Zukunftsdialog 2019

Klare Anforderungen für Pflanzenschutz


Die Wirtschaft muss mehr investieren, die Regeln für eine nachhaltigere Bewirtschaftung klar formuliert werden. Das fordert FiBL-Direktor Urs Niggli auf dem Zukunftsdialog.

Um die Landwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten, sollte das Ziel der Bundesregierung, 20 Prozent der Agrarfläche ökologisch zu bewirtschaften, möglichst schnell umgesetzt werden. Diese Einschätzung vertrat Prof. Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für den biologischen Landbau (FiBL). Niggli sprach sich für eine Förderung des integrierten Pflanzenschutzes aus: „Aber wir müssen den integrierten Pflanzenschutz mit klaren Anforderungen hinterlegen und mit gut ausgebildeten Bauern umsetzen – sonst bringt das gar nichts“, unterstrich Niggli. Der FiBL-Direktor richtete einen klaren Appel an die Wirtschaft, mehr Investitionen für alternative Ansätze in der Landwirtschaft bereitzustellen: „Wir haben in der Wissenschaft unzählige gute Ideen zum biologischen Pflanzenschutz – aber um diese umzusetzen, sind hohe Investitionen der Wirtschaft in die Zukunft erforderlich.“

Deutschland schlampt bei Pestizid-Reduktion

In Sachen Pflanzenschutz-Politik stellt Martin Häusling, Europaparlamentarier der Grünen, der deutschen Agrarpolitik ein schlechtes Zeugnis aus: „Deutschland muss eine Reduktionsstrategie für Pestizide nach Deutschland liefern. Es kommen noch nicht einmal Zahlen“, betonte Häusling. Auch von der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik forderte er ein höheres Ambitionsniveau in Sachen Umweltschutz: „Wir geben mit den Direktzahlungen einen Haufen Geld aus, und es bringt nichts. Noch nicht einmal die konventionellen Bauern sind zufrieden“, unterstrich Häusling auf dem Zukunftsdialog.

Jenseits ideologischer Gräben

Carina Konrad (FDP), stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Agrar und Ernährung im Bundestag und selber praktische Landwirtin, forderte indessen die Diskutanten dazu auf, jenseits ideologischer Gräben zwischen konventionell und ökologisch wirtschaftenden Erzeugern nach Lösungen zu suchen: „Wir brauchen die konventionelle Landwirtschaft für die Sicherung stabiler Erträge. Gleichzeitig müssen wir Nachhaltigkeitskriterien in der landwirtschaftlichen Produktion stärker verankern“, so Conrad auf dem Zukunftsdialog. Helfen bei einer nachhaltigeren Produktion könne die Digitalisierung mittels Precision-Farming-Technologien für gezieltere Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutz. Mit Blick auf Pflanzenschutz monierte Conrad die schleppende Zulassungspraxis in Deutschland: Im vergangenen Jahr sei nur ein Pflanzenschutzmittel neu zugelassen worden: „Das ist kein Zustand.“

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  1. Michael Sailer
    Erstellt 4. Juni 2019 18:22 | Permanent-Link

    Als Teilnehmer heute in Berlin hatte ich den Eindruck und das kam von einigen Diskussionsteilnehmern deutlich rüber, dass offensichtlich nur die konventionelle Landwirtschaft der Grund allen Übels in Sachen Biodiversivität ist. Alle anderen Ursachen wie chemische Verseuchung, Luftverschmutzung, Meereswasserverschmutzung, menschlicher Antibiotika-Eintrag usw. werden einfach als unerforscht und damit als nicht ursächlich ausgeklammert. Erforscht seien nur die Schäden durch die konventionelle Landwirtschaft. Kein Wort über die Schäden bei Bodenbrütern, welche das ständige Striegeln verursacht. Lächerlich, wenn von Lidl argumentiert wird, dass man zu Bioland gegangen ist. Damit keine osteuropäischen Biorohstoffe mehr verwendet werden müssen. Bekanntlich ist Bioland ganz groß im rezertifizieren von Rohstoffen aus aller Welt. Die ganze Veranstaltung durchzog wie ein roter Faden die Schuldzuweisung an die Landwirtschaft. Ein Danke an die wenigen Diskussionsteilnehmer und Moderatoren, welche Ökonomie, Ökologie und gesunde Ernährung in Einklang gebracht haben, im Gegensatz zu jenen, welche einseitig Schuldzuweisungen verteilt haben und nur einseitige Lösungen fordern, ohne gesicherte Perspektiven für einen großen Teil der Landwirte aufzuzeigen.

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