Wolf

„Wir müssen in Koexistenz leben“


Der Wolf wohnt jetzt hier. Befürworter und Gegner sollten sich mit den Konsequenzen daraus abfinden, findet der Minster.
Bild: Pixabay / christels
Der Wolf wohnt jetzt hier. Befürworter und Gegner sollten sich mit den Konsequenzen daraus abfinden, findet der Minster.

Der Agrar- und Umweltminister Schleswig-Holsteins ruft dazu auf, sich mit dem Raubtier zu arrangieren. Die Rudel zieht es laut Forschern dagegen eher auf Truppenübungsplätze.

Jan Philipp Albrecht, der Umweltminister Schleswig-Holsteins, betonte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ausdrücklich den Schutzstatus des Wolfes in Deutschland. Die Gesellschaft habe die Entscheidung getroffen, den Wolf unter Schutz zu stellen, damit die Liste der ausgestorbenen Tiere nicht noch länger werde. „Die Regel muss sein, dass wir mit den Wölfen, die wir haben und die noch kommen werden, in Koexistenz leben.“ Man täte gut daran, den Artenschutz nicht daran festzumachen, wie anstrengend ein Tier sei.

Für die dadurch entstehenden Probleme wie bei der Weidetierhaltung müssten Lösungen gefunden werden. Er nehme die Ängste von Nutztierhaltern und Eltern auf dem Land ernst. „Genauso muss aber auch ernst genommen werden, dass wir nur Schritte gehen können, die auch dazu geeignet sind, eine Koexistenz zu ermöglichen. Das will eine große Mehrheit der Gesellschaft,“ sagte Albrecht. Die Kritiker des Wolfes müssen sich damit abfinden, dass das Raubtier jetzt zu unserer Kulturlandschaft gehört, ebenso wie die Fürsprecher, dass ein Problemwolf eben entnommen werden muss, so der Minister. Er rief dazu auf, nicht überzureagieren. Die Politik müsse zwar Emotionen ernst nehmen, dürfe sich jedoch nicht davon leiten lassen.
„Wir tun gut daran, den Artenschutz nicht daran festzumachen, wie anstrengend ein Tier ist.“
Jan Philipp Albrecht, 

Die Debatte wird von beiden Seiten sehr emotional geführt. In Schleswig-Holstein wurde vor kurzem der auffällige Wolf GW924m zum Abschuss frei gegeben. Das Land hatte Schwierigkeiten, Jäger für die Entnahme zu finden, weil sie befürchteten, an den Pranger gestellt zu werden.

Dabei sind Jäger nicht immer so zurückhaltend, wie Wissenschaftler des Lupus Instituts für Wolfsmonitoring laut einem Bericht des Spiegels vor kurzem herausfanden. Auf 13 von 21 deutschen Truppenübungsplätzen leben Wölfe – aber nur in 8 von 55 vergleichbar großen Naturschutzgebieten. Die Wissenschaftler suchten nach dem Grund der besonderen Vorliebe der Raubtiere für Gelände der Bundeswehr. Fündig wurden sie im Jagdverhalten einzelner Jäger, die sich nicht an das Jagdverbot halten. Zwischen 2000 und 2015 kam es in Naturschutzgebieten immer mal wieder zu illegalen Tötungen. Auf den Truppenübungsplätzen ist die Jagd jedoch anders organisiert. Dort wurden Wölfe nie bejagt. Und so bleibt der Wolf lieber bei der Bundeswehr.

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