World Food Convention

Was die Welt ernährt


Bayer-Vorstand Liam Condon erinnert mit dem Foto einer Statue in Dublin an die Hungerkatastrophe in seiner irischen Heimat.
Bild: jst
Bayer-Vorstand Liam Condon erinnert mit dem Foto einer Statue in Dublin an die Hungerkatastrophe in seiner irischen Heimat.

Die "World Food Convention" widmete sich mit hochkarätig besetzter Bühne der weltweiten Ernährungspolitik. Der technische Fortschritt soll die Probleme lösen.

Vor gut 150 Jahren sind fast eine Million Menschen auf der irischen Insel verhungert. Grund dafür war eine Reihe von Kartoffel-Missernten, der damaligen Lebensgrundlage der Iren. Zahllose Bewohner flohen deshalb von der Insel, meist nach Amerika. Ursache für die Ernteausfälle war die Infektion der Pflanzen mit dem Pilz Phytophtera infestans. Mit diesem Hinweis verdeutlichte Liam Condon, selbst Ire und Vorstandsmitglied der Bayer AG, die Notwendigkeit des weltweiten Pflanzenschutzes.

Auf der vom Tagesspiegel organisierten "World Food Convention" (WFC) skizzierte Condon die Herausforderungen für die landwirtschaftliche Erzeugung der Zukunft. "Für gesunde Menschen brauchen wir einen gesunden Planeten", argumentiert er für die ressourceneffiziente Nutzung von Land, Wasser und Nährstoffen. Dazu gehörten auch die züchterische Arbeit an Pflanzen sowie der minimierte, dabei aber gezielte Einsatz effektiver Pflanzenschutzmittel.

Heute werde die Landwirtschaft beim Klimawandel "als Teil des Problems" verstanden, so Condon. Doch über Innovationen in technischer, ökonomischer wie auch sozialer Hinsicht könne das Ziel einer Kohlenstoff-neutralen Produktionsweise erreicht werden. Als weitere Ziele nannte er den Erhalt und Aufbau der Biodiversität und die Verbesserung der Kreisläufe von Stickstoff und Phosphor. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung sei klar, dass diese Ziele nur über mehr Effizienz in der Produktion zu erreichen seien. Daran arbeite sein Unternehmen in Forschung und Entwicklung.

Steigende Unterernährung seit 2016

Prominenter Gast der WFC war auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner. Sie widmete sich in ihrer Rede dem Kampf gegen den Hunger auf der Welt. In den vergangenen Jahren seien Erfolge erzielt worden, so die Politikerin. Doch seit dem Jahr 2016 steige die Zahl der unterernährten Menschen wieder an. Mehr als 800 Mio. Menschen und damit etwa 10 Prozent der Weltbevölkerung seien davon betroffen. Das Problem werde sich weiter verschärfen.

Klöckner verwies auf die Prognose der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für das Agrarjahr 2018/2019. Danach würden weltweit mehr als 30 Mio. t Getreide mehr verbraucht als geerntet. Noch gebe es ausreichende Vorräte. Bedrohlich seien aber der Klimawandel, knappe Wasserressourcen, Bodendegradation und der Verlust an biologischer Vielfalt bei gleichzeitig steigender Weltbevölkerung. In den vergangenen 50 Jahren habe sich die Weltbevölkerung auf heute gut 7,5 Milliarden Menschen verdoppelt. Im gleichen Zeitraum hätten sich die landwirtschaftlichen Erträge sogar verdreifacht. Dies sei zu einem großen Teil technologischen und organisatorischen Innovationen zu verdanken, sagte Klöckner.

Dieser Weg müsse konsequent und mit Optimismus fortgesetzt werden. Dabei biete die Digitalisierung in der Landwirtschaft große Chancen. Als vielversprechend bezeichnete sie die auf der Konferenz von Agrarministern aus 74 Ländern im Januar 2019 in Berlin unterzeichnete Schaffung eines "Internationalen Digitalrats für Landwirtschaft und Ernährung". Schwerpunkt der Arbeit sei Afrika.

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