Weidemilch

Sommertrend im Kühlregal

Mehrwert ist der Schlüssel, um die Milchvermarktung zu fördern. Im Trend ist hier die Weidemilch. Die Ammerland Molkerei würde am liebsten komplett umstellen. Das spart auch Logistikkosten.

Seit Anfang Mai bietet Lidl in Norddeutschland unter der Eigenmarke „Milbona" Weidemilch an. Von August an will Rewe die neue Milch in rund 1400 Supermärkten im Sortiment haben. Mit dem Einstieg von Discountern und Lebensmitteleinzelhandel (LEH) besteht die Chance, dass das Produkt die Nische verlässt.

Der Handel nimmt zunehmend Weidemilch ins Sortiment
-- , Foto: Archiv
Der Handel nimmt zunehmend Weidemilch ins Sortiment
Der Absatz an Weidemilch ist prozentual rasant gestiegen, doch absolut gesehen ist die Menge ziemlich klein. So sind im 1. Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast 30 Prozent mehr Weidemilch als Trinkmilch im LEH verkauft worden (siehe Übersicht). Allerdings erreicht die Menge mit rund 6 Mio. Liter pro Monat bisher ein sehr niedriges Niveau. Zum Vergleich: Laut Nielsen Handelspanel lag der Absatz von Konsummilch im LEH im April 2017 bei mehr als 320 Mio. Liter. So landet maximal eine von 53 Trinkmilchtüten als Weidemilch beim Konsumenten.

Weidemilch-Käse soll folgen

Ein Weidemilch-Vorreiter ist die Molkerei Ammerland. Rund 500 Mio. kg erfasst die norddeutsche Genossenschaft unter dem Label. Allerdings kann Ammerland derzeit nur rund 10 Prozent als Weidemilch vermarkten; gerade wird ein Weidemilch-Käse entwickelt, um die teurere Milch zu verwerten. Der Schlüssel liegt bei 1:10, verbraucht werden 10 kg Milch, um 1kg Käse zu produzieren.

Iren sind nicht einverstanden
Es steht 120/6 gegen 300/7. In Deutschland darf Milch als „Weidemilch" beworben werden, wenn die Kühe mindestens sechs Stunden an 120 Tagen jährlich Weidegang haben. Das entschied kürzlich das Oberlandesgericht Nürnberg. Die Iren halten das für eine Mogelpackung. Sie werben mit einem Weidegang, der 24 Stunden an 300 Tagen im Jahr möglich ist. Bis zur europaweiten Harmonisierung des Begriffs ist es also noch ein weiter Weg. (kbo)
Am liebsten wäre es Heiko Hinrichs, stellvertretender Vorsitzender bei Ammerland, wenn sich sämtliche Milch als Weidemilch vermarkten ließe. Für den Export könne er damit leben, wenn alles aus einem großen Bestand komme. Beim deutschen Markt sieht das anders aus: „Wir können nicht alle das Gleiche machen“, meint Hinrichs. Und so macht er ordentlich Werbung für die Produktionsweise, bei der die Kuh mindestens 120 Tage im Jahr für sechsStunden auf der Weide steht, die Anbindehaltung verboten und das Futter gentechnikfrei ist.

Vielfalt kostet

Sein Einsatz für die Weidemilch hat auch logistische Gründe. Je nach Molkereikonzept können mittlerweile bis zu vier Schienen bedient werden: Konventionell, Bio, Weidemilch und gentechnikfreie Fütterung. Da die Milch getrennt von Biomilch und konventioneller Milch gesammelt werden muss, kann es passieren, dass in einem Dorf verschiedene Tankwagen der gleichen Molkerei unterwegs sind.

Das führe bei Ammerland zu einer gewissen „Spannung unter einem Dach“, so Hinrichs. „Wir machen Angebote und ich versuche jeden Tag für das Produkt zu werben. Aber das geht alles nur auf freiwilliger Basis.“ Die Genossenschaft kann den Mitgliedern nicht die Produktionsweise vorschreiben. Das müssten die Mitglieder mehrheitlich selbst beschließen. Hinrichs‘ Angebot sieht derzeit einen um einen Cent pro kg Milch höheren Auszahlungspreis vor.

Zwischen Konventionell und Bio

„Wir müssen uns daran messen lassen, ob Geld an den Erzeuger fließt“, erklärt Anne Francksen. Sie gehört mit zum Team „Pro Weideland“. Unter dem Dach des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums hat Pro Weideland Kriterien zur Vereinheitlichung des Begriffs Weidemilch entwickelt. Zu den Partnern des gut drei Jahre laufenden Projektes gehören neben öffentlichen Institutionen die Molkereien DMK und Ammerland. Francksen erwartet einen „On-Top-Preis“, der zwischen Konventionell und Bio liegt. „Das Ziel: Fünf Cent mehr pro Liter“, erklärt Francksen. (kbo)
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