Zukunftsdialog 2019

Schulze will „Pestiziden“ an den Kragen


Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) warb auf dem Zukunftsdialog für einen Wandel im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln.
Foto: Phil Dera
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) warb auf dem Zukunftsdialog für einen Wandel im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln.

Die Bundesumweltministerin sagt dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln den Kampf an. Dem BMEL wirft Schulze Untätigkeit bei der Gestaltung der EU-Agrarreform  vor.

In einem Punkt zeigte sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) versöhnlich mit ihrer Kabinettskollegin, Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU). Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) als Mitglied des Klimakabinetts habe zehn Punkte für mehr Klimaschutz vorgelegt. „Das ist ein guter Anfang. Die vorgeschlagenen Schritte müssen jetzt konkretisiert werden, da sind wir in engem Austausch“, sagte Schulze auf dem Zukunftsdialog Agrar & Ernährung von agrarzeitung (az) und DIE ZEIT am Dienstag in Berlin. Generell habe das Thema Klimaschutz durch die Europawahlen Rückenwind bekommen, ist sich Schulze sicher.

Heftige Kritik äußerte Schulze am BMEL in Sachen Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) nach 2020: „Wir sind uns innerhalb der Bundesregierung darüber einig, dass der vorliegende Vorschlag für die GAP-Reform der noch amtierenden Kommission völlig unzureichend ist. Aber darüber, wie sie stattdessen aussehen soll, hat das federführende Bundesagrarministerium noch keine Vorschläge vorgelegt“, kritisierte Schulze. Die SPD-Ministerin fordert ein Umsteuern in der GAP hin zu mehr Umweltschutz: „Wir müssen die EU-Agrarpolitik dahingehend ändern, dass sie Landwirte dafür bezahlt, die viel für den Artenschutz und Umweltschutz tun“, so Schulze. In einem ersten Angang könne dies durch eine bessere Ausstattung der 2. Säule der GAP für Umweltprogramme geschehen.

Pochen auf Glyphosat-Ausstieg

In Sachen Pflanzenschutz forderte Schulze auf dem Zukunftsdialog, den Umgang mit „Pestiziden“ grundsätzlich zu ändern. Die SPD-Politikerin bekräftigte in dem Zusammenhang den im Koalitionsvertrag verankerten Ausstieg aus der Verwendung von Glyphosat. „Doch geht es bei der Debatte nicht nur um Glyphosat, sondern grundsätzlich um den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“, so Schulze weiter. Landwirte erbrachten zwar bereits Leistungen für den Umwelt- und Artenschutz, etwa über den Anbau von Blühstreifen, doch diese seien mit Blick auf den Schwund der Insektenpopulation zu gering“, so Schulze weiter. „Das Programm meines Ministeriums für den Insektenschutz liegt vor. Wir müssen jetzt handeln, wir wissen genug“, lautet ihr Appell an die Kabinettskollegen.

In Sachen Dünge-Verordnung sieht Schulze ebenfalls „dringenden Handlungsbedarf“. Andere Mitgliedstaaten wie Dänemark, die ein Reduktionsziel für die Düngung von 20 Prozent bereits einhalten, würden „mit den Fingern auf Deutschland zeigen und fordern, dass die ungerechten Wettbewerbsvorteile der deutschen Landwirte endlich beendet werden“, unterstrich die Bundesumweltministerin.

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  1. Manfred Koppenhagen
    Erstellt 4. Juni 2019 15:54 | Permanent-Link

    Jede andere Aussage von Frau Schulze, die womöglich noch geprägt von Abwägung von Sachargumenten oder Fachwissen gewesen wäre, hätte mich gewundert. Die SPD und damit auch Frau Schulze steht mit dem Rücken zur Wand und wer nichts mehr zu verlieren hat, geht manchmal irre.
    Was vollkommen auf der Strecke bleibt, sind jedoch zwei Überlegungen: die SPD blickt auf 20 % Wahlerfolg bei den Grünen. Das heißt aber auch, 80 % haben nicht grün gewählt. Vielleicht sollte man sich um diese Wähler auch kümmern.
    Und zweitens: bevor man als SPD ansetzt, die Grünen links zu überholen, wäre vielleicht folgendes eine Überlegung wert. Bevor ein Wähler die SPD wählt, um grüne Ziele zu verwirklichen, wählt er doch wahrscheinlich das Original und keine zweitklassige Kopie.
    Vielleicht wäre Frau Schulze und ihre Truppe mal gut beraten, nachzuforschen, was 80 % "Nicht-Grün-Wähler" wollen und sich darum zu kümmern.

  2. Ulm
    Erstellt 4. Juni 2019 16:48 | Permanent-Link

    Herr Koppenhagen, das trifft den Nagel auf den Kopf! Glückwunsch.

  3. Bauer Willi
    Erstellt 4. Juni 2019 20:54 | Permanent-Link

    Bei der nächsten Bundesregierung wird die SPD nicht mehr dabei sein. Und auch der Staatssekretär, der Frau Schulze die Richtung vorgibt und die Reden schreibt ("mir ist egal, wer unter mir Ministerin ist") wird Geschichte sein. Frau Schulze merkt leider nicht, dass sie sich mit ihrer ständigen Opposition gegen das BMEL selbst das Grab schaufelt und gleichzeitig noch die Koalition gefährdet. Etwas mehr Kompromissbereitschaft wäre von Nöten, aber das wird sie wohl nicht mehr kapieren.

  4. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 5. Juni 2019 09:50 | Permanent-Link

    Unsere hochverehrte Frau Bundesumweltministerin Schulze verkennt offensichtlich (noch), dass der gigantische Kapitaltransfer, welcher momentan direkt den ökologisch bewirtschafteten Flächen zufließt, kurz- bis mittelfristig in dieser Form unserer Bevölkerung nicht mehr zu vermitteln sein wird; insbesondere jenen 50% der Habenichtse nicht.

    Die ersten Grundeigentümer sind schon hellhörig geworden, welche Summen da alljährlich auf den Öko-Konten verbucht werden.

    „Kampf dem Pestizideinsatz“!? - Der aktuelle Gelbrostbefall macht übrigens keinen großen Bogen um unsere Ökoflächen herum, sondern labt sich förmlichst gerade in diesen Kulturen, die tendenziell augenblicklich explosionsartig zunehmen. Gerade auf jenen Flächen mit Klee und anderen Stickstoffsammlern als Vorfrucht, wo jetzt eine enorme Mineralisation stattfindet, lassen sich zunehmend solche Gelbrost-Areale sogar für jeden Spaziergänger optisch problemlos erkennen. Wer zeichnet nun für selbige biologischen Emissionsquellen verantwortlich, von denen schließlich auch sämtliche Nachbarflächen nachhaltig bedroht sind? - Die Natur soll‘s richten. Unsere Vorfahren jedenfalls wussten eine solche Problematik noch anders zu handhaben.

    Wohin bewegt sich dieser Stickstoff auch auf vorstehenden Flächen schlussendlich? - Frau Schulze wurde während ihrer Ausbildung mit dem windigen Burschen Nitrat wohl kaum konfrontiert.

    Unsere dekadente Wohlstandsgesellschaft schwelgt gegenwärtig in einem absoluten Nahrungsmittelüberfluss und genau so verhält sie sich auch (noch)..., leider!

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