Zukunftsdialog 2018

Halbierter Tierbestand soll Klima schützen

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In der Frage, wie die Landwirtschaft Klima und Ressourcen besser schützen kann, sind die Ansichten von Naturschützern und Wirtschaft naturgemäß sehr unterschiedlich. Interessanterweise wünscht sich auch der Vertreter einer Bundesforschungsanstalt mehr Mut von der Politik, statt ein Abschieben der Probleme auf Landwirte und Verbraucher.

Kurz vor der Ernte 2018 läuft die Wettermarkt-Diskussion buchstäblich und im übertragenen Sinne heiß. Spekulationen zur Höhe der Ertragsverluste bei Gerste, die früh geerntet wird, aber vereinzelt auch schon bei Weizen, sind an der Tagesordnung. Und draußen donnert und blitzt es, regional kübelt der Starkregen auf die Felder, doch überwiegend ist es heiß und trocken.

Starkregen: Aus Jahrhundertereignis wird Jahresereignis

Die Wetterdiskussion findet auch auf dem „5. Zukunftsdialog Agrar & Ernährung“ von agrarzeitung (az) und Die ZEIT am Dienstag in Berlin statt. Dort findet sie im Rahmen einer Podiumsdiskussion unter dem ungleich gewaltigeren Titel „Klimawandel“ statt. Gewaltige Worte findet denn auch Dr. Rainer Langner, Vorstandsvorsitzender Vereinigte Hagel, und einer der Diskutanten auf dem Podium: „Gewitter, Starkregen, Sturm, Starkfrost, Dürre: Wir haben in den letzten Jahren eine Unzahl an Schadensmeldungen.“ Oder: „100 Liter am Tag waren früher ein Jahrhundertereignis, heute ist das ein Jahresereignis. Daraus entwickelt sich eine Nachfrage.“ Will heißen: Das Geschäft mit Agrarversicherungen ist ein Wachstumsmarkt. Langner sieht zwar die Aufgabe, Landwirte für zunehmende Wetterereignisse zu sensibilisieren, aber nicht über praktische Beratung in Sachen Betriebsmittelreduzierung oder Fruchtfolgegestaltung: „Das ist nicht unsere Kernkompetenz“ so Langner. Gefragt sei die Politik, Landwirten bei Ernteversicherungen finanziell unter die Arme zu greifen.

Dr. Rainer Langner, Vorstandsvorsitzender Vereinigte Hagel, über Klimawandel und Wetterereignisse

Für Prof. Martin Banse von der Bundesforschungsanstalt Thünen-Institut, ist das hingegen sehr wohl eine Kernkompetenz. Sein Ansatz, um Umwelt und Klima besser zu schonen und nachhaltiger zu produzieren ist, die Agrarpolitik bei der Entwicklung von politischen und vereinzelt auch praktischen Lösungsansätzen mit unabhängiger Forschung unter die Arme zu greifen: „Ein wichtiger Schwerpunkt ist die effiziente Nutzung von Stickstoffdünger, auch von Gülle“, so Banse auf dem Podium. Ein Lösungsansatz: Precision Farming, also eine zielgerichtete Ausbringung von Dünger, gestützt durch digitale Tools. Auch die Frage nach den Tierzahlen muss man sich laut Banse stellen, also: „Welche Tierzahlen halten wir in Deutschland?“. Der Experte vom Thünen-Institut hält es für geboten, „Tierhaltungssysteme effizienter zu gestalten, um Emissionen zu mindern“. Aber gleichzeitig müsse die Tierhaltung „auch wettbewerbsfähig“ bleiben.

Mit Tierwohl-Label und Öko-Landbau gegen den Klimawandel

Für Silvia Bender, Teamleiterin Biodiversität beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND, hilft hier ein klarer Schnitt: Bis 2050 sollen die Nutztierbestände in Deutschland halbiert werden, fordert sie. „Wir wollen mehr Ökolandbau“, fügt sie hinzu. Und wie kann der Verbraucher durch sein Kauf- und Konsumverhalten die gewünschten Agrarstrukturen fördern? Er braucht Hilfe über ein „klares Labelling“, wie ein staatliches, verpflichtendes Tierwohl-Label nach dem Vorbild der Eierkennzeichnung.

Seitenhieb gegen Klöckner

Für Banse greift das zu kurz: „Die Politik muss mutiger werden“, findet er: „Wenn wir Klimaschutz als Staatsziel ansehen, dann muss die Politik mitziehen. Da sei es mit einem Labelling nicht getan. Wir haben dazu die staatlichen Voraussetzungen. Das kann man nicht an die Erzeuger und die Verbraucher delegieren“, findet Banse. Das kann als Seitenhieb nicht nur an BUND-Frau Bender, sondern auch an Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) verstanden werden. Die hatte ihre Keynote heute Vormittag auf dem Zukunftsdialog geschlossen mit der Bemerkung, dass am Ende des Tages der Verbraucher mit seinem Verhalten an der Ladenkasse entscheide, wie welche Lebensmittel produziert werden.


Und die Industrie? Dr. Rainer Preuss, Leiter Forschung und Entwicklung bei der BASF SE, sieht den Hebel bei optimierten Produkten. Zu Dünger hat er wenig überraschend eine positive Einstellung: "Die Verfügbarkeit von mineralischem Stickstoffdünger ist die Grundvoraussetzung für die Erträge, die wir heute liefern", betont Preuss. Die BASF forsche aber an Produkten, die über Inhibitoren Stickstoffemissionen begränzen.

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