Landwirtschaftliche Praktiker wie Dr. Thomas und Jana Gäbert (Mitte) diskutierten engagiert mit Ingrid Apel vom Umweltbundesamt (UBA) sowie Vertretern aus Industrie, Pflanzenzucht und Lebensmitteleinzelhandel.
Foto: jst
Landwirtschaftliche Praktiker wie Dr. Thomas und Jana Gäbert (Mitte) diskutierten engagiert mit Ingrid Apel vom Umweltbundesamt (UBA) sowie Vertretern aus Industrie, Pflanzenzucht und Lebensmitteleinzelhandel.

Diskussionen um die Biodiversität haben den Vortag des Zukunftsdialoges Agrar & Ernährung 2019 bestimmt. Bei der komplexen Problematik benötigt die Landwirtschaft Unterstützung von öffentlicher Seite, der Industrie und vom Lebensmittelhandel, so der Konsens.

Die Biodiversität in der Natur sowie die Suche nach Ansätzen, sie zu verbessern, bestimmten die Diskusionen in Workshops am Vortag des diesjährigen Zukunftsdialogs Agrar & Ernährung 2019 von agrarzeitung (az) und DIE ZEIT in Berlin. In verschiedenen Arbeitsgruppen diskutierten Vertreter aus Landwirtschaft, Pflanzenschutzindustrie, Behörden, dem Lebensmitteleinzelhandel sowie Nicht-Regierungsorganisationen am Montag über die Herausforderung des Artenschutzes.

Verschiedene Maßnahmen zu dessen Förderung wie die Anlage von Blühstreifen würden bereits positive Effekte zeigen, hieß es übereinstimmend. Als äußerst sinnvoll zum Schutz der Biodiversität habe sich dabei die Verwendung konsequenter Monitoring-Programme erwiesen. Derartige Programme werden bereits seit längerer Zeit von Unternehmen der Pflanzenschutzindustrie gefördert und umgesetzt. Doch weitere auch durch die öffentliche Hand unterstützte Maßnahmen wie die Anlage von zusätzlichen Ausgleichsfächen und damit verbunden eine finanzielle Unterstützung von Landwirten für eine "Dienstleistung für Biodiversität" könnten weitere Impulse bringen.

Erweiterte Fruchtfolgen zeigen Wirkung

Auch pflanzenbauliche Maßnahmen wie veränderte und erweiterte Fruchtfolgen sowie der Anbau bisher vernachlässigte Pflanzenarten könnten unterstützend wirken. Dafür müssten jedoch existierende Wissensdefizite erkannt und für die Praxis übertragbare Konzepte erarbeitet werden, lautete eine Erkenntnis bei den Workshops. Hierbei sahen die Arbeitsgruppen Handlungsbedarf sowohl auf der Seite der Industrie als auch der Behörden.

Biodiversitäts-Siegel in der Diskussion

Auch ein neues Biodiversitäts-Siegel könnte zu mehr Transparenz in den der Landwirtschaft nachgelagerten Stufen beitragen, lautete ein Ergebnis. Angesichts der Vielzahl bereits existierender Label könnte die Wirkung allerdings begrenzt sein. Darüber hinaus könnten sich auch Verbraucher in ihrer unmittelbaren Umgebung an einer Verbesserung der Biodiversität beteiligen. Gerade im Bereich  Haus- und Ziergärten bestehe ein erhebliches Potenzial für ein Plus an Artenvielfalt und -schutz. Beispiele dafür biete die Aktion "Gärten des Grauens" des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Dabei sind Bürger aufgefordert, Bilder besonders trostloser Steingärten an den NABU zu schicken. Diese Bilder veröffentlichen die Naturschützer online und geben Tipps, wie man durch das Pflanzen von Blumen und Sträuchern stattdessen Insekten einen Lebensraum im heimischen Garten bieten kann.

Politiker vermeiden Positionierung in Sachen Umweltschutz

Der Politik stellten die Arbeitsgruppen ein schlechtes Zeugnis aus. Die Politiker handelten gar nicht oder viel zu wenig, lautete die Kritik. Viele vermissten eine klare Positionierung in puncto Umwelt- und Naturschutz. Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU würden gerade einmal 5 Euro pro Hektar für Naturschutz ausgegeben, bemängelten vor allem Naturschützer. Das sei zu wenig. Die Bereitschaft der Landwirte, mehr für den Naturschutz zu tun, sei da und müsse nur verstärkt gefördert werden, zum Beispiel über die Umweltprogramme in der 2. Säule in der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats