Wilke

"Killerwurst" im Landtag und vor Gericht


Die Opposition im Landtag hat nicht vor, die hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) in der Anhörung zum Wilke-Skandal vom Haken zu lassen.
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Die Opposition im Landtag hat nicht vor, die hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) in der Anhörung zum Wilke-Skandal vom Haken zu lassen.

Die hessische Verbraucherschutzministerin muss sich für mangelhafte Kontrollen im Wilke-Wurst-Skandal rechtfertigen. Unterdessen ist der Insolvenzverwalter mit einem Eilantrag gegen die Betriebsschließung gescheitert.

Für die hessische Verbaucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) geht es heute im Landtag um die Wurst. Die Oppositionsfraktionen wollen die Ministerin wegen des eklatanten Kontrollversagens im Listerienskandal des nordhessischen Wurstherstellers Wilke in die Mangel nehmen. Die Frage ist, wer die politische und behördliche Verantwortung für die mindestens drei Todesfälle übernimmt. Hinz ist der Meinung, dass die Kreisverwaltung Waldeck-Frankenberg zuständig ist. 

Am Freitag hat das Robert Koch-Institut (RKI) den nunmehr dritten Todesfall mit der verseuchten Wurst von Wilke in Verbindung gebracht. Gleichzeitig sollen insgesamt mindestens 37 Erkrankungsfälle aus den Jahren 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019 demselben Listeriose-Ausbruch zuzuordnen sein. Der Betrieb wurde vom zuständigen Landratsamt Waldeck-Frankenberg geschlossen und die Firma hat Insolvenz angemeldet.

Spekulation auf Schadensersatz

Doch gegen die Schließung des Betriebs hatte der für Wilke bestellte Insolvenzverwalter, Dr. Mario Nawroth, am vergangenen Donnerstag einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht (VG) Kassel (Aktenzeichen: 5 L 2504/19.KS) gestellt. Dieser wurde jedoch zurückgewiesen. Zur Begründung zitieren die Richter aus einem Bericht der Hygiene-Prüfer: „Der Raum war gefüllt mit völlig vergammelter Ware, Schimmel, Fäulnis, Gestank… am Boden war eine stinkende Flüssigkeit.“ Dem hessischen Rundfunk berichteten rumänische Leiharbeiter, dass vergammeltes Fleisch mit frischem Fleisch vermischt und zu Wurst verarbeitet worden sei. 

Auch wenn der Insolvenzverwalter gegen die Ablehung des Eilantrags vom Verwaltungsgericht Kassel eine Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht hat, so ist dennoch unwahrscheinlich, dass bei Wilke jemals wieder Wurst produziert wird. Tatsächlich ging es dem Insolvenzverwalter bei dem Eilantrag gegen die Schließung einzig und allein um die Wahrung der Chance auf Schadensersatz. Blaupause könnte hier der Fall des süddeutschen Großmetzgers Sieber sein, der nach einem Listerien-Skandal im Jahr 2016 Insolvenz anmeldete. Sieber-Insolvenzverwalter Josef Hingerl hält die Betriebsschließung für rechtswidrig und hat den Freistaat Anfang 2018 auf zwölf Mio. Euro verklagt.

Gefahr ist noch nicht gebannt

Priska Hinz hatte am vergangenen Freitag zwar verlautbaren lassen, dass nun keine Wilke-Produkte mehr im Umlauf seien. Doch daran äußert der Rechtsexperte Alfred Meyer im Gespräch mit der „Lebensmittel Zeitung“ grundlegende Zweifel. Die Lieferkette von Wilke sei so komplex, dass bei verarbeiteten Produkten andere Unternehmen noch nichts von ihrer Betroffenheit wüssten. Auch Berlin hat nun auf den Skandal reagiert: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) forderte die Länder dazu auf, mehr Geld in die infrastrukturelle und personelle Ausstattung der Lebensmittelkontrolle zu investieren.

1 Kommentar

  1. Schaefer
    Erstellt 16. Oktober 2019 10:57 | Permanent-Link

    Unglaublich, dass sich die Behörden permanent weigern, Händlerlisten herauszugeben.
    Na, mittlw ist das eh nicht mehr von Belang.
    Deutsche Gründlichkeit"" eben.
    N 5,- euro Knöllchen verfolgt einen hingegen von Garmisch nach Flensburg.

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