WVZ

Zweifel an Strafsteuern auf Zucker


Eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke, wie sie jüngst in Großbritannien eingeführt wurde, hilft nach Ansicht der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) im Kampf gegen Übergewicht nicht weiter. Vielmehr müsse das Gesamtpaket aus Ernährung, Genuss und Bewegung in den Blick genommen werden. 

Eine solche Abgabe sei sogar kontraproduktiv, weil damit der Fokus ausschließlich auf einen Nährstoff gelegt werde, erklärte die WVZ. Beim Körpergewicht zähle allerdings nur die Energiebilanz; woher die Energie komme, spiele dabei keine Rolle.

Steuer auf Zucker in Großbritannien
Die Briten ernähren sich zu süß, berichtete der Deutschlandfunk in der vergangenen Woche. Fast ein Drittel der Kinder zwischen zwei und 15 seien übergewichtig, habe die Regierung festgestellt, sogar mehr als die Hälfte sei es bei den Erwachsenen. Deshalb rückt die Regierung dem Hang zum Zucker jetzt mit einer Zuckersteuer für Soft-Drinks zu Leibe. Fünf Gramm Zucker in 100 Millilitern Getränk kosten künftig 18 Pence Steuer, bei mehr als acht Gramm sind es sogar 24 Pence. 

Der Verband wies darauf hin, dass die Verbraucher schon jetzt zwischen zuckerhaltigen, zuckerreduzierten und zuckerfreien Getränken oder solchen mit anderen Süßstoffen wählen könnten. Auch gäben Erfahrungen aus dem Ausland keine Hinweise darauf, dass eine Strafsteuer auf Zucker zu weniger Übergewicht führe.

Die Fokussierung auf Zucker in festen Lebensmitteln sei sogar häufig kontraproduktiv, weil er dort nicht nur wegen seiner Süße zum Einsatz komme, sondern das Volumen und die Textur von Lebensmitteln beeinflusse und deren Haltbarkeit verlängere, so die WVZ. Wenn der Zuckergehalt verringert werde, müssten andere Stoffe eingesetzt werden, die in der Regel genauso viele oder sogar mehr Kalorien enthielten.

Eine Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) zeige, dass 69,3 Prozent der Konsumenten beim Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ fälschlicherweise davon ausgingen, dass das Produkt weniger Kalorien enthalte. WVZ-Hauptgeschäftsführer Günter Tissen forderte deshalb, beim Kampf gegen Übergewicht „das Gesamtpaket aus Ernährung, Genuss und Bewegung“ in den Blick zu nehmen.

 

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