten „direkte Einkommensbeihilfen“ ein Graus sein. Und bevor jetzt wieder so ein selbsternannter Politprofi hier das Statement abgibt: „ Kein Problem, die können wir umwidmen“ - oh nein meine Damen und Herren von welcher politischen Couleur auch immer: Euer verdammter Job wäre es, diese erniedrigenden Almosen überflüssig zu machen. Und wenn in dieser Frage eine Partei prinzipiell unbrauchbar ist, dann sind das die Grünen. Und um nicht ungerecht zu sein: Die anderen Parteien wären zwar „prinzipiell“ dazu befähigt, aber große Lust hierfür kann ich auch bei diesen nicht erkennen. Die Verlockung Wählerstimmen zu sammeln, indem man zu gegebener Zeit auf die böse Landwirtschaft als Umweltverschmutzer und Tierquäler einprügelt, verführt nicht nur grüne Politiker. Und wehren können sich die Bauern schon lange nicht mehr, hängen Sie doch am Tropf eben dieser Politiker - wie praktisch!

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