Women in Agribusiness

"Klappern gehört zum Handwerk"


Frauen aus verschiedenen Bereichen der Branche kamen zum 4. WIA-Treffen nach Hannover.
Foto: WIA
Frauen aus verschiedenen Bereichen der Branche kamen zum 4. WIA-Treffen nach Hannover.

Auf dem Treffen des Netzwerks "Women in Agribusiness" diese Woche hat Agravis-Vorstand Maria-Johanna Schaecher den Teilnehmerinnen Einblick in ihr Erfolgsrezept gegeben. Außerdem berichtete sie über wichtige Momente in ihrem Berufsleben und ihre Pläne für die Hauptgenossenschaft.

Die Frauenquote in Vorständen deutscher, börsennotierter Unternehmen beträgt gerade einmal acht Prozent. Entgegen diesen gesamtgesellschaftlichen Trend hat es Maria-Johanna Schaecher als erste Frau in den Vorstand der Agravis Raiffeisen AG geschafft. Auf dem 4. Treffen des Netzwerks für Frauen in der Agrarbranche, „Women in Agribusiness“ (WIA), am Dienstag in Hannover gab Schaecher den 25 Teilnehmerinnen Einblicke in wichtige Momente ihres Karrierewegs. Außerdem gab sie den Händlerinnen, Beraterinnen und Bankerinnen Tipps dazu, wie sie sich im Berufsleben durchsetzen können.

Women in Agribusiness
„Women in Agribusiness“, kurz WIA, ist ein Netzwerk von Frauen, die in der Agrarwirtschaft tätig sind. Ins Leben gerufen hat es die Bankerin Hella Otten von der Norddeutschen Landesbank im Herbst 2017. Ziel von WIA ist es, Frauen in jeder Lebens- und beruflichen Lage einen geschlossenen Raum zum Austausch zu bieten. Bisher haben sich Frauen verschiedener Altersgruppen aus unterschiedlichen Bereichen der Agrarwirtschaft dem WIA-Netzwerk angeschlossen. Beim WIA-Treffen am 12. Februar 2019 stand die agrarzeitung (az) als Veranstalterin Pate.
Ein Tipp von Maria-Johanna Schaecher für Frauen im Berufsleben lautet, authentisch zu sein, und sich nicht zu „verbiegen“, um besser gewissen Gepflogenheiten in der doch noch recht männlich geprägten Arbeitswelt zu entsprechen. „Als ich in die Geschäftsführungsriegen aufgestiegen bin, habe ich nach Vorstandssitzungen oder ähnlichen Veranstaltungen die Erfahrung gemacht, dass meine männlichen Kollegen im Umgang mit mir unsicher waren. Für sie war es Gang und Gäbe, nach wichtigen Terminen oder Tagungen den Abend an der Bar zu beenden. Es war ihnen deutlich anzumerken, dass sie befürchteten, ich könne ihr Ritual stören“, sagte Schaecher in dem Talk auf dem WIA-Treffen, den Dr. Angela Werner (Chefredakteurin) und Stefanie Pionke (Leitende Redakteurin der agrarzeitung) moderiert hatten. In solchen Situationen habe sie den Kollegen einfach ganz offen kommuniziert, dass sie sich noch für den ersten Drink dazugesellen würde – und dann ohnehin lieber den Abend ruhig ausklingen lassen wollte, so Schaecher weiter.

Auch riet die Agravis-Topmanagerin den WIA-Teilnehmerinnen dazu, ihren Vorgesetzten ihre Leistungen und Wünsche nach beruflicher Weiterentwicklung klar zu kommunizieren. Männer würden dies regelmäßig tun, Frauen fiele das häufig schwer. „Klappern gehört zum Handwerk“, rät Schaecher, oder konkreter: „Man, beziehungsweise frau, wird nicht „entdeckt“, sondern muss über den eigenen Schatten springen und ihre Leistung darstellen.“

Maria-Johanna Schaecher ist seit 2018 Vorstandsmitglied der Agravis Raiffeisen AG.
Foto: Agravis
Maria-Johanna Schaecher ist seit 2018 Vorstandsmitglied der Agravis Raiffeisen AG.
Zur Person: Maria-Johanna Schaecher

Zum 1. Januar 2018 wurde Maria-Johanna Schaecher (52) in den Vorstand der Agravis Raiffeisen AG berufen. Agravis holte Schaecher an Bord, da die Managerin in internationalen und nationalen Führungspositionen in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen die Fähigkeit unter Beweis stellte, dass sie Unternehmen weiterentwickeln sowie profitabler und umsatzstärker aufstellen kann. Die Diplom-Psychologin und Diplom-Kauffrau war unter anderem bei Bosch in Tokio und bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group tätig, bevor sie zur Molkerei-Genossenschaft Friesland Campina wechselte. Dort war sie mehrere Jahre beschäftigt, unter anderem auf der Position der Finanz- und Vertriebsgeschäftsführerin. Es folgten weitere Führungsaufgaben, beispielsweise bei Johnson & Johnson Medical sowie bei dem Spezialisten für Food Ingredients, Raps, wo Schaecher das Ruder als CEO übernahm.

Schaecher selbst hatte in ihrem Berufsleben häufig die Aufgabe, Prozesse zu optimieren. Bei der Molkerei Friesland Campina ist sie quasi als Saniererin aufgetreten, hat Anfang der 2000er Jahre vier von damals acht Werken in Deutschland geschlossen und einen Abbau von mehreren hundert Stellen mitentschieden. „Das war natürlich emotional schwierig, aber ich war davon überzeugt, dass dies für das Unternehmen der richtige Weg war, und habe diesen Kurs daher auch durchgezogen“, erläuterte sie weiter auf dem WIA-Treffen in Hannover.  Ob es Frauen in solch einer Situation schwerer fällt, Härte zu zeigen, als Männern? Schaecher bezweifelt dies: „Das ist für Männer und Frauen gleichermaßen schwierig, weil man es ja mit individuellen Schicksalen zu tun hat, mit Menschen, die ihren Job verlieren.“ Ihr sei daher wichtig gewesen, den Mitarbeitern die Pläne klar zu kommunizieren, und ihnen Hilfestellungen beim Outplacement, also beim Finden eines neuen Arbeitgebers, zu geben.

Im Vorstand der Agravis verantwortet hat Maria-Johanna Schaecher seit 2018 den Agrarhandel, die Agrarniederlassungen im Westen und Norden, die Bereiche Futtermittel, Energie, Tiermedizin sowie Logistik/Supply Chain, IT und Digitalisierung. Bei der Hauptgenossenschaft in Münster und Hannover hat sie sich noch einiges vorgenommen: „Wir wollen gemäß unserer Hanse-Strategie Konsolidierungsführer im deutschen Agrarhandel werden“, sagte Schaecher. Und in Süddeutschland seien weitere Expansionsschritte  in der Planung. Agravis wolle und werde durch und mit der Hanse-Strategie weiter wachsen und sich im Markt behaupten, zeigte sich Schaecher überzeugt.

Mehr lesen Sie im az-Interview mit Maria-Johanna Schaecher in der gedruckten Ausgabe der agarzeitung (az) am 15. Februar.

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