Zukunftsdialog 2019

KI ist ohne den Menschen dumm


Die Digitalisierung kann dabei helfen, eine nachhaltigere Landwirtschaft nach vorne zu bringen. Doch die Weichen stellen Menschen, nicht Maschinen.

Technische Innovationen wie die Digitalisierung dürfen in der Landwirtschaft kein Selbstzweck sein. Diese Einschätzung teilten Prof. Cornelia Weltzien, Leiterin des Instituts Technik im Pflanzenbau am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam, und Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleitung Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland. „Als Verbraucher, Politiker und Wirtschaftsvertreter müssen wir uns fragen, welche Landwirtschaft wir künftig haben wollen“, betonte Krüger auf dem Zukunftsdialog Agrar & Ernährung von agrarzeitung (az) und DIE ZEIT am Dienstag in den Bolle Festsälen in Berlin. Weltzien wies ihrerseits darauf hin, dass Agrarwirtschaft und Politik nicht darauf warten dürften, dass „die Digitalisierung ihre Probleme löst.“ Denn: „Künstliche Intelligenz ist ziemlich dumm: Wir müssen ihr die Richtung weisen, sonst weiß sie nicht, wo sie hingehen soll.“

Derweil schreitet die Digitalisierung in der Landwirtschaft voran. Im Stall sind bereits Roboter im Einsatz, etwa beim Melken. Auf dem Feld rechnet Weltzien damit, dass Roboter in den kommenden zehn Jahren im Einsatz sein werden. Dabei spreche zunächst viel für Schwärme kleiner Roboter, die etwa die Maisaussaat übernehmen. Ein Beispiel für solch eine Technik liefert der Roboter Xaver von Fendt.

Kleine Roboter sind günstiger als große Drescher

„Schwärme von Robotern sind extrem flexibel“, sagte Weltzien. Ein Betriebsleiter könne einprogrammieren, wo sie arbeiten sollen – und wo nicht. „Ich kann Bereiche abgrenzen, wo die Böden schlecht sind und keine hohen Erträge liefern. Ich kann Flächen im Feld einfach stehen lassen mit meinem Schwarm. Das kann ich mit einem Drescher nicht“, so Weltzien. Außerdem seien kleine Roboter auch eine günstigere Alternative für kleinere Betriebe als große Maschinen wie Drescher.

Um die Feldbewirtschaftung nachhaltiger zu gestalten, müsse man nicht auf die Digitalisierung warten, betonte Stefan Kiefer, Leiter Produktmanagement bei Amazonen-Werke in Hasbergen-Gaste. „Sämaschinen, die zwei bis drei Saatgüter gleichzeitig ausbringen können, haben wir bereits heute im Angebot, weil die Anforderungen der Landwirte international unterschiedlich sind“, so Kiefer. Auch arbeiteten Öko-Landwirte bereits mit Mischkulturen: „Das ist heute schon landtechnisch möglich“.

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 5. Juni 2019 10:43 | Permanent-Link

    Ein Komplettversagen der KI ist derzeit im Besonderen bei der Trennung des Mischkulturenanbaus zu verorten. Gerade in der Zusammensetzung der jeweiligen Mischkulturenpartner kann man hervorragend eine Anpassung an die unterschiedlichen Bodenarten und ebenda sämtliche klimatischen Bedingungen vornehmen. Wie aber soll die KI hier Lösungsmodelle parat halten, wenn die menschliche Intelligenz sich einer solchen Thematik komplett verschließt, hier dato ein Mangel an grundlegender Bereitschaft bis hin zum Totalversagen zu attestieren ist.

    Politik, Wissenschaft und in erster Linie gerade der Agrarindustrie fehlt jedweder geistige Zugang zu solchen vielseitigen Lösungsmodellen. Ein gigantisches Potential liegt hierin ungenutzt mithin verborgen, um den mannigfaltigen Herausforderungen in einer zukunftsfähigen LW begegnen zu können; nicht nur im Öko-Landbau, auch konventionelle Bauern haben damit bereits positive Erfahrungen gesammelt, die so allerdings niemand interessieren. Eine extreme Borniertheit wäre zunächst erst einmal aus dem Weg zu räumen, um diese starre Haltung unserer bäuerlichen Partner aufzuweichen und damit einer nachgelagerten Wertschöpfung schlussendlich den Weg überhaupt ebnen zu können.

    Die heutige KI fußt zwischenzeitlich auf der wievielten Generation von Hochleistungsrechnern, die mit einer unvorstellbaren Datenleistung alles Dagewesene in den Schatten zu stellen wissen?

    Bis heute können solche Rechnersysteme allerdings noch keine Gewitterzellen frühzeitig voraussagen - von der Entstehung über deren gesamten Verlauf. Selbst abertausende von Datenaufzeichnungen aus der Vergangenheit mit einer detaillierten Auswertung im Nachgang verhelfen noch immer zu keinen revolutionär zuverlässigen Wetterprognosen in die Zukunft.

    Wir Bauern fahren auf den Acker und müssen tagtäglich gezwungenermaßen situationsangepasst unsere Entscheidungen treffen, von vorstehenden Erwartungen enttäuscht, zumeist einsam auf weiter Flur. Verbale Klugscheißerei verordnet man uns zuhauf -im Nachgang- wir fungieren dabei allseits als Prügelknaben der Nation, greifbar nachhaltige Verbesserungen auf der Fläche hat uns das allerdings noch kaum gebracht.

    Für eine friedliche Koexistenz der Menschheit untereinander ist der Status quo wohl aber auch der weitaus bessere. Wer künftig die Wetterprognosen beherrschen wird, herrscht möglicherweise über die ganze Welt mit allen daraus resultierenden äußerst gefährlichen Konsequenzen. Ob das wünschenswert ist? - Aktuell pfuschen unsere geistigen Größen dem Herrgott jedenfalls nicht ins Handwerk.

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