Zukunftsdialog 2019

"Biodiversität ist drängendstes Problem"

Für den Wissenschaftsjournalisten Dirk Steffens ist der Verlust an Biodiversität von größerer Bedeutung als der Klimawandel.
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Für den Wissenschaftsjournalisten Dirk Steffens ist der Verlust an Biodiversität von größerer Bedeutung als der Klimawandel.

Auf verschiedenen Gebieten sind globale Belastungsgrenzen erreicht, meint der Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens. Dabei sei der Klimawandel nicht das größte Problem, sagte er heute auf dem Zukunftsdialog in Berlin.

"Der Klimawandel ist nicht unser größtes Problem", zeigt sich Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens überzeugt. Eine viel größere Bedrohung für die Welt sei der Verlust an Biodiversität. Derzeit erlebe die Welt das größte Artensterben seit den Dinosauriern, machte er deutlich. Nach aktuellen Berichten sei jede achte Art weltweit vom Aussterben bedroht. In ihrer Gesamtheit seien Umweltschäden die viel größeren Probleme als beispielsweise Kriege, Terror oder politische Entwicklungen.

In Deutschland sei der größte Treiber für Umweltprobleme die Landwirtschaft, sagte Steffens, der nach eigener Aussage selbst von einem landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb stammt. Sie trage in erheblichem Maße zum Artensterben bei. Dabei sei das Aussterben einer Art grundsätzlich kein Problem, jedoch gehe es gar nicht um eine Art, sondern vielmehr um den allmählichen Verlust von Systemen. Auch in der Wirtschaft habe die Insolvenz eines kleinen Betriebes außer für die unmittelbar Betroffenen keine größeren Auswirkungen, etwas anderes sei es wenn mehrere hundert oder tausend Unternehmen eine Pleite erleben, zog Steffens eine Parallele. Doch für die Landwirtschaft sei die Biodiversität ein existenzieller Faktor führte Steffens weiter aus.

Dass Klimawandel und Biodiversität nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften, betonte der Agrarwissenschaftler Prof. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum in der anschließenden Diskussion. Derzeit dominiere zwar der Klimawandel die öffentliche Debatte. Aber der heutige Verlust von Kulturräumen sei im Wesentlichen verantwortlich für den Rückgang der Artenvielfalt.

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 5. Juni 2019 11:09 | Permanent-Link

    Die wichtigste Gruppierung vergisst man vorstehend wieder einmal mit ins Boot zu nehmen: Jene Vielzahl von Flächeneigentümern nämlich schlechthin, die in einer maßgeblichen Deutungshoheit und damit einer entsprechenden Mitverantwortung stehen.

    Nicht der einzelne Bewirtschafter gestaltet dieses Sendebewusstsein an vorderster Front, sondern der jeweilige Eigentümer selbst tut das. Letzteren maßgebliches Interesse besteht ausschließlich darin, selbst die höchstmögliche monetäre Wertschöpfung vornehmen zu können; und nichts anderes.

    Geradezu mit „leuchtendem Beispiel“ voran schreiten hier unsere kirchlichen Großgrundbesitzer, wenn es bei einer Pachtneuvergabe um das Optimieren des Flächenentgelts nicht selten in sehr leidenschaftlich geführter Diskussion schnell zur Sache geht. Fernab von der Kirchenkanzel werden dabei die entsprechenden Prioritäten selbstverständlich gesetzt. Parallelen dazu lassen sich auch im Verhalten bei unseren öffentlichen Flächeneigentümern ziehen; angefangen bei den Kommunen bis hin zum Bund.

    ...Das eigene Gewissen erleichtert man sich dann flugs beim „Bienenschutz-Volksbegehren“ nach und nach in den einzelnen Bundesländern. Die drängende Problematik der Biodiversität ist mit nur einem Kreuzchen von jedem einzelnen Bürger damit in Sekundenschnelle abgearbeitet; und Schuld, ja, in schuldhafter Pflichtverletzung übt sich ohnedies fortwährend nur das kleine tumbe Bäuerlein.

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