Frei lesbar: Weibliche Landwirtschaft

Wie der Weg zu mehr Chancengleichheit gelingen kann

Drei Viertel der Frauen in Landwirtschaft und -business glauben nicht an eine baldige Überwindung der bestehenden Unterschiede.
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Drei Viertel der Frauen in Landwirtschaft und -business glauben nicht an eine baldige Überwindung der bestehenden Unterschiede.

Es ist höchste Zeit, Barrieren für Frauen in der Landwirtschaft abzubauen – fordert Clara Serrano, europäische Marketingleiterin bei Corteva Agriscience, anlässlich des diesjährigen International Day of Rural Women.

Landwirte stehen vor der Herausforderung, ressourcenschonend zu wirtschaften und gleichzeitig dem Wunsch der Verbraucher nach mehr und qualitativ hochwertigeren Lebensmitteln nachzukommen. Daher ist es heute wichtiger denn je, die gesamte ländliche Arbeiterschaft zu mobilisieren – insbesondere Frauen.

Frauen in der Landwirtschaft spielen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. Doch eine umfangreiche Studie von Corteva Agriscience aus dem vergangenen Jahr zeigt: Sie werden noch häufig aufgrund ihres Geschlechtes diskriminiert. Das hindert sie daran, ihr Potenzial zu entfalten und zum Fortschritt beizutragen.

Außerdem zeigt unsere Studie, dass es nach wie vor ein deutliches Lohngefälle gibt: Fast drei Viertel der Frauen glaubt nicht an eine baldige Überwindung der bestehenden Unterschiede. Eine vollständige Gleichstellung von Frauen und Männern in der Landwirtschaft wird frühestens in 30 Jahren erwartet. Dass diese Frist zu lange ist, steht außer Frage. Wenn wir sicherstellen wollen, dass Lebensmittel in der Qualität sowie Quantität zur Verfügung stehen, wie sie für die wachsende Bevölkerung und den zunehmend anspruchsvollen Konsumenten erforderlich sind, dann muss dieser Wandel jetzt geschehen.

Heute, am 15. Oktober, nehme ich an einer Veranstaltung der Landwirtschaftsgewerkschaft Copa-Cogeca im Europäischen Parlament teil, um den International Day of Rural Women (IDRW) zu feiern. Dieser Tag ist ein guter Anlass, die bereits erzielten Fortschritte zu reflektieren und über neue Wege zu sprechen, wie die Branche die verbleibenden Herausforderungen angehen kann. Ich freue mich auf den Austausch zwischen Abgeordneten, Landwirten und anderen Interessengruppen. Er bietet die Chance, aktuelle Themen wie Berufsförderung für Frauen und die Gleichstellung in Agrarschulen zu diskutieren.

Der Bericht The professional status of rural women in the EU des Europäischen Parlaments zeigt auf, dass mehr Weiterbildung für Frauen in ländlichen Gebieten gefragt ist. Die Experten empfehlen zur Förderung individuelle Trainings mit Fokus auf Businessplänen, Führungskompetenzen und Buchhaltung. Und wenn Landwirtinnen mit den gesellschaftlichen Anforderungen an eine nachhaltigere Landwirtschaft Schritt halten wollen, müssen sie in der praktischen agronomischen Ausbildung mit den neuesten technologischen Lösungen gut vertraut sein. Genau an diesem Punkt setzen wir bei Corteva an: Mit dem Fachwissen und der Leidenschaft unserer Mitarbeiter möchten wir einen Beitrag leisten, um den Wandel zu fördern und die Ausbildung von Frauen in der Landwirtschaft zu verbessern.

Wir haben mit der polnischen Landwirtin Magdalena Węgiel gesprochen, die zu denjenigen gehört, die die Politiker dazu auffordert, sich für Frauen in der Landwirtschaft stark zu machen. Allen Widrigkeiten zum Trotz kämpfte Magdalena gemeinsam mit ihrer Tochter um den Kauf der Forellenzucht „Pstrąg Ojcowski“ in einem südpolnischen Nationalpark, nachdem die Teiche, in denen die Fische traditionell gezüchtet wurden, 2014 drohten aufgegeben zu werden.

„Die Europäische Union muss die Sichtbarkeit von Frauen in der Landwirtschaft erhöhen und dazu beitragen, dass die Frauen aktiver und selbstbewusster werden“, so Węgiel. „Das ist ein sehr wichtiges Thema, denn wenn die Frauen in der Landwirtschaft stark sind, dann ist es auch Europa.“

Für ihr Engagement, die Forellenzucht in ihrer Region wieder zu etablieren, gewann Magdalena einen der renommierten Innovationspreise der Copa-Cogeca für Frauen in der Landwirtschaft 2018. Außerdem hat sie sich zum Ziel gesetzt, über nachhaltige und sozialverträgliche Anbaumethoden, ihre Heimat und kulinarische Traditionen aufzuklären sowie anderen Frauen in ihrem Dorf dabei zu helfen, ihre beruflichen Ziele zu erreichen.
 
Cortevas erklärtes Ziel ist es, sowohl das Leben der Produzenten als auch das der Konsumenten zu bereichern und den Fortschritt auch für nachfolgende Generationen zu sichern. Daher werden wir bei Corteva aktiv: Durch Forschung, eigene Initiativen sowie Partnerschaften mit Regierungen, NGOs und anderen Organisationen treiben wir die Prozesse konkret voran und helfen Frauen sich neben Männern in der Landwirtschaft zu beweisen.

TalentA ist eine solche Initiative, eine Kooperation zwischen Corteva Spanien und der Federation of Rural Women Associations in Spanien (FADEMUR). Die Idee: Wir sprechen gezielt Unternehmerinnen aus ländlichen Regionen an, die in der Landwirtschaft oder dem Ernährungssektor tätig sind. In einem Wettbewerb rufen wir sie auf, innovative Geschäftsideen einzureichen. Eine Jury aus Landwirtschaftsexperten prämiert einen Hauptgewinner, der finanzielle Unterstützung erhält. Die beiden Zweit- und Drittplatzierten unterstützen wir mit umfangreichen Ausbildungsmöglichkeiten.

Es ist wichtiger denn je, sich der Herausforderungen bewusst zu werden und Hindernisse zu beseitigen, die Frauen daran hindern, ihr volles Potential auszuschöpfen. In der Stärkung von Landwirtinnen und dem Nachwuchs der Branche könnte der Schlüssel zur Wiederbelebung ländlicher Gegenden liegen. Gleichzeitig ließe sich dadurch der steigende Bedarf an Lebensmitteln abdecken. Gelingt es uns wiederum nicht, die Herausforderungen von Frauen in der Landwirtschaft zu bewältigen, werden wir das merklich zu spüren bekommen. Denn die Folgen betreffen auch diejenigen, die auf sie angewiesen sind: Familien, Kommunen und natürlich wir alle, die wir uns von ihren Erträgen ernähren.

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