Zuckermarkt

Nordzucker erwartet schwierige Zeiten

Der Braunschweiger Konzern will wachsen. Erste Priorität hat zwar der europäische Markt, ader der Blick geht auch über den Teich.

Rohrzuckerfabriken in Brasilien rücken ins Visier der Nordzucker AG. Ein erstes konkretes Kaufangebot scheiterte vor Kurzem am Preis, sagte CEO Hartwig Fuchs vor Journalisten in Hannover. Nun schaue er sich ein weiteres Werk an, dabei achte er besonders auf eine sichere Rohstoffversorgung. Viele Rohrzuckerplantagen werden wegen des niedrigen Zuckerpreises für Sojabohnen umgebrochen.

Generell stehen die Zeichen auf Wachstum, aber mit Priorität auf Europa. Die Braunschweiger sind schuldenfrei: „Wir wollen investieren“, erklärt Fuchs, der aus persönlichen Gründen Nordzucker Ende Februar 2018 verlässt.

Zuckerüberschuss in der EU

Nachfolger Lars Gorissen stellt sich auf eine schwierige Übergangsphase von 2018 bis 2020 ein. Im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 (März/Februar) rechnet er noch mit einem Gewinn leicht über dem Vorjahresniveau. Doch dann folgen vermutlich schwächere Ergebnisse. Mit der Ausdehnung der europäischen Rübenfläche beträgt der Überschuss in der EU 3 bis 4 Mio. t Zucker. Derzeit ist die EU neben Pakistan der billigste Anbieter von Weißzucker, sagt Fuchs. Die Nordzucker habe ihre Flächen nur moderat auf das Niveau von 2014/15 erhöht, müsse sich aber jetzt dem Preisdruck beugen.

Diese Entwicklung werde sich in den Rübenpreisen widerspiegeln. Künftig werden Landwirte ihren Rübenanbau deutlicher überdenken, ist sich Fuchs sicher. Der Anbau von Industrierüben oder Überrüben dürfte sich bei niedrigen Preisen kaum gegenüber anderen Kulturen lohnen. Bis 2019 hat Nordzucker bereits 50 Prozent der Rübenmengen durch mehrjährige Anbauverträge sicher. Die Frachtkosten werden übernommen.

Fuchs rechnet mit einer Marktbereinigung auf dem europäischen Zuckermarkt. Vor allem kleinere Unternehmen dürften es schwer haben,  bei sinkenden Erlösen mithalten zu können. Die Zahl der Zuckerunternehmen könnte auf unter zehn in der EU sinken. Fuchs vergleicht den Strukturwandel mit der Futtermittelbranche.

stats